Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angehörige tragen Hauptlast der Versorgung zu Hause lebender Demenzkranker

23.08.2011
Pflege durch Angehörige deckt achtzig Prozent der gesellschaftlichen Versorgungskosten von zu Hause lebenden Demenzkranken.

Das zeigt eine gemeinsame Studie des Helmholtz Zentrums München und des Universitätsklinikums Erlangen. Die ökonomische Untersuchung ist als eines der Ergebnisse des IDA-Projekts* in der Fachzeitschrift Value in Health erschienen.

Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) des Helmholtz Zentrums München hat gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) eine Studie zur Verbesserung der Versorgung zu Hause lebender Demenzpatienten und der Angehörigen, die sie pflegen durchgeführt.

Im Rahmen der Studie wurden auch die Kosten für die Pflege der Betroffenen ermittelt, wobei die von den Angehörigen geleistete Pflege nach marktüblichen Stundensätzen bewertet wurde. Nach den Berechnungen der Gesundheitsökonomin Larissa Schwarzkopf deckt der finanzielle Gegenwert der Angehörigenzeit etwa 80% des gesamten Versorgungsaufwands ab und ist bei Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium fast doppelt so hoch wie im frühen Stadium.

„Der demografische Wandel und kleiner werdende Familien werden dazu führen, dass die meisten Demenzpatienten nicht mehr von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt werden können, sondern auf professionelle Hilfe angewiesen sein werden“, so Prof. Dr. Rolf Holle, Leiter der Arbeitsgruppe für Ökonomische Evaluation am IGM. „Diese Entwicklung stellt unser Sozialversicherungssystem vor eine große Herausforderung. Um die pflegerische Versorgung von Demenzpatienten im häuslichen Umfeld auch weiterhin gewährleisten zu können, ist die Entwicklung und Finanzierung neuer Versorgungsangebote erforderlich.“

Derzeit leiden in Deutschland in etwa 1,2 Millionen Menschen über 65 Jahren an Demenz, das entspricht 7% dieser Altersgruppe. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko einer Demenzerkrankung. Durch den demografischen Wandel wird daher die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis 2050 voraussichtlich auf das Doppelte ansteigen.

Weitere Informationen

Original-Publikation: Schwarzkopf, L. et al., Costs of Care for Dementia Patients in Community Setting: An Analysis for Mild and Moderate Disease Stage, Value in Health (2011): doi:10.1016/j.jval.2011.04.005

Link zur Fachpublikation http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1098301511014148

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 17 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 31.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

*IDA-Projekt: Die Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) wurde vom AOK-Bundesverband, der AOK Bayern, Pfizer und Eisai gegründet, um Demenzpatienten, die in häuslicher Umgebung leben, mehr Lebensqualität zu bieten und ihre Angehörigen zu unterstützen. Das Helmholtz Zentrum München und die Universitätsklinik Erlangen begleiten das Projekt wissenschaftlich. IDA ist international eine der größten Interventionsstudien zur ambulanten Versorgung von Demenzpatienten.

Ansprechpartner für die Medien

Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3946 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Rolf Holle, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187- 4192 - Fax: 089-3187- 3375 - E-Mail: holle@helmholtz-muenchen.de

Susanne Eichacker | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.projekt-ida.de
http://www.helmholtz-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie