Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besorgniserregende Wirkungen von Chemikalien auf Mensch und Natur

29.01.2004

Selbst am entlegensten Pol der Erde haben Wissenschaftler Industriegifte gefunden. Eine heute veröffentlichte Studie der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) zeigt anhand aktueller Forschungsergebnisse die chemische Belastung von Menschen und Tieren (u.a. Wale, Eisbären, Seehunde und Falken) auf. Viele der nachgewiesenen Substanzen werden nach wie vor in täglichen Kon-sumartikeln eingesetzt. Mit der Veröffentlichung der Studie startet eine internationale WWF Kampagne zur Verstärkung des aktuellen europäischen Gesetzesvorhabens in der Chemikalienpolitik.

Die WWF Studie macht erstmals umfassend die Gefahren beispielsweise von Fluorchemikalien deutlich, die heute immer noch auf dem Markt sind. Diese Fluorverbindungen werden unter anderem bei der Herstellung von Textilien und Antihaftbeschichtungen wie Teflon eingesetzt. Viele Fast-Food Verpackungen sind mit Fluorchemikalien beschichtet, die über die Nahrung aufgenommen werden und sich im menschli-chen Körper anreichern. Wissenschaftler haben verschiedene Fluorchemikalien, die von der US amerika-nischen Umweltbehörde als krebserregend eingestuft werden, in Delfinen, Walen und Kormoranen im Mittelmeer nachgewiesen, darüber hinaus in Seehunden und Seeadlern in der Ostsee und Eisbären in der Arktis.

Der Bericht hebt außerdem Phthalate, Phenole und bromierte Flammschutzmittel als besonders besorgniserregende neue Substanzgruppen hervor. Phthalate kommen in Kunststoffen wie PVC vor, Phenolverbindungen in Dosen, Plastikflaschen und Computergehäusen, bromierte Flammschutzmittel beispielsweise in Polsterbezügen und Fernsehern. Diese giftigen Verbindungen, die in vielen verschiedenen Tierarten gefunden wurden, können schwere Gesundheitsstörungen verursachen: von Schäden auf das Immunsystem, Verhaltensstörungen, Einflüssen auf das Hormonsystem (Verweiblichung) bis hin zu Krebs. Bei einer südamerikanischen Kaimanart hat die Chemikalie Bisphenol A, die zur Produktion von CDs und Compu-tergehäusen verwendet wird, Geschlechtsumwandlungen verursacht. Bromierte Flammschutzmittel wurden in Pottwalen und Seehunden der kanadischen Arktis und kürzlich in Eiern von Wanderfalken entdeckt.

Der WWF kritisiert, dass die derzeitige Gesetzgebung nicht ausreicht, um Mensch und Natur ausreichend vor diesen gefährlichen Chemikalien zu schützen. Daher fordert die Umweltorganisation eine Verstärkung des aktuellen EU-Kommissionsvorschlags, bekannt als REACH (Registration, Evaluation and Authorization of Chemicals - Anmeldung, Prüfung und Zulassung von Chemikalien).

"Wir können diese Chemikalien nicht zurückholen, wenn sie erst einmal da draußen sind, wo sie einfach nicht hingehören. Durch die neue REACH Regulierung muss sichergestellt werden, dass die schädlichen Wirkungen dieser Chemikalien aufgedeckt und diese dann nicht mehr benutzt werden." sagt Dr. Ninja Reineke, WWF Chemikalienexpertin.

Weitere Informationen: Dr. Ninja Reineke, WWF Chemikalienexpertin, Tel. 0421-65846-16

Kirsten Andrä | WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de/umweltgifte

Weitere Berichte zu: Besorgniserregende Flammschutzmittel Fluorchemikalie REACH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie