Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Doping liegt im System des Leistungssports begründet!

03.08.2004


"Forschungsoffensive", Teil 1: Zwei Studien der Universität Witten/Herdecke belegen vor den Olympischen Spielen in Athen den Zusammenhang zwischen Doping und Wettbewerbsdruck


Zwischen Wettbewerbsdruck und Dopingmittelmissbrauch von Athleten besteht ein unmittelbarer Zusammenhang, so eine neue Studie der Universität Witten/Herdecke. "Je dichter die Leistungen der Topathleten zusammen liegen, desto eher neigen Sportler dazu auf Dopingmittel zurück zu greifen", erklärt Frank Tolsdorf, der zusammen mit Alexander Dilger (Universität Münster) die Studie verantwortet.

Die Wirtschaftswissenschaftler untersuchten insgesamt 154 Fälle nachgewiesenen Dopingmissbrauchs in insgesamt 12 Disziplinen der Jahre 1999 bis 2003. Sie konnten dabei zeigen, dass es sich bei den gedopten Athleten nicht um "kleine Fische", sondern tatsächlich um die Leistungselite des internationalen Sports handelt: Unter den positiv getesteten Athleten befanden sich 5 Weltrekordler, 6 Olympiasieger, 11 Weltmeister, 8 Kontinentalrekordler, 8 Kontinentalmeister, 24 Nationalrekordler und 11 Nationalmeister: "Die Liste mit den des Dopings überführten bzw. verdächtigten Athleten liest sich wie das "Who is Who" der Sportszene", erklärt Frank Tolsdorf. Neben den überführten Dopingsündern Tim Montgomery (Weltrekordhalter über 100-Meter), Kelli Withe (zweifache Sprint-Weltmeisterin) und David Millar (Zeitfahr-Weltmeister), steht auch Marion Jones (fünffache Medaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney) unter Verdacht, illegale und leistungssteigernde Präparate benutzt zu haben.


Die Vermutung, dass diese Fälle nur die Spitze des Doping-Eisberges sind, wird durch die Studie der beiden Forscher eindeutig gestützt: "Unmittelbar vor den Olympischen Spielen zeigt die Studie, dass von einem "sauberen Sport" weiterhin keine Rede sein kann", so Tolsdorf. Auch das Sportjahr 2004 sei bereits wieder geprägt von schweren Dopingverstößen von Top-Sportlern (Fußball-EM in Portugal, Tour de France).

Eine zweite Studie aus der Feder der beiden Wissenschaftler konzentriert sich auf 100-Meter-Läufer. Anhand von 16 gedopten und einer Kontrollgruppe von 48 ungedopten Sportlern untersuchten sie, wie sich Dopingmittel auf die individuelle Leistung der Athleten auswirken. Die Ergebnisse zeigen, dass Sprinter im Jahr ihres Dopingvorfalles tatsächlich signifikant schneller waren, als in den Jahren in denen ihnen kein Dopingvergehen nachgewiesen wurde. Dies verdeutlicht, dass sich Dopingmittel positiv auf das Leistungsvermögen von Sportlern auswirkt. Außerdem schwankt die Leistung der gedopten Athleten im Jahr des positiven Tests geringer als in den anderen Jahren, was für eine bessere Ausschöpfung des individuellen Leistungspotentials spricht. Dieser Befund erhält unter dem zuvor nachgewiesenen Wettbewerbsargument besonderes Gewicht. Denn gerade im Spitzensport ist es entscheidend, konstante Leistungen auf hohem Niveau zu vollbringen. Die Mittel dazu werden nach dem neusten Stand der Wissenschaft angefertigt und bereitgestellt.

"Beide Studien bestätigen, dass es sich bei Dopingvorfällen nicht um ein individuelles Fehlverhalten einiger Athleten handelt, wie es gerne von Sportlern, Verbänden und gelegentlich auch Medien dargestellt wird. Vielmehr liegen in der Organisation des professionellen Sports und der diesen begleitenden Medien systematische Anreize für den Gebrauch von Dopingmitteln", resümieren Tolsdorf und Dilger.

Kontakt: Frank Tolsdorf, Tel: 02302/926-564, Mail: frank.tolsdorf@uni-wh.de

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: Athlet Doping Dopingmittel Olympisch Sportler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten