Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startschuss für den Tunnelbau des European XFEL

30.06.2010
Mit der traditionellen Tunnel- und Bohrertaufe fiel heute der Startschuss für den Bau des Tunnelsystems für den europäischen Röntgenlaser European XFEL.

Über 500 Gäste nahmen an der festlichen Zeremonie auf der Baustelle in Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein), dem zukünftigen Forschungscampus der Röntgenlaseranlage, teil. Morgen startet die erste der beiden Tunnelbohrmaschinen – TULA (für „Tunnel für LAser“), 6,17 Meter im Durchmesser, 71 Meter lang, 550 Tonnen schwer und 18 Millionen Euro teuer – in Richtung DESY-Bahrenfeld (Hamburg), wo sie im Sommer 2011 ankommen wird.

Taufpatin für die Tunnel, die TULA herstellen wird, und zugleich „irdische Schutzpatronin“ für die Tunnelbauer ist Dr. Herlind Gundelach, Senatorin für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die neue Röntgenlaser-Forschungsanlage liegt in den beiden Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein und ist 3,4 Kilometer lang. Ihr Tunnelsystem besteht aus einer 2,1 Kilometer langen Röhre für den Elektronenbeschleuniger und einem „Fächer“ von fünf Röhren, die in der unterirdischen Experimentierhalle enden und in denen die Röntgenblitze für die Forschung erzeugt werden. Insgesamt werden in den kommenden zwei Jahren 5777 Meter Tunnelröhre gebohrt. Zwei Schildvortriebsmaschinen sind dafür im Einsatz, von denen die größere jetzt startet und unter Hamburger Stadtgebiet arbeiten wird.

Die beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein beteiligen sich an dem deutschen Anteil der Kosten für die Röntgenlaseranlage mit zusammen 90 Millionen Euro. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Herlind Gundelach hält dies für eine gute Investition: „Der European XFEL ist eins der größten Bauvorhaben für die Wissenschaft und ein in seiner Art weltweit einzigartiges Forschungsgerät, von dem wir uns viele Impulse für den Forschungsstandort versprechen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt bereiten sich schon intensiv auf die Nutzung des Röntgenlasers vor und erwarten viele neue Erkenntnisse in ihren Disziplinen.“

Schleswig-Holsteins Wissenschafts-Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen ergänzt: „Der neue Röntgenlaser verbindet nicht nur Staaten bei ihrem gemeinsamen Vorhaben für die Wissenschaft. Er verbindet vor allem die beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein nicht nur politisch und finanziell, sondern auch ganz real durch den Tunnel, den wir heute getauft haben. Wir in Schleswig-Holstein sind stolz, Teil dieses ambitionierten internationalen Großprojekts zu sein.“

Für den Geschäftsführer der European XFEL GmbH, Professor Dr. Massimo Altarelli, hat das heutige Tunnelfest eine besondere Bedeutung: „Für uns ist dieses Tunnelfest Ausdruck eines doppelten Meilensteins auf dem hoffentlich nicht so steinigen Weg des European-XFEL-Projekts. Zuerst geht es natürlich um den Start des Tunnelbaus. Aber im Zentrum steht auch die neue internationale Forschungseinrichtung, die sich zurzeit in Norddeutschland etabliert und die den European XFEL bauen und betreiben wird. Zum ersten Mal segelt ein solches Fest unter der Flagge der European XFEL GmbH.“

Professor Dr. Helmut Dosch, Vorsitzender des Direktoriums des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY, vergleicht den neuen Röntgenlaser mit einer „Hochgeschwindigkeitskamera für den Nanokosmos“ und weist auf DESYs Leistung hin: „Wir bei DESY fiebern der Fertigstellung des Tunnels mit großer Ungeduld entgegen. Dann nämlich ertönt der Startschuss zum Bau des supraleitenden Elektronenbeschleunigers unter der Regie von DESYs Beschleunigerspezialisten. Dabei setzen wir eine von DESY vorangetriebene Technologie ein, die ihre Feuertaufe in unserem Freie-Elektronen-Laser FLASH bereits mit Bravour bestanden hat. Sie wird diesem europäischen Forschungsprojekt in der internationalen Konkurrenz einen unschätzbaren Vorteil verschaffen.“

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, erklärt zum heutigen Anlass: „Mit dem European XFEL werden Wissenschaftler schon bald besser verstehen, wie der Nanokosmos funktioniert. Außerdem können wir mit der Grundlagenforschung die Innovationen von morgen auf den Weg bringen, zum Beispiel die Werkstoffe und Medikamente der Zukunft. Um das möglich zu machen, investiert die Bundesregierung gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise verstärkt in Bildung und Forschung. In dieser Legislaturperiode geben wir zusätzlich 12 Milliarden Euro für Bildung und Forschung aus. 6 Milliarden davon sind für die Forschung gedacht – davon profitiert natürlich auch ganz stark die Grundlagenforschung.“

Wie der Bergbau unterliegt auch der Tunnelbau für den European XFEL einer besonderen Tradition, die bis heute für Bergleute und Tunnelbauer eine wichtige Rolle spielt. Zentraler Programmpunkt des heutigen Tunnelfestes war deshalb die feierliche Taufe von Tunnelröhre und -bohrmaschine, die vor Beginn der Bauarbeiten im Rahmen einer ökumenischen Andacht erfolgt. Während der stilecht vom Bergmannschor Ruhrkohle-Chor aus Herne begleiteten Zeremonie wurde auch eine Holzstatue der heiligen Barbara gesegnet und anschließend in einem Schrein an der Tunnelwand aufgestellt. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergarbeiter und Tunnelbauer und soll diese vor den Gefahren bei der Arbeit bewahren.

Die Patenschaft für die ersten Tunnel hat Dr. Herlind Gundelach, Senatorin für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg, übernommen. Als Taufpatin wird sie von den Tunnelarbeitern während der Bauzeit als irdische Vertreterin der heiligen Barbara angesehen, und der Tunnel trägt traditionell ihren Vornamen (Herlind-Tunnel).

Auch die Tunnelbohrmaschine wurde vor ihrem ersten Einsatz getauft. Ihr Name – TULA, TUnnel für LAser – wurde in einem öffentlichen Wettbewerb einer großen Hamburger Lokalzeitung ermittelt und heute bei dem Taufakt bekannt gegeben. Taufpatin für die Maschine ist Imke Gembalies, Mitarbeiterin der European XFEL GmbH.

Die Tunnelanlagen für den European XFEL liegen so tief, dass sie im Grundwasser verlaufen. Sie werden direkt unterirdisch mit großen Schildvortriebsmaschinen gebohrt. Diese Bauweise ist ein weltweit eingesetztes und bestens erprobtes Verfahren, das zum Beispiel für den Bau von Straßen- oder Bahntunneln verwendet wird. Die Tunnel für den European XFEL haben unterschiedliche Durchmesser: Während für den Beschleuniger ein Innendurchmesser von 5,30 Metern benötigt wird, beträgt der Innendurchmesser der meisten Tunnel des Fächerbauwerks 4,60 Meter. Deshalb kommen beim Bau zwei unterschiedlich große Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz, die die verschiedenen Röhren abschnittsweise herstellen. Der Tunnelbau erfolgt von Juli 2010 bis Sommer 2012. Das heutige Tunnelfest markiert den Start der größeren Tunnelbohrmaschine. Die kleinere wird Ende dieses Jahres mit der Arbeit beginnen.

Mit dem europäischen Röntgenlaser European XFEL (X steht für Röntgen, FEL für Freie-Elektronen-Laser) entsteht in Hamburg und Schleswig-Holstein eine einzigartige Forschungsanlage, die ab 2015 Naturwissenschaftlern und industriellen Anwendern aus aller Welt völlig neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen wird. Der Großteil der 3,4 Kilometer langen Anlage befindet sich in bis zu 38 Meter tiefen Tunneln unter der Erde – insgesamt sind es 5,8 Kilometer Tunnelröhren, zu denen drei Betriebsgelände Zugang gewähren. Schnurgerade zwischen den Betriebsgeländen DESY-Bahrenfeld und Osdorfer Born verläuft der Haupttunnel für den supraleitenden Teilchenbeschleuniger. Dieser bringt Elektronen – jene Teilchen, die in elektrischen Leitungen für Stromfluss sorgen – auf die erforderliche Energie. Anschließend werden sie auf einen Tunnelfächer unter dem Forschungsgelände Schenefeld verteilt und erzeugen dort in speziellen Magnetanordnungen intensive Röntgenblitze. Diese werden dann in die Experimentierhalle geleitet, in der internationale Wissenschaftlerteams mit dem brillanten Röntgenlicht forschen.

Als weltweit einzige Forschungsanlage dieser Art wird der European XFEL hochintensive ultrakurze Röntgenblitze mit den Eigenschaften von Laserlicht erzeugen, und zwar 27 000 Mal in der Sekunde. Den Naturwissenschaften bietet diese Lichtquelle der Superlative ungeahnte Forschungsperspektiven. Von den Ergebnissen profitieren die verschiedensten Disziplinen und auch industrielle Anwender – beispielsweise wenn es darum geht, neue Werkstoffe und Materialien im Nanobereich oder wirkungsvollere Medikamente zu entwickeln.

Als internationales Projekt wird der European XFEL von einer eigenständigen Forschungsorganisation betrieben, der gemeinnützigen European XFEL GmbH, die im Herbst 2009 gegründet wurde und bereits knapp 60 Mitarbeiter beschäftigt. An dem Projekt beteiligen sich zurzeit 12 Länder (Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien und Ungarn). China plant seine Teilnahme. Gesellschafter der European XFEL GmbH sind derzeit Dänemark, Deutschland, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei und Ungarn; China, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen und Spanien planen den Beitritt. Die Baukosten für die Anlage einschließlich der Inbetriebnahme belaufen sich auf 1082 Millionen Euro (Preisniveau 2005). Als Sitzland trägt Deutschland (Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein) 54 Prozent der Baukosten; Russland übernimmt 23 Prozent und die anderen internationalen Partner zwischen einem und 3,5 Prozent.

Vertreter Deutschlands und Hauptgesellschafter mit einem Anteil von über 50 Prozent ist das Forschungszentrum DESY, bei dem die Idee für die Röntgenlaseranlage geboren und auf den Weg gebracht wurde. DESY ist Bauherr der Tiefbauarbeiten, die im Januar 2009 begonnen haben. Auch in Zukunft arbeiten die European XFEL GmbH und DESY bei Bau, Inbetriebnahme und Betrieb der Röntgenlaseranlage eng zusammen. So baut DESY zusammen mit internationalen Partnern das Herz der Anlage – den 1,7 Kilometer langen supraleitenden Beschleuniger mit der Elektronenquelle – und wird diesen später auch im Auftrag der European XFEL GmbH betreiben.

Dr. Thomas Zoufal | idw
Weitere Informationen:
http://www.xfel.eu/de
http://www.desy.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis
25.05.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie
23.05.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Das große Aufräumen nach dem Stress

25.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis

25.05.2018 | Physik Astronomie

Weltneuheit im Live-Chat erleben

25.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics