Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue FiBS-Studie zur Ökonomisierung und Angebotsentwicklung in der Weiterbildung erschienen

29.04.2005


Finanzierungsstruktur öffentlich finanzierter Einrichtungen hat sich erheblich verändert - Ökonomisierung bleibt aus



Nach einer aktuellen Untersuchung des Kölner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) hat sich die Finanzierungsstruktur öffentlich finanzierter Weiterbildungseinrichtungen wie insbesondere der Volkshochschulen in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert. Dabei zeigt die Studie, die im Auftrag des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) durchgeführt wurde, auch, dass die viel diskutierte Ökonomisierung in der Weiterbildung ausgeblieben ist. Dramatisch hingegen sind die prozyklischen Kürzungen in der Förderung der beruflichen Weiterbildung, die wirtschaftlich schwache Regionen deutlich stärker trifft.



Deutlich reduziert hat sich bei den Volkshochschulen seit Anfang der 1990 Jahre insbesondere der Anteil an öffentlicher Grundfinanzierung von rund 51 auf 42 Prozent. Diese Reduktion fällt allerdings vollständig in den Zeitraum bis zum Jahr 2000; danach ist der öffentliche Anteil sogar wieder leicht angestiegen. Allerdings kann dieser verringerte Anteil nicht mit tatsächlich sinkenden Beträgen gleichgesetzt werden. Kompensiert wird der geringere Anteil vor allem durch zunehmende Teilnehmerbeiträge. Leicht gestiegen sind bis zum Jahre 2003 auch die "Drittmittel" aus öffentlichen Quellen, wie etwa die Projektförderung des Bundes oder der Bundesagentur für Arbeit.

Angesichts sinkender öffentlicher Mittel stellt sich allerdings die Frage, wie nachhaltig die derzeitige Finanzierungsstruktur der Volkshochschulen auf die mittlere Sicht ist. "Viele Projekte werden auslaufen, und nur begrenzt ist Ersatz in Sicht. Hier sind die Volkshochschulen gefordert, sich frühzeitig auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen," so Dr. Dieter Dohmen, der Leiter des FiBS. "Wer zulange wartet, riskiert die Zukunft seiner Einrichtung."

Die erheblichen Einsparungen bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung wirkten sich zumindest bis Ende 2003 bei den Volkshochschulen noch nicht in dem erwarteten Umfang aus, was auch auf die diversifizierte Programmstruktur zurückzuführen ist. Dramatische Veränderungen zeigen sich jedoch, wenn man die Förderung der beruflichen Weiterbildung insgesamt betrachtet. Die Einsparungen sind auf die Kombination von verringertem Finanzvolumen, erhöhten Anforderungen für förderfähige Kurse und die Einführung des Weiterbildungsgutscheins zurückzuführen - jedoch nicht auf den Gutschein alleine.

Letzterer dürfte aber in vielen Regionen die Entwicklung verschärft haben, weil die Geförderten alleine gelassen wurden und viele Kurse aufgrund zu geringer Nachfrage und unzureichender Koordination und Kooperation nicht zustande gekommen sind. "Diese Entwicklung ist umso problematischer, als sich deutliche Tendenzen für eine ’prozyklische Entwicklung’ zeigen," meint der Bildungsökonom. "Dies bedeutet, dass die Rückgänge im Fördervolumen umso stärker sind, je schwächer die wirtschaftliche Situation einer Region ist. Dies gilt insbesondere für Ost- und teilweise auch Norddeutschland. Wie Entwicklungen auch bei anderen Gutscheinmodellen, beispielsweise der Hamburger Kita-Card, verdeutlichen, reicht es nicht aus, Gutscheine irgendwie einzuführen. Viel wichtiger ist die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung. Und hier kann man bezogen auf den Weiterbildungsgutschein eigentlich nur von Dilettantismus sprechen! Es soll dabei allerdings nicht verkannt werden, dass ein geringeres Budget und höhere Anforderungen den zentralen Grundstein für die Entwicklung gelegt haben."

Eine andere wichtige Konsequenz der neuen Förderstrukturen ist, dass immer mehr Menschen keine Qualifizierung mehr erhalten, sondern allein gelassen werden. "Will man dies verhindern," sagt Dr. Dieter Dohmen, "so erfordert dies eine vollständige Neuorientierung in der Weiterbildungsfinanzierung, die stärker die Benachteiligten ins Blickfeld nimmt. Ansonsten werden wir einen wachsenden Anteil an Menschen haben, die faktisch auf Dauer vom Arbeitsmarkt und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind, Wollen wir dies wirklich?"

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik