Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Outsourcing nicht Job-Killer Nummer eins

02.06.2008
Expertin warnt Unternehmen aber, anfallende Kosten zu unterschätzen

Der von immer mehr Unternehmen betriebene internationale Auslagerungstrend ist nicht Job-Killer Nummer eins in Europa. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt eine heute, Montag, von der europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Eurofound, präsentierte Datenerhebung.

So sind nur acht Prozent der bekannt gegebenen Arbeitsplatzverluste im Zeitraum von 2003 bis 2006 durch die Verlagerung von Stellen begründet gewesen. Anhand des Europäischen Restrukturierungsmonitors variieren die Arbeitsplatzverluste, die sich dem Outsourcing zuschreiben lassen, von 25 Prozent in Portugal und Irland, bis weniger als fünf Prozent in den Niederlanden und Belgien.

Die Insider von Eurofound weisen zudem darauf hin, dass Auslagerungen hinsichtlich der verschiedenen Bereiche eher in hoch- bis mittelmäßig als in kaum technisierte Branchen zum Tragen kommt.

"Outsourcing ist komplexer Natur und muss daher differenziert betrachtet werden. So gibt es einerseits Standortverlagerungen wie im Falle Nokia und auf der anderen Seite Outsourcing-Maßnahmen, bei denen standardisierte Prozesse an Unternehmen übertragen werden", erläutert Inger Korflür vom Beratungsunternehmen Sustain Consult im Gespräch mit pressetext. Laut der Expertin lassen sich mit Outsourcing entweder markt- oder rein kostenorientierte Strategien verfolgen. "Die meisten Unternehmen, die Outsourcing nur aus dem Grund verfolgen, alleinig die Kosten zu senken, verkennen die für den Aufbau dieser Struktur anfallenden Kostenpositionen", so Korflür weiter. Auch sei es bei Lösungen von internen Problemen für ausgelagerte Mitarbeiter oft schwierig, interne Prozesse einzuschätzen und womöglich maßgeschneidert auf die Gegebenheiten zu lösen.

Anhand der Zahlen scheinen (Auslands-)Auslagerungen nicht undifferenziert der Hauptgrund für den Arbeitsplatzabbau zu sein. Im Zuge der Abhängigkeit vom Technisierungsgrad konnten die Fachleute nachweisen, dass das Banken- und Versicherungswesen den höchsten Anteil an Arbeitsplatzverlusten in der Europäischen Union durch Auslagerungen darstellt. "Dies verwundert mich nicht, da diese Branche den höchsten Grad an standardisierten Prozessen besitzt", fügt Korflür gegenüber pressetext hinzu. Laut der Studie sei auch die Globalisierung dafür verantwortlich, dass sich für viele Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten und Märkte sowie mehr Auswahl und niedrige Preise für die Kunden ergeben. Für Arbeitnehmer kann sich diese Entwicklung unter Umständen negativ auswirken. Risiken wie vor allem die Verschlechterung der Gehälter und des Lebensstandards sowie der drohende Verlust des Arbeitsplatzes werden immer wieder von Outsourcing-Kritikern in der Diskussion angeführt.

Laut der Erhebung neigen verstärkt Entscheidungsträger und geschäftliche Organisationen dazu, die positiven Effekte einer Handelssteigerung für den Konsumenten herauszustreichen. Hierbei dominieren niedrige Preise und die größere Auswahl, die durch den verstärkten Wettbewerb für die Konsumenten erzielt werden. Davon betroffene Arbeitnehmer betonen hingegen die Notwendigkeit, angesichts des internationalen Wettbewerbs flexibel reagieren zu können. Im Rahmen von Eurobarometer-Umfragen wird deutlich, dass bei Fragen, ob die Globalisierung positive oder negative Auswirkungen auf die Bürger in der Eurozone hat, die positiven Ergebnisse von 63 Prozent 2003 auf 42 Prozent in 2006 gefallen sind. Dieser Rückgang der positiven Globalisierungswahrnehmungen reiht sich in die skeptische Betrachtung der europäischen Bürger ein. Sahen vor fünf Jahren noch 39 Prozent der damaligen EU15 die Globalisierung als arbeitsplatzbedrohend, waren es 2006 (EU25) mittlerweile 47 Prozent - Tendenz steigend.

Florian Fügemann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.eurofound.eu
http://www.sustain-consult.de

Weitere Berichte zu: Arbeitsplatzverlust Globalisierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik