Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Finden Sie das laufende Huhn am Himmel

21.09.2011
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching): Ein neues Bild der WFI-Kamera am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop zeigt den Lambda-Centauri-Nebel im Sternbild Zentaur: eine Wolke aus glühendem Wasserstoffgas, gesprenkelt mit neugeborenen Sternen. Unter Astronomen firmiert das Gebilde unter der Katalognummer IC 2944. Im Englischen hat es den Beinamen “Running Chicken Nebula” (“Nebel des laufenden Huhns”), nach einer vogelähnlichen Struktur, die manche Menschen in seinen hellsten Regionen zu sehen meinen.

Der Nebel, dessen Entfernung von der Erde rund 6500 Lichtjahre beträgt, enthält heiße, neu geborene Sterne, die helles Ultraviolettlicht aussenden. Diese intensive Strahlung regt die umliegenden Wasserstoffwolken zum Leuchten an, das verleiht dem Nebel eine charakteristische rötliche Farbe. Solch eine Färbung ist typisch für Sternentstehungsregionen; eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Lagunennebel.


Aufnahme des Lambda-Centauri-Nebels. Wo ist das Huhn? Bild: ESO

Manche Betrachter machen in Bildern dieser rötlichen Sternentstehungsregion den Umriss eines Huhns aus. Diesem Umstand verdankt der Nebel im englischen Sprachraum seinen Spitznamen. Darüber welche der Strukturen das Huhn darstellen sollen, herrscht unter den Beobachtern allerdings erhebliche Uneinigkeit [1].

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich in IC 2944 neue Sterne bilden, sind die undurchsichtigen schwarzen Klumpen, die sich in diesem Bild deutlich vom rötlichen Hintergrund abheben. Dies sind so genannte Bok-Globulen, Wolken aus Gas und Staub, die das Licht des leuchtstarken Hintergrundes absorbieren. Mit Hilfe von Infrarotteleskopen ist es möglich, durch den Staub, der sichtbares Licht absorbiert, hindurchzusehen und nachzuweisen, dass im Inneren einer Reihe dieser Globulen neue Sterne entstehen.

Die markantesten Bok-Globulen in diesem Bild sind die Thackeray-Globulen, benannt nach dem südafrikanischen Astronomen, der sie in den 1950er Jahren entdeckt hat. In diesem Bild sind sie inmitten einer Gruppe heller Sterne im oberen rechten Teil des Bildes zu sehen. Durch eine Aufnahme des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble sind sie bekannt geworden.

Während die Hubble-Aufnahme größeren Detailreichtum in diesem Ausschnitt des Bildes bietet, ist die Stärke der hier verwendeten Kamera, dass sie in jeder Aufnahme eine deutlich größere Himmelsregion dokumentieren kann – eine Region von ungefähr der gleichen Größe wie die des Vollmonds am Himmel [2]. Die Kamera ist der Wide Field Imager, eine astronomische Spezialkamera mit besonders großem Blickfeld, die am MPG/ESO 2,2 m-Teleskop am ESO-Observatorium La Silla installiert ist. Ähnlich wie verschiedene Objektive es dem Fotografen erlauben, für jedes Bild das geeignete Blickfeld zu wählen, können Astronomen für ihre Forschungen auf Teleskope mit unterschiedlich großen Blickfeldern zurückgreife, und bei der Untersuchung ausgedehnter Himmelsobjekte jeweils das Instrument wählen, welches für ihr Forschungsziel am geeignetsten ist.

Ältere Geschwister der Sterne, die in den Thackeray-Globulen verborgen sind, finden sich in dem Sternhaufen IC 2948, der ebenfalls im Nebel des laufenden Huhns eingebettet ist. Verglichen mit anderen Sternen sind sie mit ihren paar Millionen Jahren noch sehr jung. Die Ultraviolettstrahlung, die diese hellen Sterne aussenden, liefert einen Großteil der Energie, die das Gas des Nebels zum Leuchten anregt. Für astronomische Verhältnisse sind solche leuchtenden Nebel recht kurzlebig; bereits nach einigen Millionen Jahren erlöscht ihr Leuchten. Auch dem Lambda-Centauri-Nebel steht dieses Schicksal bevor, wenn sein Gas zerstreut ist und nicht mehr genügend Ultraviolettstrahlung zur Anregung zur Verfügung steht.

Endnoten

[1] Wir sind gespannt darauf, zu erfahren, ob und wo Sie in diesem Nebel ein Huhn erkennen – zeichnen Sie Ihre Version des Huhns auf eine Kopie dieses Bildes und stellen Sie das Ergebnis auf der Flickr-Gruppe der ESO ein!

[2] Dieses Bild entstand als Teil des Cosmic Gems-Programms (wörtlich „kosmische Edelsteine“) der ESO. Diese Initiative nutzt hauptsächlich diejenigen Zeiten, zu denen die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen wissenschaftlicher Beobachtungsarbeit genügt, um Bilder von interessanten, faszinierenden oder von Himmelsobjekten anzufertigen, die einfach schön anzusehen sind. Die Bilddaten sind im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können sie für ihre Zwecke nutzen.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org
Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1135.

M. Pössel | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1135/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften