Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rechtsmedizin: Workshop "Todesursachenforschung mit den Mitteln der Chemie"

05.10.2010
Am 7./8. Oktober findet in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf der Workshop "Post Mortem Toxikologie - Todesursachenforschung mit den Mitteln der Chemie" statt.

Unfall, Selbstmord oder Mord? Um die Hintergründe eines Todesfalls aufklären zu können, reichen die äußere Leichenschau und auch die Obduktion der Leiche oft nicht aus. Insbesondere, wenn die letzte Diagnose „unklare Todesursache“ lautet, sind die chemisch-analytischen Fähigkeiten forensischer Toxikologen gefragt.

Am 7. und 8. Oktober werden sich rund 100 Experten in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in mehreren Teams an die Untersuchung eines fiktiven, überaus brisanten Leichenfundes machen:

An einem Eisenbahngleis wird die Leiche eines Mannes gefunden, nachdem ein Zugführer Meldung über einen möglichen Zusammenstoß gemacht hatte. Der Zug hat das Opfer in Höhe der Oberschenkel überrollt; beide Beine sind völlig zerstört. Die Polizei geht aufgrund der Fundsituation zunächst von einem Suizid oder Unglücksfall aus. Ungewöhnlich ist jedoch, dass der Oberkörper des Leichnams keinerlei Zeichen grober Gewalteinwirkung aufweist.

Die Identität des Mannes – es handelt sich um einen Politiker aus Mexiko – steht rasch fest und damit die mögliche Brisanz des Falles. Die Behörden drängen auf eine schnellstmögliche Durchführung der Obduktion und insbesondere auch der notwendigen toxikologischen Untersuchungen, um die genaue Todesursache festzustellen und um Erkenntnisse über die Todesumstände zu erhalten. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses an diesem Fall stehen die toxikologischen Untersuchungen unter enormen Zeitdruck. Mehrere Expertenteams müssen parallel arbeiten.

Dieses Szenario ist zugegebenermaßen fiktiv, nicht aber die Arbeit, die auf die mehr als 100 Wissenschaftler wartet. Sie alle haben der Einladung von Prof. Dr. Thomas Daldrup zu einer naturwissenschaftlich geprägten Detektivarbeit eine Zusage erteilt.

Prof. Daldrup ist Leiter der forensischen-toxikologischen Abteilung am Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und als solches dieses Jahr Ausrichter des turnusmäßigen Workshops der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh). Ziel der diesjährigen Veranstaltung „Post Mortem Toxikologie“ ist es, den nach Düsseldorf gereisten GTFCh-Mitgliedern anhand eines zwar theoretischen, jedoch überaus realistisch präsentierten Todesfalls die Strategie der labortechnischen Aufklärungsarbeit didaktisch klug aufzuzeigen und gleichzeitig das formaljuristische Rüstzeug für die Gestaltung gerichtsfester Gutachten mitzugeben.

Die Vorbereitung für die Laborarbeit ist der Realität entlehnt: Der Polizeibericht des Vorfalls liegt vor, ebenso der Sektionsbefund der Rechtsmediziner. Aufgabe der Toxikologen ist es nun, mit Hilfe unterschiedlicher Analysetechniken und -verfahren herauszufinden, ob das Opfer gegebenenfalls unter Drogen stand oder vielleicht vergiftet wurde, also ob es sich um einen Unfall, Suizid oder gar Mord handelt, der durch die gewaltsame Zerstörung des Körpers durch den Zug zu vertuschen versucht wurde. Am Ende des Workshops sollen alle Arbeitsgruppen ihr Gutachten vorlegen und ein möglichst detailgetreues Bild der Todesursache abliefern.

Keine leichte Aufgabe, schließlich liegt den Toxikologen kein Blut oder Urin vor; die Körperflüssigkeiten dienen in der Regel als ideale Matrix, um Drogen-, Arzneimittel- oder Giftrückstände im menschlichen Organismus – auch dem toten – nachzuweisen. Im vorliegenden Fall können die Experten ausschließlich auf Gewebe – namentlich Gehirn – des Verstorbenen zurückgreifen. Das bedeutet eine Herausforderung; kaum eine andere Matrix könnte schwieriger zu handhaben sein. Darin besagte Rückstände nachzuweisen und die Todesumstände zu rekonstruieren oder gar aufzuklären, braucht labortechnisches Knowhow und eine ausgefeilte Analysentechnik. Dank der Unterstützung durch namhafte Hersteller und Anbieter von Analysengeräten- und -systemen, dürfte es nicht allzu schwer sein, den Fall in der gebotenen Zeit zu klären.

Ob es wirklich so einfach ist, wenn man nur über das richtige Gerät verfügt, bleibt jedoch abzuwarten: „Die Wahrheit klärt letzten Endes nicht derjenige, der die besten Analysenergebnisse präsentieren kann“, weiß Professor Daldrup aus eigener Erfahrung zu berichten, „ sondern jener, der über genügend Menschenverstand verfügt und in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen.“

Weitere Informationen
Vertreter der Presse sind nach vorheriger Absprache herzlich eingeladen, einen kurzen Blick auf den GTFCh-Workshop zu werfen. Informationen erteilt: Prof. Dr. Thomas Daldrup, Forensisch-Toxikologische Abteilung, Institut für Rechtsmedizin, Heinrich-Heine-Universität, 40225 Düsseldorf. Tel.: 0211-81-19382/75 E-Mail: fortoxi@uni-duesseldorf.de
GTFCh-Workshop:
„Post Mortem Toxikologie“
Ort: Universität, Chemie Geb. 26.41
Zeit: 07.10.2010, 12 Uhr bis 08.10.2010, 13:30 Uhr

Rolf Willhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Seminar zu Einblicken in die unterschiedlichen Ebenen des 3D-Druckens und wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten - 2017
26.04.2017 | Haus der Technik e.V.

nachricht Praxisworkshop Mikrooptische Beleuchtungsanwendungen, 12.09.17 in Göttingen
24.04.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie