Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetfelder treiben die Sonnenwinde an

25.11.2009
Satellitenmessung löst Rätsel der Plasmaphysik

Starke Magnetfelder dürften den Schlüssel für das Rätsel liefern, wie Sonnenwinde angetrieben werden. Zu diesem Schluss kommen Raumforscher am University College London in der Zeitschrift "Astrophysical Journal".

Sie werteten die Daten aus, die 2007 durch einen Spektrometer zur Erfassung extrem kurzwelliger ultravioletter Strahlung auf dem japanischen Satelliten "Hinode" erhoben worden waren und konnten dabei zeigen, dass die hohe Geschwindigkeit der Winde auf das Auflösen magnetischer Spannungen zurückgeht.

Beschleunigung auf Millionen Stundenkilometer

Als "Sonnenwind" bezeichnet man Ansammlungen von Protonen, Elektronen und Alphateilchen, die in Geschwindigkeiten von mehreren Mio. Stundenkilometern aus der Sonne ausgestoßen werden und somit deren Masse reduzieren. "Er ist ein Fluss, der durch heißes Gas und ein Magnetfeld zustande kommt, das auch die Erde und andere Planeten einhüllt", erklärt Studienleiter Deb Baker. Bisher habe man gewusst, dass Veränderungen in diesem Wind erhebliche Störungen in Erdnähe und in der oberen Atmosphäre verursachen können, ohne dass jedoch Klarheit über die Antriebsquelle bestand.

Die aktuellen Daten sprechen dafür, dass dieser Antrieb aus freigesetzter Energie stammt, die zuvor im Magnetfeld der Sonne gespeichert war. "Am stärksten geschieht diese Freisetzung von magnetischer Energie in den hellsten aktiven Bereichen der Sonnenoberfläche, den Sonnenflecken, die eine starke Konzentration des Magnetfelds darstellen", so Baker. Der zugrundeliegenden Prozess sei eine spezielle Art der sogenannten Feldlinienverschmelzung ("slipping reconnection"). Die Forscher vermuten, dass dieser Prozess nicht nur in der Korona, sondern auch an allen anderen Regionen in verschiedenem Ausmaß stattfindet.

Hohe Bedeutung für Plasmaphysik

"Bei der Feldlinienverschmelzung wird Energie aus dem Magnetfeld in Teilchenenergie freisetzt. Dazu kommt es, wenn ein Magnetfeld ausgedehnt wird und Feldlinien mit entgegengesetzter Polarität einander überlagern", erklärt Wolfgang Baumjohann, Direktor des Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften http://www.iwf.oeaw.ac.at , im pressetext-Interview. Diese Startbeschleunigung von Sonnenwinden geschehe in Form der Massenauswürfe in der Sonnenkorona.

Dass Sonnenwinde auf diese Weise angetrieben werden, vermutet die Wissenschaft schon länger. "Allein der Beweis dafür konnte bisher nicht erstellt werden, da man sich nicht in die Sonne selbst begeben kann. Nun ist dies auf andere Weise gelungen", so Baumjohann. Vorteilhaft sei die Erkenntnis, die einen der wichtigsten Prozesse der Plasmaphysik beschreibe, um das Geschehen in anderen Sternen und anderen Galaxien besser zu verstehen. "Die Sonne steht uns sehr nahe und lässt sich daher viel besser erforschen."

Abstract des Originalartikels unter http://www.iop.org/EJ/abstract/0004-637X/705/1/926/

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucl.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Proteintransport - Stau in der Zelle
24.03.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise