Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Palmöl statt Urwald: Lüge über Rodungen

02.06.2008
Schlechte Zeiten für Wälder in Malaysia und Indonesien

Lange Zeit haben die beiden südostasiatischen Länder Malaysia und Indonesien bestritten, Urwälder wegen der Palmöl-Produktion zu roden. Nach einem Bericht von Forschern auf New Scientist Online scheinen die Staaten aber der Lüge überführt.

Die Ölpalmen sind nämlich ein einträgliches Geschäft - und das nicht nur für die Herstellung von Agrotreibstoffen, sondern auch für die Nahrungsmittel- und Kosmetik-Industrie. Die Nachfrage nach dem Öl steigt stetig.

Zwischen 1990 und 2005 hat die Zahl der Palmöl-Plantagen in Malaysia um 1,87 Mio. Hektar zugenommen, in Indonesien sogar um mehr als drei Mio. Hektar. Die beiden Forscher Lian Pin Koh von der ETH-Zürich und David Wilcove von der Princeton University haben in ihren Studien nachweisen können, dass mehr als die Hälfte der Palmöl-Plantagen dort angelegt wurde, wo vorher Regenwälder waren. Der Rest der Plantagen wurde auf ehemaligem Farmland oder auch anstelle von Kautschuk-Plantagen errichtet. Die Wissenschaftler nutzten für ihre Datenanalyse Aufzeichnungen der UN-Food and Agriculture Organisation (FAO).

"Ölpalmen gehören zu den am stärksten expandierenden tropischen Pflanzen. Führende Lieferanten am Weltmarkt sind die beiden Staaten Malaysia und Indonesien", so Bernhard Obermayr, Klimasprecher von Greenpeace, gegenüber pressetext. "Beide Staaten gehören aber auch zu den Regionen der Erde, in denen eine unglaubliche Vielzahl an Arten - Pflanzen und Tieren - heimisch ist", berichten die Forscher. Die steigende Nachfrage nach dem Rohstoff Palmöl lasse nun auch andere tropische Länder laut darüber nachdenken, auf den Anbau dieser Pflanzen zu setzen, erklärt Obermayr. Dazu gehören etwa Kolumbien oder auch die Demokratische Republik Kongo. Die Einsatzmöglichkeiten für Palmöl sind vielfältig und reichen von der Lebensmittelproduktion über die Kosmetik bis hin zur Verwendung als Treibstoffe.

"Allein in Österreich ist in den vergangenen Jahren der Import von Palmöl um das drei bis vierfache gestiegen. Der Grund dafür ist, dass Soja und andere Öle als Agrotreibstoffe verwendet werden und die Lebensmittelindustrie daher Palmöl zukaufen muss", meint der Experte. Die Palmproduzenten hatten in den vergangenen Jahren immer wieder beschworen für die Expansion der Anbauflächen keine Regenwälder mehr abzuholzen. "Indonesien, der weltweit größte Palmölproduzent, will die derzeitigen Anbauflächen um weitere 20 Mio. Hektar erweitern. Das entspricht einer Größe von England, den Niederlanden und der Schweiz zusammen." Durch die Brandrodung des Torfbodens werden hunderte Mio. Tonnen CO2 freigesetzt, was Indonesien zum weltweit drittgrößten CO2-Emittenten macht.

Die Forscher hatten die Veränderung der Biodiversität bei Schmetterlingen und Vögeln untersucht. Dabei wurde klar, dass die Rodung von bestehenden Regenwäldern und die Errichtung von Palmöl-Plantagen zu einer rapiden Abnahme der Artenvielfalt führten. Die Umwandlung von Kautschuk-Plantagen in Palmöl-Plantagen verursachte hingegen einen geringeren Verlust.

"Um die Auswirkungen des Biodiversitäts-Verlusts genauer beschreiben zu können, müssen aber noch mehr Daten gesammelt werden", schreiben die Forscher, die auch meinen, dass die Wälder der Region geschützt und nicht zu Monokulturen umgewandelt werden sollten. Die Schaffung weiterer Anbauflächen für Palmöl sollte auf vorhandenes Farmland oder auf brachliegende Flächen beschränkt sein.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch
http://www.princeton.edu
http://www.greenpeace.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften