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Arbeit ja, aber nicht um jeden Preis – „Security first“!

23.10.2014

„Eigenaktivität auslösen – Sicherheit einlösen“ war eine der Formeln der sog. Hartz-Kommission. Aber was tun, wenn gerade das Versprechen der Sicherheit im Aktivierungsregime des SGB II nicht eingelöst wird?

Eine Studie zeigt, wie Erwerbslose mit den Risiken des prekären Arbeitsmarkts und den Forderungen der Arbeitsvermittlung umgehen. Im Zentrum steht die Strategie „Security first“, in der sich ein eigenverantwortliches individuelles Riskomanagement der Erwerbslosen erkennen lässt.

Dr. Petra Schütt vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF München) hat eine Studie mit dem Titel „Security First. Erwerbslose im Spannungsfeld zwischen Hilfebezug und prekärem Arbeitsmarkt“ veröffentlicht, die bei der UVK Verlagsgesellschaft in Konstanz erschienen ist. Die Autorin analysiert die Sozialstaatsreformen mit Blick auf den Systemwandel der sozialen Sicherung und erforscht die Interpretationen und Handlungen der Erwerbslosen. 

In der empirischen Arbeit wird gezeigt, wie Erwerbslose den Arbeitslosengeld-II-Bezug aktiv, aber eigenwillig als Sicherheitsressource interpretieren und nutzen. Mit der Einführung der „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ ist eine Neuausrichtung des Sozialstaatsmodells erfolgt, vom versorgenden Wohlfahrts- zum Aktivierungsstaat.

Diese Transformation des Sozialstaats wird mittels sog. „Work-first“-Programme umgesetzt, deren Primärziel eine möglichst schnelle Wiedereingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt ist. Doch viele Erwerbslose setzen für sich die Ziele anders: Sie verfolgen nicht eine möglichst schnelle, sondern eine möglichst stabile Integration ins Erwerbssystem.

Bei dieser Strategie „Security first“ handelt sich um eine eigenverantwortliche Priorisierung von individueller Sicherheit, die dazu dient, die Risiken eines prekären Arbeitsmarkts unter Bedingungen zunehmender Subjektivierung zu begrenzen.

Die Studie bietet die Grundlage für eine politische Debatte, die jenseits von „Schuldzuweisungen“ gegenüber erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ansetzt, welche zumeist auf moralisierenden Unterstellungen von defizitären Persönlichkeitsmerkmalen und geringer Erwerbsorientierung basieren. Die Ergebnisse machen deutlich, wie Erwerbslose den Hilfebezug als wichtige Ressource nutzen, um bei hoher Eigenverantwortlichkeit und ausgeprägter Erwerbsorientierung auch weiterhin individuell das Ziel der Arbeitsmarktintegration zu verfolgen. Aber eben nicht um jeden Preis – „Security first“!

Petra Schütt forscht als Arbeits- und Industriesoziologin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF München). Als Mitarbeiterin der Landeshauptstadt München, Referat für Arbeit und Wirtschaft, ist sie mit Grundsatzfragen der kommunalen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik befasst; zudem ist sie Lehrbeauftragte an der Hochschule München.

Zielgruppen des Buches sind Sozialwissenschaftler_innen mit Interesse an subjektorientierter Erwerbslosenforschung, an Sozialpolitik, sozialer Sicherung und prekärem Arbeitsmarkt sowie am Wandel des Wohlfahrtsstaats. Darüber hinaus adressiert das Buch Praktiker_innen der Sozialen Arbeit, der Arbeitsvermittlung und der Träger der freien Wohlfahrtspflege sowie kommunale Akteure, die im Rahmen der arbeitsmarktpolitischen Beschäftigungs- und Qualifizierungsförderung des SGB II mit Langzeitarbeitslosen arbeiten, sie unterstützen und fördern.

Schütt, Petra (2014): Security First. Erwerbslose im Spannungsfeld zwischen Hilfebezug und prekärem Arbeitsmarkt. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft. ISBN 978-3867645249

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung bitte an:

Petra Schütt, Wissenschaftlerin am ISF München e.V., petra.schuett@isf-muenchen.de
Frank Seiß, Lektorat und Öffentlichkeitsarbeit am ISF München, frank.seiss@isf-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.uvk.de/buecher/soziologie/alle-buecher/db/titel/details/security-firs... Verlagsinformationen
http://www.isf-muenchen.de Das ISF München

Frank Seiß | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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