Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teamwork für Turbulenz: Netzwerk "European High-Performance Infrastructures in Turbulence (EuHIT)"

28.08.2013
Mit dem Netzwerk EuHIT schaffen europäische Turbulenzforscher den Rahmen, um europaweit die besten Forschungsanlagen zugänglich zu machen und zu verbessern.

Die europäischen Turbulenzforscher bündeln ihre Kräfte: Das von der Europäischen Kommission geförderte Netzwerk „European High-Performance Infrastructures in Turbulence“ (EuHIT) soll in den nächsten Jahren das Forschungsfeld entscheidend voranbringen.


In Göttingen findet sich seit 2009 ein 18 Meter langer und sechs Meter hoher Turbulenz-Windkanal, genannt „Göttingen Turbulence Facility 1“. Unter kontrollierten Laborbedingungen lässt sich dort Turbulenz erzeugen, die mit der heftigsten vergleichbar ist, die auf der Erde vorkommt. Foto: MPIDS

23 Forschungseinrichtungen und zwei Industriepartner aus insgesamt zehn Ländern haben jetzt den Rahmen geschaffen, um europäischen Wissenschaftlern ihre Messanlagen zur eigenen Forschung zur Verfügung zu stellen. Herzstück des Netzwerkes sind die 13 experimentellen Anlagen, von denen jede weltweit einzigartig ist. Noch bis zum 15. September dieses Jahres haben Wissenschaftler aus der Europäischen Union (EU) und assoziierten Ländern die Gelegenheit, in der ersten Bewerbungsrunde beim EuHIT-Konsortium Messzeit an einer dieser Anlagen zu beantragen. Weitere Bewerbungsrunden werden in regelmäßigen Abständen folgen.

„Die europäische Turbulenzforschung hat weltweit schon immer eine führende Stellung eingenommen“, sagt EuHIT-Koordinator Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Das belegten nicht nur die wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet, sondern vor allem auch die einzigartigen experimentellen Anlagen. In Göttingen etwa findet sich seit 2009 ein 18 Meter langer und sechs Meter hoher Turbulenz-Windkanal, genannt „Göttingen Turbulence Facility 1“. Unter kontrollierten Laborbedingungen lässt sich dort Turbulenz erzeugen, die mit der heftigsten vergleichbar ist, die auf der Erde (etwa im Innern von Wolken oder bei Vulkanausbrüchen) vorkommt. Im französischen Grenoble bietet die CORIOLIS Rotating Platform, ein gewaltiger, rotierender Tank mit einem Durchmesser von 13 Metern, die Möglichkeit, den Einfluss von Rotation auf turbulente Strömungen zu untersuchen, und in Prag können Forscher an der „Czech Cryogenic Turbulence Facility“ Turbulenz anhand der Bewegung winziger, gefrorener Wasserstoff-Flocken in der Strömung studieren. Weitere Anlagen finden sich in Cottbus, Erlangen, Ilmenau, Genf, Bologna, Triest, Predappio, Villeneuve d'Ascq und Twente.

„Jede dieser Anlagen ist weltweit einzigartig“, erklärt Bodenschatz. „Insgesamt hat Europa ein enormes Potential, die fundamentalen Eigenschaften der Turbulenz zu ergründen und damit technologische Vorsprünge zu erzielen“, fügt er hinzu. Was bisher noch gefehlt habe, sei eine gut strukturierte Vernetzung und die Öffnung der nationalen Versuchsanlagen für Forscher aus Wissenschaft und Industrie in der EU. Diese Lücke schließt nun EuHIT in den nächsten Jahren. Das Konsortium aus 23 Forschungseinrichtungen und zwei Industriepartnern aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der Schweiz und der Tschechischen Republik versteht sich in erster Linie als Austauschplattform. So können sich etwa Forscher aus der EU und assoziierten Ländern um Messzeit an einer der Anlagen bewerben. Zudem bieten die Partnereinrichtungen einander und anderen Hilfe bei der Auswertung von Daten, in Fragen der Messtechnik und machen ihre Messdaten anderen Forschern zugänglich.

„Auf diese Weise machen wir Infrastruktur und Know-How für einen deutlich größeren Kreis von Forschern nutzbar“, so Bodenschatz. Ein solcher Austausch komme allen zu Gute. Zudem organisiert EuHIT gemeinsame Forschungsaktivitäten zur Verbesserung der nationalen Infrastrukturen, die sich nur durch europaweite Zusammenarbeit angehen lassen.

Auf diese Weise hoffen die Forscher nicht nur, die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Turbulenz aufzudecken, sondern auch zur Lösung wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fragen beizutragen. Denn Turbulenz ist sowohl in der Natur, als auch in technischen Anwendungen nahezu allgegenwärtig. Die grundlegenden Prozesse zu verstehen, kann deshalb unter anderem helfen, Windenergieausbeute zu erhöhen, die Ausbreitung von Luft- und Wasserverschmutzung vorherzusagen, den Einfluss der Wolkenbildung auf Klimaprognosen besser zu verstehen und Transportprozesse in der chemischen Industrie zu optimieren.

Die Europäische Kommission fördert EuHIT in den nächsten vier Jahren mit sieben Millionen Euro.

Noch bis zum 15. September können sich Forscher aus der EU und assoziierten Ländern im Rahmen der ersten Bewerbungsrunde um Messzeit bewerben. Notwendig ist ein Antrag, der unter anderem das geplante Forschungsprojekt beschreibt. Nähere Informationen zur Bewerbung finden sich unter: www.euhit.org. Weitere Bewerbungsrunden werden in regelmäßigen Abständen folgen.

Dr. Birgit Krummheuer | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.euhit.org
http://www.ds.mpg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik
21.09.2017 | Forschungszentrum MATHEON ECMath

nachricht Der stotternde Motor im Weltall
21.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften