Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Spinat und Bananen gegen den Schlaganfall

14.08.2002


Wer zuwenig Kalium mit seiner Ernährung zu sich nimmt, hat möglicherweise ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neurology“. Sie hatten die Daten von 5600 Männern und Frauen jenseits des 65. Lebensjahres ausgewertet, die zu Beginn der Studie noch keinen Schlaganfall erlitten hatten. Das Schicksal der Teilnehmer wurde dann vier bis acht Jahre lang verfolgt, um die Zahl und Art der auftretenden Schlaganfälle zu registrieren.

Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer, die am wenigsten Kalium mit ihrer Ernährung zu sich nahmen, ein 1,5fach höheres Risiko für einen Schlaganfall hatten als diejenigen, die am meisten Kalium zu sich nahmen. Dabei wurde eine niedrige Aufnahme von Kalium als Dosis mit weniger als 2,4 Gramm pro Tag definiert, eine hohe als mehr als vier Gramm pro Tag.

Allerdings seien noch mehr Studien notwendig, um definitiv sagen zu können, dass eine Erhöhung der Kalium-Aufnahme mit der Nahrung Schlaganfällen vorbeugen könne, meinen die Wissenschaftler. Frühere Studien haben gezeigt, dass geringe Kalium-Mengen in der Ernährung mit einem erhöhten Risiko einhergehen, an einem Schlaganfall zu sterben. Viel Kalium (jeweils auf 100 Gramm bezogen) enthalten etwa Bananen (375 Milligramm), weiße Bohnen (1310 mg), Edamer (657 Milligramm), Spinat (635 Milligramm), Weizen- oder Roggenvollkorn (500 Milligramm) sowie Kartoffeln (440 Milligramm).

Die Wissenschaftler nahmen zudem Menschen unter die Lupe, die Diuretika einnehmen – Medikamente, die die Wassermenge im Körper reduzieren und ihm damit auch Kalium entziehen können. Diuretika werden etwa gegen Bluthochdruck, kongestive Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen eingesetzt.

„Diuretika helfen eindeutig dabei, einem Schlaganfall vorzubeugen, indem sie hohen Blutdruck kontrollieren; aber wir wollten herausfinden, ob ihr Effekt auf die Kalium-Spiegel das Risiko für einen Schlaganfall beeinflusst“, sagt die Neurologin Dr. Deborah M. Green vom Queen’s Medical Center in Honolulu, Hawaii. Bei den Patienten, die Diuretika einnahmen, ergab die Studie, dass diejenigen mit dem niedrigsten Kalium-Spiegel im Blut ein 2,5fach höheres Schlaganfall-Risiko hatten als die Patienten mit den höchsten Kalium-Spiegeln.

Das bedeute aber nicht, dass Diuretika ein übermäßiges Schlaganfall-Risiko erzeugen, betonte Green. „Die Frage ist, ob Diuretika sogar noch effektiver wären, wenn gleichzeitig eine angemessene Kalium-Menge eingenommen würde“, sagte sie. Diese Frage könnte vor allem für Menschen mit weiteren Risikofaktoren für einen Schlaganfall wie Diabetes, Vorhofflimmern und Rauchen wichtig sein, kommentiert der Schlaganfall-Experte Dr. Steven R. Levine von der Mount Sinai School of Medicine in New York. „Selbst ein nur leicht erhöhtes Risiko, das zu anderen Risikofaktoren hinzukommt, kann einen großen Effekt haben“, sagte er. „Aber im Großen und Ganzen gibt es Belege, dass – trotz dieses potenziell nachteiligen Effekts – niedrig dosierte Diuretika sehr effektive Medikamente gegen Bluthochdruck sind, die sowohl einem Schlaganfall wie auch Herzerkrankungen vorbeugen.“

Die Wissenschaftler untersuchten auch die wenigen Patienten, die Diuretika einnahmen und zudem unter Vorhofflimmern litten: Diejenigen mit wenig Kalium im Blut zeigten ein zehnfach höheres Schlaganfall-Risiko als Diuretika einnehmende Patienten mit regelmäßigem Herzrhythmus und höheren Kalium-Spiegeln.

Neurology (2002), Vol. 59, Issue 3, pp. 314 – 320

mc | MedCon Health Contents AG

Weitere Berichte zu: Diuretikum Ernährung Kalium Schlaganfall Schlaganfall-Risiko

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise