Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weitere Teleskopstation zur Erforschung von Weltraumschrott in Betrieb

19.04.2017

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat zusammen mit dem Deutschen Satelliten-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen (GSOC) die erste Teleskopstation in Südafrika in Betrieb genommen. Die Station dient zur permanenten Überwachung des geostationären Orbits und ist Teil des SMARTnet™-Netzwerkes (Small Aperture Robotic Telescope Networks). Ihre Sensoren liefern wichtige Informationen für die Erforschung von Weltraumschrott und um Kollisionen im täglichen Satellitenbetrieb zu verhindern.

Forschende des Astronomischen Instituts der Universität Bern (AIUB) suchen mit Teleskopen an der Station «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» in Zimmerwald bei Bern sowie mit einem Teleskop der Europäischen Weltraumorganisation ESA im spanischen Teneriffa seit über 20 Jahren nach kleinen Raumschrottteilen in hohen Erdumlaufbahnen.


SMART-01, Teleskopstation in Sutherland zur Überwachung des geostationären Orbits. Aus dem Container wird die Station überwacht und gesteuert.

H. Fiedler.


«First Light» - das erste Bild der Station in der Nähe von Sutherland. Die Strichspuren kommen von Sternen; Punkte spiegeln Objekte im geostationären Orbit wider.

SMARTnet™-DLR/AIUB.

Das Deutsche Satelliten-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen (GSOC) wiederum betreibt seit über 40 Jahren erfolgreich Satelliten, erdnah und geostationär. Bei einer Kollision zwischen Weltraumschrott und einem Satelliten könnte dieser beschädigt oder sogar zerstört werden. Die entstehenden Fragmente können auch alle anderen Satelliten gefährden.

Um das zu verhindern, müssen die Bahnen jedes Schrotteilchens möglichst genau vermessen und dem Satellitenbetreiber bekannt sein. Im Fall einer möglichen Kollision führt das Kontrollzentrum ein Ausweichmanöver durch und bewegt den Satelliten auf eine andere Bahn.

SMARTnet™ liefert die nötigen Daten

Die Hauptaufgabe des Small Aperture Robotic Telescope Networks, SMARTnet™, ist, Daten zu sammeln, die sowohl die Erforschung der Raumschrottpopulation als auch einen sicheren Betrieb von Satelliten ermöglichen. Die beiden ersten Stationen befinden sich in Zimmerwald in der Schweiz und nun in der Nähe von Sutherland in Südafrika.

Mit diesen beiden Stationen werden Objekte mit einer Grösse von mehr als 30 Zentimeter im geostationären Orbit beobachtet, detektiert und verfolgt. Aus den gewonnenen Daten werden Bahndaten berechnet, die eine Vorhersage der Bahnen für knapp eine Woche erlauben.

Die SMARTnet™-Daten dienen jedoch nicht nur der Kollisionsvermeidung. Vielmehr sollen die Daten wichtige Erkenntnisse über die physikalischen Hintergründe im geostationären Orbit liefern. Der Forschungscharakter der Aufgaben ist vielschichtig: Helligkeitsschwankungen, Bahnänderungen oder spektrale Beobachtungen liefern Hinweise auf die Physik der Umgebung. Mit Hilfe der Messdaten soll eine bessere Beschreibung der physikalischen Verhältnisse gelingen, um zukünftig Bahnen besser vorherzusagen und die dort herrschenden Verhältnisse besser zu charakterisieren.

«First Light» aus Südafrika

In Südafrika herrschen hervorragende Beobachtungsbedingungen, die an fast 300 Nächten im Jahr den Blick in den Weltraum erlauben. Die neue SMARTnet™-Station wurde mit Unterstützung der südafrikanischen Raumfahrtagentur SANSA (South African Space Agency) auf dem Observationsgelände in Sutherland aufgebaut. Betrieben wird die Teleskopstation vollautomatisch von der Schweiz und Deutschland aus, mit einer Vorprozessierung der Bilder vor Ort. Die Infrastruktur dazu stellt das South African Astronomical Observatory (SAAO).

Am 3. April 2017 erstellte die Station das erste offizielle Bild vom geostationären Orbit – ein «first light». Das spezielle Teleskopsystem dazu wurde in den letzten vier Jahren vom AIUB zusammen mit Experten des GSOC zusammengestellt: Das System besteht im Wesentlichen aus einem 20-Zentimeter-Teleskop und einem 50-Zentimeter-Teleskop, zwei Kameras, mehreren Computern sowie Software, um das System zu betreiben und die gewonnenen Daten auszuwerten. Die Auswertungssoftware wurde am AIUB entwickelt und ist bereits seit mehreren Jahren erfolgreich im Einsatz.

Nächste Station: Australien und Südamerika

Die Stationen in der Schweiz und Südafrika sind erst der Anfang. Um das Sichtfeld zu vervollständigen und alle Objekte im geostationären Orbit beobachten zu können, soll das Netzwerk von SMARTnet™ erweitert werden. Zwei neue Stationen in Australien und Südamerika sind bereits geplant. Da die Daten mit der Anzahl der Stationen besser werden, sind weitere Kooperationen mit internationalen Teleskopbetreibern geplant. Alle Partner können dann gemeinsam auf sämtliche im Netwerk gewonnenen Daten zugreifen.

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2017/medie...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern
15.09.2017 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie