Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Instrument erzeugt 3D-Bild des Universums

05.03.2014

MUSE-Projekt in Chile: Forscher der Universität Göttingen maßgeblich an Entwicklung beteiligt

Das astronomische Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in der chilenischen Atacama-Wüste erhält eines der weltweit komplexesten Instrumente zur 3D-Spektroskopie des Weltalls. An der Entwicklung und dem Bau von MUSE (Multi Unit Spectroscopic Explorer) waren französische, deutsche, niederländische und Schweizer Forschungsinstitute beteiligt; das Institut für Astrophysik der Universität Göttingen war dabei federführend für die Instrumentenstruktur, die optische Strahlzerlegung sowie die Gesamtinstallation zuständig. Das über sieben Tonnen schwere Gerät liefert dreidimensionale Daten und verbessert damit die Leistungsfähigkeit des europäischen Observatoriums maßgeblich. 


Das MUSE-Instrument unmittelbar vor Eintritt in die Teleskopkuppel in 25 Metern Höhe am Kranhaken schwebend. Foto: Eric Le Roux; Universität Claude Bernard Lyon 1 / CNRS / ESO

MUSE wird am dortigen Riesenteleskop, dem „Very Large Telescope“ (VLT), zur Suche nach den jüngsten Galaxien eingesetzt, um die früheste Phase der Galaxienentstehung und -entwicklung nach dem Urknall zu verstehen. Aufgrund seiner Konstruktion ermöglicht das Instrument die spektroskopische Erfassung ausgewählter Himmelsareale, deren Informationen im sichtbaren Spektralbereich nach erfolgter Beobachtung vollständig und lückenlos vorliegen werden.

„Um das ausgewählte Areal zu erfassen, muss dieses optisch mehrfach aufgespalten und in 24 einzelnen Kanälen in seine Farbbestandteile spektral zerlegt werden“, erklärt Dr. Harald Nicklas vom Göttinger Institut für Astrophysik. „Hierdurch wird das beobachtete Himmelsareal in seiner Höhe, Breite und in seiner Tiefe durch 24 hochempfindliche CCD-Detektoren in binäre Daten umgewandelt und am Ende zu einem vollständigen Datensatz wieder zusammengefügt.“

Darüber hinaus wollen die Forscher mithilfe des neuen Instruments die Umgebung massereicher schwarzer Löcher erforschen sowie benachbarte Galaxien mit hoher Genauigkeit untersuchen, um Aufschlüsse über deren Sterne und Populationen zu gewinnen. Speziell die Astrophysik Göttingen hat sich diesem Arbeitsfeld – der Populationsanalyse in den übervölkerten Kernregionen von Kugelsternhaufen unserer Milchstraße – verschrieben.

Die bis zu 15 am Projekt tätigen Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker am Institut für Astrophysik und der Fakultät für Physik der Universität Göttingen waren maßgeblich am Gelingen von MUSE beteiligt. Sie entwarfen die zentrale Instrumentenstruktur mit Anbindung an das Teleskop sowie die optische Strahlzerlegung und Strahlführung zur Einspeisung des vom Teleskop gesammelten Sternlichts in die 24 Spektrographen‐Einheiten.

Nicht zuletzt zeichneten die Göttinger Forscher neben zahllosen Vorrichtungen zur Montage und Inbetriebnahme von MUSE auch für den Transportrahmen und die Installation der Gesamtanlage am Teleskop verantwortlich. Die Gesamtkosten des über zehn Jahre andauernden Projekts belaufen sich auf über 21,5 Millionen Euro. Davon hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung knapp zwei Millionen Euro gefördert, weitere 555.000 Euro betragen die Hardware-Kosten für die Universität Göttingen.
Hinweis an die Redaktionen:

Fotos zum Thema haben wir im Internet unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4719 zum Download bereitgestellt.

Kontaktadresse:
Dr. Harald Nicklas
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik – Institut für Astrophysik
Friedrich-Hund-Platz 1, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-5042, E-Mail: nicklas@astro.physik.uni-goettingen.de
Internet: http://www.astro.physik.uni-goettingen.de sowie http://www.eso.org/public/news/eso1407/

Thomas Richter | Georg-August-Universität Göttingen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt
21.06.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern
20.06.2018 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics