Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internet ist oft noch nicht der passende Schlüssel zum Wissen

29.06.2001


Eine Nutzer-Studie an deutschen Hochschulen zeigt: Informationskompetenz noch keine Schlüsselkompetenz an deutschen Hochschulen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Sozialforschungsstelle Dortmund (zusammen mit der Universität Dortmund und der Gesellschaft für angewandte Unternehmensforschung und Sozialstatistik mbH - gaus ) zur "Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMB+F).

Im März diesen Jahres wurde dem Ministerium ein Maßnahmenkatalog überreicht, in dem Schritte zur Verbesserung der Informationskompetenz vorgeschlagen werden.

Die umfassende Bestandsaufnahme der Sozialforschungsstelle Dortmund im Rahmen von drei repräsentativen schriftlichen Befragungen von Dekanaten, Hochschullehrenden und Studierenden zur Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung hat ergeben: Zwar wird zunehmend das Internet zum Informationsmedium Nummer 1 auch im Studium - aber die fach- und sachgerechte Nutzung lässt stark zu wünschen übrig. Ein Grund ist die geringe Informationskompetenz der Studierenden. Folge dieses Mangels: Das Angebot an elektronischer wissenschaftlicher Information wird als unübersichtlich empfunden; die Zufriedenheit mit den Ergebnissen der elektronischen Recherchen ist gering. Die Potenziale der neuen Informationsmedien werden nicht ausgeschöpft.

Im Einzelnen zeigt die Studie:

  • Nur in jeder 20. Fakultät ist die Förderung der Informationskompetenz - als Bestandteil der zu erwerbenden wissenschaftlichen Qualifikation - in der Prüfungsordnung verankert.
  • 64,1 % der Studierenden suchen elektronische Fachinformation mit Lycos, Altavista oder anderen kommerziellen Suchmaschinen - mit zumeist geringem Erfolg.
  • Nur jeder 10. Studierende nutzt kostenpflichtige Angebote elektronischer Recherche in Fachdatenbanken, obwohl diese hochwertige und geprüfte wissenschaftliche Information bereitstellen.
  • Nur jeder 8. Studierende erwirbt sich Informationskompetenz systematisch im Rahmen von Einführungsveranstaltungen der Bibliotheken. Die große Mehrheit der Studierenden (79,6%) erlernt die Nutzung elektronischer Medien autodidaktisch, also durch Versuch und Irrtum, obwohl ihre Dozentinnen und Dozenten diesen Weg als wenig angemessen betrachten.
  • Nur ein Drittel aller befragten Hochschullehrenden fördert die Informationskompetenz ihrer Studierenden im Rahmen der eigenen Lehrveranstaltungen.
  • Um ihre methodisch-didaktischen Fähigkeiten zur Vermittlung von Informationskompetenz weiterzuentwickeln, plädieren die Hochschullehrenden dafür, dazu Weiterbildungsveranstaltungen auch für Lehrende einzurichten.

Auch wenn man fachspezifische Unterschiede in der Informationskompetenz der Studierenden einräumt, zeigt die Studie der sfs: In etlichen Studienbereichen können Studierende an deutschen Hochschulen den hohen Anforderungen des Studiums und des Berufslebens in punkto Informationskompetenz heute nicht gerecht werden. Projektleiter Dr. Rüdiger Klatt: "Viele Studierende nutzen zu häufig einfache Zugänge wie etwa Suchmaschinen im Internet. Sie verzichten auf effektive Recherche in Fachdatenbanken und professionellen Informationsdiensten."

Angesichts dieser Lage schlägt die sfs einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor, um die Situation zu verbessern. Dr. Christine Thomas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Notwendig sind Modellprojekte mit Breitenwirkung, in denen Innovationen zur Förderung der Informationskompetenz entwickelt werden."

Die sfs hat dazu folgende Ansatzpunkte ausgemacht

  • - Die Vermittlung von Informationskompetenz und die Nutzung elektronisch bereitgestellter wissenschaftlicher Information muss in die Lehre integriert werden.
  • Tutorien, von Studierenden selbst durchgeführt, sollen den Wissensaustausch unter den Studierenden bei der Nutzung und Verwendung elektronisch bereitgestellter Fachinformation anregen.
  • Den Studierenden und Lehrenden sollten durch die Fachbereiche bzw. Fakultäten geprüfte Angebote elektronischer wissenschaftlicher Information gemäß den fachlichen Anforderungen bereitgestellt werden.
  • Die Anforderungen an die Informationskompetenz in der Hochschulausbildung sollen im Rahmen von Modellprojekten auch zwischen Unternehmen und Hochschulen abgestimmt werden, um die Informationskompetenz der Studierenden gemeinsam aufzubauen.

Kontakt: Dr. Rüdiger Klatt (sfs/Uni Dortmund),
Evinger Platz 17, 44339 Dortmund, Ruf 0231-8596-284 und 0231-8596-281, Fax: 0231-8596-100,


E-Mail: klatt@sfs-dortmund.de

Klaus Commer | idw
Weitere Informationen:
http://www.stefi.de
http://www.bmbf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise