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Dem Marsmond ganz nah - Raumsonde Mars Express fotografiert Phobos aus bisher kürzester Distanz

04.08.2008
So nah kam ihm noch keiner: Am 23. Juli 2008 um 06:49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit flog die Raumsonde Mars Express in nur 93 Kilometern Entfernung an Phobos, dem größeren der beiden Marsmonde, vorbei.

Bei einer relativen Geschwindigkeit der Raumsonde von 3 km pro Sekunde konnte die an Bord befindliche High Resolution Stereo Camera (HRSC) Aufnahmen von noch nie gesehenen Oberflächendetails des Mondes schießen. Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter Leitung des Principal Investigators Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut.

Der nur 27 km x 22 km x 19 km große Mond gehört zu den am schwächsten reflektierenden Körpern im Sonnensystem. Es wird vermutet, dass es sich bei Phobos um einen eingefangenen Asteroiden oder um ein Objekt handelt, das sich noch aus der Zeit der Planeten-Entstehung erhalten hat. Die Bilddaten, welche in fünf verschiedenen Kanälen für die bestmögliche stereografische und photogrammetrische Analyse aufgenommen wurden, zeigen bei einer Auflösung von 3,7 Metern/Pixel noch nie gesehene Details der Oberfläche des Mars-Mondes. Die Daten der zusätzlichen photometrischen Kanäle mit einer Auflösung von 7,4 Metern/Pixel bieten die Möglichkeit, den auf Phobos vorhandenen Regolith (lockere Mischung aus zermahlenem Gestein und Gesteinsschmelzen) bezüglich seiner physikalischen Struktur genauestens zu untersuchen.

Die Daten bieten völlig neue Möglichkeiten, Phobos zu untersuchen, da Daten älterer Vorbeiflüge der Viking Sonden oder der Mars Reconnaissance Orbiter-Mission (MRO) der NASA entweder keine Stereodaten lieferten oder die Auflösung der Bilder geringer war. Neuere hoch aufgelöste Aufnahmen von der MRO-Mission zeigen nur die marszugewandte Seite des Mars-Mondes, während beim Mars Express-Vorbeiflug überwiegend die marsabgewandte Seite beobachtet werden konnte. Dieser Vorbeiflug hatte die größte Annäherung an Phobos von den insgesamt fünf geplanten Vorbeiflügen im Juli und August dieses Jahres. Die gezeigten Bilder sind die besten Gesamtaufnahmen von Phobos, die jemals gemacht wurden.

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Die speziellen Beobachtungsmöglichkeiten von Phobos verdankt Mars Express seiner sehr elliptischen Umlaufbahn. Da Phobos, wie auch der Erdmond der Erde, dem Planeten immer die gleiche Seite zuwendet, sind Aufnahmen der marsabgewandten Seite nur möglich, wenn sich Mars Express außerhalb des Phobosorbits befindet.

Besonders eindrucksvoll erkennt man auf den neuesten Bildern die außergewöhnlichen Riefen auf der Oberfläche des Mondes. Der Ursprung dieser Riefen ist umstritten. Es könnte sich um Spuren handeln, die durch den Einschlag von ausgeworfenem Material im Zuge von Einschlägen auf dem Mars entstanden sind. Möglicherweise sind auch durch Gezeiten oder Einschläge auf Phobos Spalten erzeugt worden, die durch den Regolith, der die Oberfläche von Phobos bedeckt, teilweise gefüllt sind. In den Bildern können mindestens zwei verschiedene Riefensysteme mit unterschiedlichen Orientierungen unterschieden werden. Eine gewundene Kraterkette, möglicherweise durch Einschläge erzeugt, ist ebenfalls zu erkennen.

Im Jahr 2009 will die russische Raumfahrtbehörde die Mission "Phobos Grunt" (Phobos-Boden) zu dem Marstrabanten schicken, um Bodenproben eines bestimmten Areals auf der marsabgewandten Seite zu sammeln und zur Erde zu bringen. Dieses Gebiet wurde zuletzt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von den Viking-Sonden aufgenommen. Die Beobachtungen der HRSC-Kamera wurden sehnlichst erwartet, um die mögliche Landestelle besser festlegen und untersuchen zu können. Möglicherweise führen die Untersuchungen zu einer Änderung der Planung für eine etwas nördlich verlagerte Landestelle.

Nähere Auskünfte erteilen Ihnen gern:

o Prof. Dr. Gerhard Neukum, Principal Investigator HRSC Experiment, Freie Universität Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften, Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, Telefon: +49 30-83870-579, Mobil: +49 171-7647177, Fax.: +49 30-83870-188, E-Mail: gneukum@zedat.fu-berlin.de

o Heike Balthasar, Freie Universität Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften, Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, Telefon: +49 30-83870-555, E-Mail: heike.balthasar@fu-berlin.de

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.geoinf.fu-berlin.de
http://www.fu-berlin.de/presse/fup/2008/fup_08_249

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