Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weißer Hautkrebs: fast 100 Prozent Heilungserfolg durch Operation

21.07.2008
Studie der Tübinger Hautklinik aktuell in Lancet Oncology veröffentlicht

Weißer Hautkrebs ist der häufigste Krebs beim Menschen: Auf 100.000 Einwohner in Deutschland bezogen treten Basalzellkarzinom und Plattenenpithelkarzinom jedes Jahr fast 200-mal neu auf. Ausgelöst wird der Krebs durch die Sonne. Starke UV-Strahlung wie in den Bergen, am Wasser oder einfach beim Cabriofahren ist ein hoher Risikofaktor.

Aktuell hat die Tübinger Universitäts-Hautklinik eine neue Studie zum weißen Hautkrebs in der Zeitschrift "Lancet Oncology" veröffentlicht. Gegenstand der Untersuchung war das sogenannte Plattenepithelkarzinom der Haut, auch Spinaliom genannt. Es ist - neben dem Basalzellkarzinom oder Basaliom - der zweithäufigste weiße Hautkrebs.

Das Spinaliom kann sich in die Lymphknoten und im Körper absiedeln (Metastasierung) und gilt daher als gefährlich. Erstmals gelang es der Tübinger Arbeitsgruppe um Prof. Helmut Breuninger das Risiko für eine Metastasierung abzuschätzen und eine schonende Therapie zu entwickeln. Der Dermatologe fasst die Ergebnisse seiner Studie zusammen: "Mit einer operativen Frühtherapie sind also praktisch 100 Prozent aller weißen Hautkrebse auf Dauer heilbar."

Bei über 600 Patienten wandte Breuninger eine sparsame chirurgische Therapie mit nachfolgender dreidimensionaler Untersuchung (3D-Histologie) auf Krebsausläufer an. Die lokale Rückfallquote sank beim Plattenenpithelkarzinom auf rund 2 Prozent, beim Basalzellkarzinom auf 1 Prozent. Durch die sparsame Operation lassen sich hervorragende ästhetische Ergebnisse erzielen, großflächige Narben werden vermieden.

Die mikroskopische Bestimmung der Tumordicke und des speziellen Tumortyps erlaubte erstmals genaue Rückschlüsse auf das Metastasierungsrisiko. Dünne Karzinome bis 2 mm Dicke siedelten überhaupt nie in andere Organe ab. Patienten mit Karzinomen von 2 bis 6 mm Tumordicke blieben zu 96 Prozent ohne Absiedlungen. Nur 15 Prozent der Tumoren waren dicker als 6 mm und wuchsen aggressiv (desmoplastischer Typ). Diese Patienten hatten höhere Rückfallquoten, jeder sechste davon entwickelte Metastasen in die Lymphknoten. Meist kamen diese Patienten erst sehr spät in die Klinik, obwohl der Tumor gut erkennbar und sichtbar wuchs. Jetzt untersucht die Tübinger Universitäts-Hautklinik wie sie auch diesen Patienten helfen kann.

Literatur
1. Prospective analysis of the risk factors determining prognosis of cutaneous squamous cell carcinoma. KD Brantsch, Ch Meisner, B Schönfisch, B Trilling, J Wehner-Caroli, M Röcken, H Breuninger. Lancet Oncology Issue Aug. 2008
2. Eberle F, Schippert W, Trilling B, Roecken M, Breuninger H.
Cosmetic results of histographically controlled excision of non-melanoma skin cancer in the head and neck region. JDDG 3:109-12 (2005)

3. 3D-histological guided surgery in Basal cell carcinomas and Squamous cell carcinomas. Recurrence rates and clinical outcome. HM Häfner, F Steck, C Meisner2, B Trilling, H Breuninger. Submitted to Eur.J.Surg.Oncol.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Hautklinik
Prof. Helmut Breuninger
Prof. Martin Röcken
Liebermeisterstr. 25, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 45 90 (Frau Merkle)
E-Mail helmut.breuninger@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Basalzellkarzinom Hautkrebs Karzinom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit