Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Versicherungen entdecken Ertragspotenzial ausländischer Kunden

22.04.2005


Ein Viertel der deutschen Versicherer will bei der Entwicklung neuer Produkte künftig stärker auf die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen achten. Zu diesem Ergebnis kommt der "Insurance Trend", eine Studie der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen und dem Versicherungsmagazin. Umgesetzt wurde die Studie mit Unterstützung des Spezialisten für Umfrage- und Beschwerdemanagementsoftware Inworks. Ein bisher von den Assekuranzen kaum erschlossener Markt sind demnach maßgeschneiderte Versicherungen für unterschiedliche ethnische Gruppen, beispielsweise Menschen türkischer Herkunft oder Zugereiste aus Osteuropa. Über sieben Millionen Menschen mit ausländischem Pass leben in Deutschland. Allein auf den Konten der mehr als zwei Millionen türkischen Mitbürger schlummern rund 20 Milliarden Euro, schätzen unabhängige Finanzexperten. Ein Ertragspotenzial, das die Versicherungsbranche bisher nicht ausschöpft. Angebote oder Strategien, die gezielt ausländische Versicherungsnehmer ansprechen, sind bisher die Ausnahme.


Der Durchschnittsdeutsche spart etwa zehn Prozent seines Nettoeinkommens. Bei den türkischen Mitbürgern ist es mehr als doppelt so viel. Ausländer der zweiten oder dritten Generation überweisen immer weniger Geld in die Heimat. Die jungen Ausländer sind somit für Lebensversicherer als Kundenkreis besonders interessant. Sie vertrauen immer weniger auf die Absicherung durch die Großfamilie und kümmern sich verstärkt um die eigene Vorsorge in Deutschland. Auch in anderen Versicherungssparten werden ausländische Bevölkerungsgruppen nicht ausreichend beachtet: Nur ein Viertel der türkischen Mitbürger besitzt eine private Haftpflichtversicherung. Bei den Deutschen sind es dagegen 60 Prozent.

Ein Großteil der Versicherer ist derzeit noch zurückhaltend und scheut vor allem die zusätzlichen Marketinginvestitionen für eine zielgruppengerechte Ansprache ausländischer Kunden. Werbung, Vertrieb und Produktentwicklung müssen sich dabei auf die unterschiedlichen Zielgruppen einstellen, ihre Bräuche und Gesetze respektieren. Der Islam verbietet beispielsweise Geschäfte, die eine Zinszahlung vorsehen. Strenggläubigen Moslems ist es demnach nicht erlaubt, eine klassische Lebensversicherung abzuschließen. Ein Aspekt, den bisher nur wenige Versicherer bei der Entwicklung neuer Produkte berücksichtigten. Mehr als zwei Drittel der befragten Versicherungsunternehmen setzen zwar in Zukunft auf eine größere Angebotsvielfalt, so die Studie von Steria Mummert Consulting. Fast 60 Prozent halten jedoch die Kundenbindung für die wichtigste Herausforderung.


Die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Monate (Mehrfachnennungen):

Erhöhung Kundenbindung/-vertrauen: 59 Prozent
Senkung der operativen Kosten: 53 Prozent
Optimierung betrieblicher Prozesse: 53 Prozent
Gewinnung von Marktanteilen: 29 Prozent
Produktinnovationen: 26 Prozent
Vertriebssteuerung/Multichanneling: 25 Prozent

Während sich die Versicherungen noch schwer tun und Produkte speziell für Kunden einzelner ethnischer Gruppen in kaum nennenswertem Umfang anbieten, ist man in der Bankenwelt bereits einen Schritt weiter. In England öffnete 2004 die erste rein islamische Bank. Auch in Deutschland wenden sich Banken verstärkt der muslimischen Klientel zu. So bieten sie beispielsweise spezielle Fonds an, die mit den Lehren des Korans vereinbar sind. In diesen Fonds dürfen dann unter anderem keine Aktien von Unternehmen enthalten sein, die Alkohol ausschenken oder mit Tabak handeln. Über die Zusammenstellung der Fonds wachen speziell geschulte Experten.

Die "Insurance Trend"-Studie der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen (I.VW-HSG) und der Fachzeitschrift "Versicherungsmagazin". Das Institut für Versicherungswirtschaft ist das führende Brancheninstitut der Assekuranz. Für die Studie wurden 337 Fach- und Führungskräfte aus der Versicherungsbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Unterstützung des Spezialisten für Umfrage- und Beschwerdemanagementsoftware Inworks befragt. Die "Insurance Trend"-Studie wird regelmäßig viermal im Jahr durchgeführt, um Branchentrends kontinuierlich erfassen zu können.

Jörg Forthmann | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: Ertragspotenzial Versicherer Versicherungswirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie