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Eine Frage der Zählbarkeit: Internationaler Workshop „Countability 2010“ in der RUB

16.09.2010
Zählbare und nicht-zählbare Substantive im Blick der Linguistik

Warum kann man „Früchte“ zählen, „Gemüse“ aber nicht? Und warum ist es im Englischen genau umgekehrt? Zählbar oder nicht zählbar – das ist nicht nur eine Frage des Einzelfalls, sondern eine grundsätzliche Frage der Systematik in der Lexikographie und Grammatikschreibung.

Die Unterscheidung zwischen zählbaren und nicht-zählbaren Substantiven steht daher schon seit einigen Jahren verstärkt im Blickpunkt der theoretischen Linguistik. Vom 22. bis 24. September findet an der Ruhr-Universität Bochum der internationale Workshop „Countability 2010“ statt, organisiert vom Sprachwissenschaftlichen Institut der RUB. Wissenschaftler aus aller Welt beschäftigten sich drei Tage lang mit allen Facetten der sprachlichen Kategorie „Zählbarkeit“ und deren Zusammenhang mit Kognition und Realität.

Programm und Anmeldung

Interessenten können sich noch bis zum 21.9.2010 anmelden oder sich zu Beginn des Workshops vor Ort registrieren. Das Programm des Workshops und weitere Informationen stehen im Internet unter:

http://www.linguistics.rub.de/countability2010/

Manchmal „haarig“: Die sprachliche Kategorie Zählbarkeit

Aus dem Englischunterricht kennt fast jeder die Unterscheidung zwischen „many cars“ und „much cheese“. Ein zählbares Nomen wie „car“ (Auto) kann eine Pluralform bilden und muss mit dem Artikel „many“ verwendet werden, während ein sogenanntes Massennomen wie „cheese“ (Käse) mit dem Artikel „much“ benutzt wird. Ähnliche grammatikalische Unterschiede gibt es auch im Deutschen und vielen anderen Sprachen. Verschiedene Sprachen stimmen allerdings nicht immer in der Kategorisierung einzelner Substantive überein. Im Englischen ist „hair“ zum Beispiel ein Massennomen und man sagt „much hair“, im Deutschen benutzt man dagegen die Pluralform „viele Haare“. Auf Deutsch heißt es „Gemüse ist gesund“ und „Früchte sind gesund“, auf Englisch genau umgekehrt „Vegetables are healthy“ und „Fruit is healthy“.

Systematische Bedeutungsverschiebungen

Darüber hinaus reicht scheinbar auch eine einfache Aufteilung in zwei Kategorien „zählbar“ und „nicht-zählbar“ nicht aus. So spricht man in der Regel zwar von „viel Stahl“ (Massennomen), aber es ist auch möglich, einen Plural "Stähle" zu bilden, wenn von verschiedenen Stahl-Sorten die Rede ist. Dies ist nur ein Beispiel für verschiedene Arten solcher systematischen Bedeutungsverschiebungen. „Wie so oft in der Sprachwissenschaft eröffnet daher eine einzelne Kategorie wie die Zählbarkeit die Möglichkeit, die Zusammenhänge zwischen außersprachlicher Realität, menschlicher Kognition und sprachlicher Kategorisierung zu untersuchen“, sagt Prof. Dr. Tibor Kiss, Leiter des Bochumer Countability-Workshops. Das Thema Zählbarkeit sei dabei keineswegs nur von rein theoretischem Interesse, sondern auch von praktischer Bedeutung etwa in der Grammatikschreibung und Lexikographie, beim Fremdsprachenlernen und bei der automatischen Übersetzung.

Lexikon oder Grammatik?

Beim Workshop in der RUB stehen aber vor allen Dingen theoretische Fragen im Vordergrund. Unter anderem geht es darum, ob Zählbarkeit primär eine Eigenschaft des einzelnen Substantivs und somit im Lexikon zu vermerken ist oder ob sich Zählbarkeit stattdessen aus dem Kontext des Substantivs ergibt und daher in der Grammatik aufgeführt werden sollte. Die internationalen Teilnehmer des Workshops befassen sich in insgesamt 22 Vorträgen mit jeweils anschließender Diskussion mit all diesen Fragen rund um die Zählbarkeit.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Tibor Kiss, Sprachwissenschaftliches Institut der RUB, Tel. 0234/32-25114, E-Mail: tibor@linguistics.rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.linguistics.rub.de
http://www.linguistics.rub.de/countability2010/

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