Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochschulabsolventen erwarten Arbeitszeit über 40 Stunden

15.04.2004

Nahezu die Hälfte der deutschen Studenten erwartet nach einem Berufseinstieg eine frei vereinbarte Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden in der Woche. Das hat die repräsentative "Continental-Studentenumfrage" ergeben, die heute (Mittwoch) an der Technischen Universität (TU) in Darmstadt vorgestellt wurde. "Das zeigt sowohl den Realitätssinn als auch die Einsatzbereitschaft des akademischen Nachwuchses in Deutschland", sagte Continental-Personalvorstand Thomas Sattelberger.

Der internationale Automobilzulieferer stellt in diesem Jahr insgesamt mehr als 900 Hochschulabsolventen ein. Von den mehr als 600 jungen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern sowie knapp 280 neuen Mitarbeitern im kaufmännischen Bereich werden jeweils gut die Hälfte in Deutschland eingesetzt. "Wir wollen wissen, welches Meinungsbild unsere kommenden Nachwuchskräfte zu wichtigen Fragen künftiger Arbeitswelten haben und gaben deshalb die Untersuchung in Auftrag", sagte Sattelberger. TNS/EMNID hat daher Anfang diesen Jahres 1015 Studenten zu ihren Ansichten unter anderem zu Arbeitszeit, Karriere und Qualifizierung befragt.

Lediglich 1,8 % erwarten danach zum Berufsstart eine tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche, nur 5 % gehen von 37,5 Stunden pro Woche aus. Und nur etwa ein Viertel der Befragten würde sich tariflich geregelte Arbeitszeiten von 35 bzw. 37,5 Wochenstunden wünschen. "Diese Zahlen sind betrüblich für dogmatische Arbeitszeit-Regulierer", meinte Sattelberger. Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx vom Zukunftsinstitut sagte dazu: "In der entwickelten Wissensökonomie wird irgendwann jeder einen auf seine Fähigkeiten und Wünsche designten Arbeitsvertrag erhalten können, der sich auch im Lauf der Zeit an neue Bedingungen anpassen lässt."

Sattelberger verwies außerdem darauf, dass regelmäßige Wochenendarbeit für 20,1 % kein Problem ist und 66,1 % sich diese "gelegentlich" vorstellen können. Nur 9,9 % sagen, dies wäre ein Grund, den Arbeitsplatz nicht anzunehmen. Auch das Thema Freizeit wird vor allem pragmatisch gesehen, Planbarkeit geht vor Regulierung: Zwar hat für 39 % geregelte Freizeit eine hohe oder sehr hohe Priorität (gegenüber 24,7 % mit geringer oder keiner Priorität). 81,4 % nennen aber "planbare Freizeit" mit hoher bzw. sehr hoher Priorität. "Das belegt, dass für kreative Nachwuchskräfte mit termingebundenen Projektaufgaben flexible und individuelle Arbeitszeitsysteme inklusive Arbeitszeitkonten die richtige Lösung sind", sagte Sattelberger.

Er bezeichnete es als "beachtliches Ergebnis", dass 50 % der Befragten einen sehr schnell mit hoher Verantwortung und Entscheidungskompetenz ausgestatteten Arbeitsplatz einem besser bezahlten, aber weniger attraktiven Job bevorzugen würden: "Geld ist für die Hälfte des akademischen Nachwuchses nicht der erste Gradmesser für die Attraktivität einer Aufgabe oder Firma." Die Dreiteilung des Einkommens in Grundgehalt sowie variable Anteile, die einerseits vom persönlichen und andererseits vom Unternehmenserfolg abhängen, kommt für 60,8 % voll und ganz oder eher in Frage. "Auch hier hat eine deutliche Mehrheit eine nach Leistung differenzierte Beurteilung der Arbeitswelt", sagte Sattelberger. Eine realistische Einschätzung zeige sich auch daran, dass 68 % die Berufswelt der Zukunft als "eine Abfolge zeitlich befristeter, dafür gut bezahlter und interessanter Jobs bei unterschiedlichen Arbeitgebern mit Zweckbündnis-Charakter" sehen. Weniger als ein Drittel geht von einer "unbefristeten, möglichst lebenslangen Anstellung und einem hohen Maß an Loyalität" aus. Dieses von Selbstverantwortung getragene Urteil korrespondiert mit der Aussage "Jeder ist heutzutage Unternehmer seiner Talente", der 73,1 % voll und ganz oder eher zustimmen.

"Junge Menschen in universitären Ausbildungen wissen heute, dass sie in ihrem Leben mehrere Berufe, mehrere Arbeitgeber, untypische Berufskarrieren erleben werden", sagte Horx. "Dieser Wandel macht Angst, aber er beinhaltet auch eine Menge guter Botschaften und Chancen. Aus Monotonie wird Engagement. Aus Fixiertheit an einen Ort wird globale Mobilität. Individualität, Kreativität und Selbstverantwortung, im Rahmen traditioneller Arbeitskulturen eher Abweichungen, rücken nun ins Zentrum der Wertschöpfung."

"Bestätigt sehen wir uns als Arbeitgeber auch in unserer Einschätzung, dass wir innovative Systeme und Prozesse lebenslanger Weiterbildung benötigen", erklärte Sattelberger. Er verwies darauf, dass jeweils 25 % ihr erworbenes Wissen schon heute für veraltet oder für maximal drei Jahre up-to-date halten. 52,3 % gehen davon aus, künftig 11 bis 20 % ihrer Arbeitszeit für Weiterbildung aufwenden zu müssen. 31,9 % gehen sogar von mehr als 20 % ihrer Arbeitszeit aus. 46,2 % meinen, der Arbeitgeber sollte für Ausbildung die Mittel (Kosten), der Arbeitnehmer die Zeit zur Verfügung stellen. In diesem "Co-Invest" für lebenslanges Lernen und Berufsfähigkeit sieht Sattelberger die richtige Weichenstellung.

58,3 % der Befragten können sich einen völlig abseits des Studien-Spektrums gelegenen Arbeitsplatz vorstellen. Allerdings würden bei Jobverlust nur 5,5 % ohne jeden Einwand eine schlechter bezahlte Stelle annehmen, 30,5 % können sich das "eher vorstellen", 44,5 % antworteten mit "teils, teils". "So realitätsnah die Antworten insgesamt in der Studie auch ausfallen, so herrscht in dieser Frage eine zwar persönlich sehr verständliche, angesichts des globalen Wettbewerbs aber überholte Ansicht vor", meinte Sattelberger. Der Continental-Konzern hat als führender Anbieter für Bremssysteme, Fahrwerkkomponenten, Fahrzeugelektronik, Reifen und Technische Elastomere 2003 einen Umsatz von 11,5 Mrd Euro erwirtschaftet und beschäftigt weltweit knapp 69.000 Mitarbeiter.

Hannes Boekhoff | Continental AG
Weitere Informationen:
http://www.conti.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie