Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chancen für Frauen in der Zukunftsbranche Gesundheitswirtschaft?

02.08.2004


Qualifiziertes Personal fällt nicht vom Himmel - IAT-Forschungsdirektor PD Dr. Josef Hilbert plädiert für bessere Arbeits- und Qualifizierungsbedingungen

Die Gesundheitswirtschaft gehört mit derzeit über 4 Millionen Beschäftigten bundesweit zur den wenigen Wachstumsbranchen und wird auch in den nächsten Jahren weiter wachsen. 85 Prozent des nichtakademischen Personals in den Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten sind Frauen. Die Boombranche bietet ihnen allerdings wenig attraktive Arbeitsbedingungen, hohe Belastung bei niedriger Entlohnung, wenig Aufstiegschancen. Entsprechend hoch ist die Mitarbeiter/innenfluktuation in den Einrichtungen, in der Pflege herrscht Personalnotstand. Zum Thema "Chancen für Frauen? in der Zukunftsbranche Gesundheitswirtschaft" stellt der aktuell erschienene Newsletter der Regionalstellen "Frau und Beruf" in NRW Forschungsergebnisse aus dem Institut Arbeit und Technik /Wissenschaftszentrum NRW (IAT/Gelsenkirchen) vor.

"Wer dem Fachkräftemangel begegnen will, muss daran arbeiten, die Arbeit in den Gesundheitseinrichtungen attraktiver zu machen" fordert PD Dr. Josef Hilbert, Leiter des Forschungsschwerpunktes "Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität" am IAT. Hier gehören die Bereitstellung von betrieblichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder die Verbesserung der Arbeitsplatzqualität durch Optimierungen der Arbeitsorganisation ebenso dazu wie neue Ansätze der Arbeitserleichterung durch Technik, innovative Arbeitszeitmodelle und auch transparente sowie anschlussfähige Qualifizierungs- und Karrierewege. "Langfristig geht auch kein Weg daran vorbei, die Entlohnung insbesondere der Pflegeberufe zu verbessern", so Hilbert.

In einem Modellprojekt des Instituts Arbeit und Technik, an dem sich rund sechzig Krankenhäuser und Kliniken im Sinne eines vergleichenden Qualitätsmanagements beteiligten, wurden Ansatzpunkte für eine moderne Arbeitsorganisation im Gesundheitswesen entwickelt und umgesetzt. Inzwischen haben sich auch Netzwerke gegründet, um die Gestaltungsanforderungen offensiv anzugehen, wie etwa eine Arbeitsgruppe im Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG) in Ostwestfalen-Lippe oder die Arbeitsgruppe "Lernallianzen", die im Rahmen von MedEcon arbeitet, der Gesundheitswirtschaftsinitiative des Ruhrgebiets.

Auch die Qualifizierungsanforderungen im Gesundheitswesen sind gewachsen: Trotz ständiger Gesundheitsreformen, Bettenabbau und Kostendämpfung ist die Zahl der behandelten Fälle während der letzten zehn Jahre um 19 Prozent gestiegen, die Zahl der Pflegetage hingegen um 20 Prozent gesunken. Aufgrund der Intensivierung der Pflege bei verkürzter Verweildauer der Patienten hat die Zahl der Pflegekräfte um 11 Prozent zugenommen. Dabei ist es auch zu einer weiteren Professionalisierung der Pflege gekommen, denn die Zahl der examinierten Pflegekräfte hat um 16 Prozent zugelegt, während die Zahl der Pflegehilfskräfte um 30 Prozent abgenommen hat. Zugenommen haben auch der medizinisch-technische Dienst und der Funktionsdienst, also das Personal, das unmittelbar mit der medizinischen Versorgung verbunden ist (Labor, OP-Schwestern etc., zusammen plus 11 Prozent).

Gefragt ist heute zunehmend ein Qualifikationsmix, der neben den fachspezifischen Qualifikationsinhalten auch so genannte Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen in Bereichen wie Management und Organisation beinhaltet, schätzt Hilbert. An Bedeutung gewinnen werden Informations- und Schnittstellenmanagement, die EDV, Kundenorientierung und Qualitätsmanagement. Auch kulturelle Kompetenzen - Stichwort: kultursensible Pflege - werden wichtiger.

Etliche Weiterbildungsanbieter versuchen sich mittlerweile mit entsprechenden Angeboten zu profilieren. In der Grundausbildung sind die genannten Anforderungen teilweise enthalten. Mehr Transparenz bezüglich der Angebote im Weiterbildungsbereich wäre sicherlich hilfreich, so der Experte.

Weitere Informationen: PD Dr. Josef Hilbert, Tel.: 0209/1707-120, E-Mail: info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.frau-beruf-ha-en.de/brosch/newsletter-rs-juli04.html
http://iat-info.iatge.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise