Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetisch bedingtes Krebsrisiko zu selten überprüft

07.09.2005


Obwohl viele Tumorerkrankungen auf eine erbliche Veranlagung des Patienten zurückzuführen sind, wird dieser Zusammenhang nur selten untersucht. Dies geht aus einer Studie der Selbstständigen Abteilung für Sozialmedizin an der Universität Leipzig hervor.


Die vom BMBF im Rahmen des Förderschwerpunkts "Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Molekularen Medizin" geförderte Studie "Molekulargenetische Unter- und Überdiagnostik", durchgeführt unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold Schwarz und Gregor Weißflog von der Universität Leipzig, liefert Daten zur Häufigkeit des Einsatzes genetischer Diagnostik bei Tumorpatienten. Außerdem wurde vergleichend die psychosoziale Belastung von Patientinnen mit und ohne Risiko im Verlauf eines Jahres nach der Diagnose einer Krebserkrankung analysiert. Die genetische Diagnostik untersucht, ob bei Gesunden aufgrund von ererbten Genmutationen bzw. –veränderungen ein erhöhtes Krebsrisiko besteht und ob schon an Krebs erkrankte Personen durch erbliche Vorbelastungen besonders gefährdet waren.

Im Rahmen des Diagnostikprozesses wird zunächst von einem Humangenetiker in einem ersten Beratungsgespräch eine Familienanamnese erstellt, die u.a. zeigt, wie viele Familienangehörige des Betroffenen an Krebs erkrankt waren und sind. Anschließend folgt die eigentliche Testung der Gene (DNA) und weitere – auch psychologische – Beratungen. Wird die Trägerschaft einer krebsrisikoerhöhenden Mutation diagnostiziert, kann oft wirkungsvoll vorgebeugt werden – entweder durch intensivierte Vorsorgeuntersuchungen bzw. prophylaktische Operationen oder aber bei Krebspatienten durch Prävention von Zweiterkrankungen sowie durch Informierung und Beratung im Hinblick auf möglicher Weise gefährdete Familienmitglieder.


Im Rahmen des Projektes wurden in den vergangenen drei Jahren 432 Krebspatientinnen aus verschiedenen Krankenhäusern befragt. Die Patientinnen wurden zu Tumorerkrankungen in ihren Familien befragt sowie mit Hilfe klinisch-epidemiologischer Kriterien verschiedenen Risikokategorien zugeordnet. Von ihnen wurden 135 (31 Prozent) als Patientinnen mit möglicherweise genetischem Risiko identifiziert. Bei den 135 Patientinnen ist also anhand der Informationen aus der Familienanamnese von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer krebsspezifischen Genmutation auszugehen. Ob diese Mutation dann tatsächlich vorliegt, kann erst durch eine Testung sicher gesagt werden.

Nach zehn Wochen konnten noch 88 der 135 Patientinnen befragt werden (die anderen waren nicht erreichbar oder verstorben ). Lediglich drei von ihnen hatten eine genetische Diagnostik in Anspruch genommen, fünf weitere hatten diese geplant. Ein Jahr nach der ersten Befragung standen der Studie noch 68 Personen mit genetischem Risiko zur Verfügung – nur sieben von ihnen hatten eine genetische Diagnostik aufgesucht. "Wir sehen uns also in der Versorgungspraxis mit einer mangelnden Integration genetischer Diagnostik konfrontiert", kritisiert Weißflog. Der geringe Anteil von Krebspatientinnen, der diese Untersuchung in Anspruch nimmt, stehe im Widerspruch zu der Tatsache, dass ein bedeutender Anteil aller Krebserkrankungen durch eine Veränderung eines Gens mitbedingt ist. "Viele Patientinnen haben Angst vor dem Ergebnis einer solchen Untersuchung", weiß der Wissenschafter, "da die Diagnose nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verwandten betrifft. Wenn eine Frau weiß, dass ihr Brustkrebs ererbt ist, macht sie sich natürlich Sorgen um ihre Töchter."

Ferner wurde im Rahmen der Studie der konkrete Ablauf des genetischen Diagnostikprozesses untersucht. Die medizinischen Akten von 96 Patientinnen, die bereits einen Humangenetiker aufgesucht hatten, wurden ausgewertet; die Mehrheit von ihnen wurde dorthin überwiesen, die wenigsten kamen auf eigene Initiative. 99 Prozent nahmen an einem Beratungsgespräch zur genetischen Diagnostik teil. 81 Prozent von ihnen ließen sich auf krebsspezifische Genmutationen untersuchen – bei 34 Patientinnen (35,4 Prozent) wurde eine solche Mutation festgestellt. Professionelle psychosoziale Hilfe wurde von 16 Prozent der betroffenen Frauen in Anspruch genommen.

Der Frage, warum der Abklärung des genetischen Risikos in der Akutversorgung so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, muss in weiteren Studien nachgegangen werden. Friederike Haupt

Weitere Informationen:
Dipl.-Psych. Gregor Weißflog
Telefon: 0341 97-15415

Prof. Dr. Reinhold Schwarz
Telefon: 0341 97-15407

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Diagnostik Genmutation Krebsrisiko Mutation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Eine detaillierte Waldkarte des blauen Planeten

26.09.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index steigt weiter

26.09.2017 | Wirtschaft Finanzen