Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Euclid“ nimmt die letzte Hürde

20.06.2012
Die europäische Weltraumagentur ESA hat jetzt offiziell die Euclid-Mission in ihr Cosmic Vision-Programm aufgenommen und unterstützt damit die größte Kollaboration von Astronomen weltweit.

An dem Projekt sind Wissenschaftler des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn (AIfA) maßgeblich beteiligt. Nun kann mit der wissenschaftlichen Vorbereitung und dem Bau des Satelliten begonnen werden, der Ende dieses Jahrzehnts ins All starten soll.


Der Satellit "Euclid" soll Ende des Jahrzehnts ins All starten und dort die Verteilung und Entwicklung der rätselhaften Dunklen Materie und Dunklen Energie im Universum untersuchen. (c) Grafik: ESA/C. Carreau

Euclid wird das „Dunkle Universum“ sehr genau untersuchen und insbesondere die Verteilung und Entwicklung der rätselhaften Dunklen Materie und Dunklen Energie im Universum aufspüren.

„Wir haben es geschafft“, sagt Dr. Yannick Mellier vom Institut Astrophysique de Paris (IAP), der das nun ausgewählte Euclid-Konsortium (EC) leitet. „Die ESA und das Euclid-Konsortium haben seit über fünf Jahren daran gearbeitet und nun wurden wir tatsächlich formell ausgewählt, diese aufregende Weltraummission durchzuführen.“ Die ESA verabschiedete jetzt ein multilaterales Abkommen zwischen elf europäischen Raumfahrtagenturen, der NASA sowie dem Euclid-Konsortium zum Bau der wichtigsten Elemente für den Euclid-Satelliten, insbesondere der Instrumente an Bord, der Software zur Datenanalyse und der wissenschaftlichen Leitung für den Satelliten.

Fast 1000 Wissenschaftler sind an der Mission beteiligt

Fast 1000 Wissenschaftler aus ganz Europa und anderen Teilen der Welt arbeiten zusammen, um diese Mission zu ermöglichen. „Unser Team umfasst Experten aus allen Feldern der Astronomie, der Physik, des Satelliten- und Software-Designs“, sagt Dr. Mellier. Das Konsortium wird zwei Instrumente beisteuern: Eine abbildende Kamera für den sichtbaren Teil des Lichts (VIS) und einen abbildenden Nahinfrarot-Spektrographen (NISP). Mit ihrem großen Sichtfeld werden diese hochmodernen Instrumente eine große Menge an Daten in außergewöhnlich hoher Qualität liefern und mehr als ein Drittel des Himmels kartieren.

Argelander-Institut konzentriert sich auf Gravitationslinseneffekte

Das Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn (AIfA) konzentriert sich im Projekt Euclid vor allem auf die Analyse der optischen Beobachtungsdaten. In enger Kooperation insbesondere mit Kollegen in Edinburgh und Oxford entwickelt die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Schneider Analyseverfahren zur Vermessung des sogenannten schwachen Gravitationslinseneffektes. Dabei handelt es sich um eine Analysemethode, für die die Bonner Wissenschaftler langjährige umfangreiche Erfahrung vorzuweisen haben. Bei diesem durch die allgemeine Relativitätstheorie beschriebenen Phänomen werden die Bilder weit entfernter Galaxien durch das Schwerefeld der großräumigen Materieverteilung im Universum leicht verzerrt. Aus der statistischen Untersuchung der Verzerrung unzähliger Galaxienbilder lässt sich dann ein Bild dieser kosmischen Materieverteilung konstruieren. Die Satellitenmission Euclid bringt deutlich präzisere Bilder hervor, als dies mit Bodenteleskopen möglich wäre. Die Qualität der Aufnahmen ist der des berühmten Hubble-Weltraumteleskops ähnlich - wobei Euclid jedoch eine Fläche des Himmels abbilden wird, die etwa zehntausend Mal größer ist als das größte jemals mit Hubble aufgenommene Gebiet.

Antworten auf die fundamentalen Fragen der modernen Physik

„Wir erwarten von Euclid die Beantwortung einer der fundamentalsten Fragen moderner Physik – nämlich der nach den Eigenschaften der mysteriösen 'Dunklen Energie', die für die beschleunigte Expansion des Universums verantwortlich ist“, sagt Prof. Schneider. „Das Bonner Institut wird einen wesentlichen Beitrag zum wissenschaftlichen Erfolg der Mission liefern.“ Sein Kollege Dr. Schrabback, der die Messung der Bildverzerrungen innerhalb des Konsortiums stellvertretend koordiniert, ergänzt: „Euclid ist einzigartig bezüglich der erreichbaren Messgenauigkeit; diese optimal zu nutzen, stellt eine Herausforderung dar, der wir uns gerne stellen werden.“

Euclid ist nun offiziell eine ESA-Mission

Ebenfalls beteiligt sind das Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching (MPE), zuständig für das optische Gesamtdesign des Nahinfrarot-Instruments und den Aufbau des wissenschaftlichen Datenzentrums, die Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU), die federführend an der Vorbereitung der ergänzenden bodengebundenen Daten beteiligt ist, und das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg mit der Entwicklung und dem Bau der Breitbandfilter. Euclid ist mit der jetzigen Genehmigung eine offizielle ESA-Mission und stärkt damit das Euclid-Konsortium an der Spitze der weltweiten Forschung über das „dunkle Universum“. Die deutschen Beiträge zur Euclid-Mission werden vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in erheblichem Maße gefördert.

Kontakt:

Prof. Peter Schneider
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Tel. 0228 73 3671
E-Mail: peter@astro.uni-bonn.de

Dr. Tim Schrabback
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Tel. 0228/73 3652
E-Mail: schrabba@astro.uni-bonn.de

Dr. Ole Marggraf
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Tel. 0228/73 3649
E-Mail: marggraf@astro.uni-bonn.de

Prof. Yannick Mellier (Euclid Consortium Lead)
Institut d'Astrophysique de Paris
Tel. +33 (0)1 44328140
E-Mail: mellier@iap.fr

Prof. Bob Nichol (EC Communications Office Lead)
Institute of Cosmology and Gravitation, University of Portsmouth
Tel. +44 (0)23 92843117
E-Mail: bob.nichol@port.ac.uk

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/164-2012

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Astrophysik

nachricht Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt
22.06.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften