Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mediterrane Gebiete und Gebirge sind innerhalb Europas am stärksten vom globalen Wandel betroffen

28.10.2005

Das Schadenspotenzial verschiedener europäischer Regionen gegenüber dem globalen Wandel wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmen und zu Problemen in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, im Naturschutz, der Energie- und Wasserwirtschaft sowie im Tourismus führen. Die Ursache sind sowohl der Klimawandel als auch die sich ändernde Landnutzung. Als Folge reduzieren sich viele „Dienste“, die von Ökosystemen geliefert werden, wie z.B. die Produktion von Nahrung, der Schutz der Wasserressourcen und das Erholungsangebot. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung, die in dieser Woche im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wird. Die Studie wurde von der Europäischen Kommission gefördert, von 16 europäischen Forschungsinstituten durchgeführt, und vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie der Universität Wageningen (Niederlande) geleitet.

Die Forscher entwickelten zunächst verschiedene Szenarien von sozioökonomischen Faktoren, Klima und Landnutzung für ganz Europa bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Durch Diskussion mit Experten aus der Privatwirtschaft und aus betroffenen öffentlichen Institutionen, wurden anschließend Indikatoren für die Empfindlichkeit gegenüber den Veränderungen identifiziert. Der Dialog zielte auch darauf ab, die Nutzer auf die Anwendung von Ergebnissen der Studie in ihren politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen vorzubereiten. „Es war uns besonders wichtig, Experten aus der Praxis von Anfang an in das Projekt mit einzubeziehen. Wir wollten sicherstellen, dass die Nutzer unsere Methoden mitentwickeln können, damit unser Verständnis des Mensch-Umwelt Systems, die untersuchten Problemfelder, und die Ergebnispräsentation ihre Adressaten erreichen können,“ sagt Dr. Dagmar Schröter, Erstautorin und wissenschaftliche Koordinatorin der Studie.

Unter anderem fanden die Wissenschaftler heraus, dass die europaweiten Trends in der Landnutzung durchaus Optionen für eine umweltgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung bieten (z.B. durch den erwarteten landwirtschaftlichen Flächenüberschuss, der z.B. für die Bioenergieproduktion nutzbar wäre). Andererseits ist der Klimawandel ein wichtiger Faktor und wird in vielen Regionen Probleme bereiten. Der Klimawandel allein könnte beispielsweise dazu führen, dass bis zum Jahr 2080 zusätzliche 14 bis 38% der Bevölkerung des Mittelmeerraums in Gebieten mit erhöhtem Wassermangel leben. Hinzu kommt die zusätzliche Belastung durch steigenden Wasserbedarf für Tourismus und Landwirtschaft. Die Wissenschaftler erwarten häufigere und schwerere Trockenperioden, ähnlich den Dürren in den Jahren 2003 und 2005. Solche Trockenperioden erhöhen die Waldbrandgefahr, besonders im Mittelmeerraum. Höhere Temperaturen und der Rückgang der Schneedecke verändern den Jahresverlauf und die Menge des Wassers in Flüssen: Generell wird eine geringere Wasserführung im Sommer und mehr Wasser im Winter erwartet. Dies erhöht die Gefahr von Überschwemmungen und beeinträchtigt die Schiffbarkeit, ebenso die Wasserkraftnutzung im Sommer. Der Rückgang der Schneedecke beeinträchtigt außerdem den Wintersport.

„Die Verantwortlichen für den Naturschutz werden mit erheblichen Veränderungen in der Häufigkeit und Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten rechnen müssen,“ erklärt Dr. Schröter, „besonders die Tiere und Pflanzen der Gebirge und des Mittelmeergebietes sind empfindlich; schon heute sind Veränderungen unübersehbar.“ Eine flexiblere Bewirtschaftung von Naturschutzgebieten könnte möglicherweise die Verluste reduzieren. Allerdings wiesen die eingeladenen Sachverständigen aus dem Naturschutz auch darauf hin, dass die existierenden Schutzgebietsgrenzen, angesichts der momentanen Gesetzgebung und der Eigentumsverhältnisse, nur sehr schwer zu verschieben sind.

Die Studie bestätigt auch, dass europäische Ökosysteme derzeit erhebliche Mengen Kohlendioxid (CO2) aus Treibhausgasemissionen absorbieren. Die erwarteten Zunahmen in Waldflächen und atmosphärischer CO2-Konzentration wirken sich zunächst positiv auf diese Senke aus. Aber bis zum Ende des Jahrhunderts wird sich die globale Erwärmung auch durch die Freisetzung von Bodenkohlenstoff aus Europa wieder beschleunigen. Anstatt Treibhausgasemissionen zu absorbieren, werden europäische Wiesen und Wälder dann zu den Emissionen beitragen.

Vertreter aus Wirtschaft und Politik begrüßten die Studie und betonten, dass die negativen Auswirkungen des globalen Wandels für sie ein Grund zu erheblicher Sorge seien. Vor dem Hintergrund ökonomischer Veränderungen und enger gesetzlicher Regelungen müssen sie mit einer Spanne an möglichen Auswirkungen globalen Wandels rechnen, die außerdem innerhalb Europas regional unterschiedlich ausfallen. Die soeben erschienene Studie ist die erste, welche die Auswirkungen des globalen Wandels auf die vielfältigen Prozesse, die für das menschliche Wohlergehen bedeutsam sind, wissenschaftlich untersucht hat.

Zusätzliche Informationen:

Dr. Dagmar Schröter, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und George Perkins Marsh Institute, Clark University (Worcester), 59 Aberdeen Avenue, Cambridge, MA, 02138, USA. Tel. +1 617 447 8479. E-mail: Dagmar.Schroeter@gmail.com

Prof. Dr. Wolfgang Cramer, Abteilung Globaler Wandel und Natürliche Systeme, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Postfach 60 12 03, 144 12 Potsdam, Tel. 0331-288-2521, E-mail: Wolfgang.Cramer@pik-potsdam.de

Prof. Dr. Rik Leemans, Environmental Systems Analysis Group, Wageningen University, PO Box 47, 6700 AA Wageningen, The Netherlands, Tel +31-317-484919, E-mail: rik.leemans@wur.nl

Margret Boysen | PIK-Pressemitteilung
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org,
http://www.sciencexpress.org
http://www.pik-potsdam.de/ateam

Weitere Berichte zu: E-Mail Gebirge Klimawandel Landnutzung Naturschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten