Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitaler Graben zwischen West und Ost

17.09.2004


Reichere Regionen sichern sich mehr .de-Adressen



Je wirtschaftsstärker ein Standort ist, desto mehr Webseiten werden dort angemeldet. In den neuen Bundesländern werden weitaus weniger Domains mit der Endung .de eingerichtet als in den alten. Die meisten Internetseiten richten Bewohner von dichtbesiedelten Großstädten ein. Dies zeigen Forschungsergebnisse des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Universität zu Köln unter der Leitung von Professor Rolf Sternberg auf Basis von Daten der Denic-AG.

... mehr zu:
»Bundesdurchschnitt »Digital »Domain


In den östlichen Bundesländern existierten 2003 nur etwa halb so viele Domains mit der Endung .de wie im Bundesdurchschnitt. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt. Auf tausend Einwohner kommen hier nur 33 angemeldete Domains. Gleichzeitig gibt es aber im Osten den größten Zuwachs, Brandenburg etwa kam 2003 auf 20 Prozent mehr Domains als im Vorjahr.

Wo die meisten Domains angemeldet werden, hängt vor allem von wirtschaftlichen Faktoren ab. In Regionen mit vielen Technologieunternehmen und hochqualifizierten Arbeitskräften werden besonders viele .de-Adressen angemeldet. Da vor allem Medienunternehmen auf eine gute Internetpräsenz angewiesen sind, weisen Medienstädte wie München oder Köln eine große Domaindichte auf. Alle Faktoren treffen vor allem auf Ballungsräume und auf Großstädte zu. In ländlichen und strukturschwachen Regionen werden weitaus weniger Homepages eingerichtet. Spitzenreiter ist München. Auf fünf Einwohner kommt hier eine Domain. Das ist das 2,5-fache des Bundesdurchschnittes. Es folgen Bonn, Düsseldorf und Karlsruhe. Köln landet auf Rang sechs.

Ähnliche Vorhersagen lassen sich mit Informationen über die Bevölkerung treffen. Ein hoher Anteil an in wissensintensiven Dienstleistungsbereichen Beschäftigten führt zu mehr Anmeldungen von .de-Adressen. Auch die Alterstruktur beeinflusst die Internetaktivität: Besonders viele Domains werden von 25 bis 30-Jährigen angemeldet. In dieser Altersgruppe gibt es die meisten "Kreativen". Singlehaushalte melden häufiger .de-Adressen an als Mehrpersonenhaushalte.

Obwohl praktisch von jedem Ort in Deutschland aus mit dem Internet gearbeitet werden kann, zeigt sich eine starke räumliche Konzentration der Domainnamen. Der Manager mit Laptop am Strand bleibt also vorerst eine Vision der Werbeindustrie. Gerade in Wirtschaftszweigen, wo Schnelligkeit entscheidend ist, spielt auch die räumliche Entfernung zu Partnern und Konkurrenten eine große Rolle. Deshalb ist die Informationstechnologiebranche, die theoretisch ’footloose’, also ohne räumliche Bindung arbeiten könnte, auch in Deutschland regional gebunden.

Doch die Kluft zwischen ländlichen Regionen und Großstädten verkleinert sich. Die stärksten Zuwächse gibt es in ländlichen Regionen. Spitzenreiter ist in dieser Kategorie der Ostalbkreis im Osten von Baden-Württemberg. Innerhalb eines Jahres stieg dort die Anzahl der Domains um 50 Prozent. Fast gleich schnell wuchs die Zahl im Kreis Forchheim in Bayern. Zum Vergleich: In der ’Domainhauptstadt’ München wuchs zwischen 2002 und 2003 die Anzahl der Internet-Domains nur um knapp ein Viertel. Und auch dort gewinnen die Außenbezirke im Vergleich zur Innenstadt an Boden.

Die Anzahl der .de-Adressen wächst rasant. Seit 2000 hat sie sich verdreifacht. Alleine zwischen 2002 und 2003 wuchs sie um 17 Prozent. Obwohl die östlichen Bundesländer einen etwas stärkeren Zuwachs haben, werden sie die westlichen auf absehbaren Zeit nicht einholen. Bezogen auf sämtliche Einwohner besitzen im Mittel 82 von 1000 Deutschen eine Website mit der Endung .de. Vier Fünftel der Seiten wurden von Privatpersonen angemeldet.

Das Internet ist ein zentraler Faktor bei der Entstehung neuer Wirtschaftszweige. Ein Großteil der neuen Dienstleister in Deutschland, so Prof. Dr. Sternberg, verdankt seine Entstehung direkt oder indirekt den neuen Märkten des Internets.

Für Rückfragen steht Ihnen Prof. Rolf Sternberg unter der Telefonnummer 0221/470-2372, der Fax-Nummer 0221/470-5009 und der Emailadresse sternberg@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Bundesdurchschnitt Digital Domain

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise