Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elegante Galaxie in ungewöhnlichem Licht

22.09.2010
Eine neue Aufnahme mit der leistungsstarken Kamera HAWK-I des Very Large Telescope der ESO am Paranal-Observatorium in Chile zeigt die wunderschöne Balkenspiralgalaxie NGC 1365 im Infrarotlicht.

NGC 1365 ist Mitglied des Fornax-Galaxienhaufens und rund 60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.


HAWK-I Infrarotaufnahme der Balkenspirale NGC 1365 Bild: ESO/P. Grosbøl

NGC 1365 ist eine der bekanntesten und am häufigsten untersuchten Balkenspiralgalaxien. Solche Galaxien zeichnen sich durch eine zentrale, längliche Struktur aus (den Balken), an den sich Spiralarme anschließen. NGC 1365 mit ihrem langen, geraden Balken und ausgeprägten Spiralarmen ist ein besonders formvollendetes Exemplar dieser Gattung, und wird daher manchmal schlicht “Die Große Balkenspirale” genannt. Sie weist noch eine zweite, kleinere und in der Mitte angesiedelte Spiralstruktur auf, und die gesamte Galaxie ist von feinen Staubbändern durchzogen.

NGC 1365 eignet sich hervorragend dazu, die Entstehung und Entwicklung von Balkenspiralgalaxien im Allgemeinen zu untersuchen. Die neuen, mit der HAWK-I-Kamera gewonnenen Aufnahmen im Infrarotlicht werden weniger stark als Aufnahmen im sichtbaren Licht durch den Staub beeinträchtigt, der Teile der Galaxie verdeckt (potw1037a). Im Infraroten wird sowohl im Balken als auch in den Spiralarmen das Leuchten von Unmengen ansonsten verdeckter Sterne sichtbar. Mithilfe dieser Aufnahmen möchten die Astronomen die komplexen Bewegungen der Materie innerhalb der Galaxie verstehen und herausfinden, wie sie die Gasansammlungen beeinflussen, in denen neue Sterne entstehen.

Der große Balken stört die ansonsten symmetrische Form des Schwerefelds der Galaxie. So entstehen Regionen, in denen das in der Galaxie enthaltene Gas komprimiert wird. Das wiederum löst die Bildung neuer Sterne aus. Viele große und junge Sternhaufen, von denen jeder Hunderte oder Tausende von hellen, nur einige Millionen Jahre alten Sternen enthält, zeichnen die beiden Hauptspiralarme nach. In der ganzen Galaxie entstehen pro Jahr mehrere Sterne mit zusammengenommen rund dreimal soviel Masse wie die unserer Sonne. NGC 1365 ist zu weit entfernt, als dass sich die einzelnen Sterne in solch einer Aufnahme auseinanderhalten ließen. Viele der kleinen Klumpen in dem Bild, die man für Sterne halten könnte, sind in Wirklichkeit ganze Sternhaufen.

Während der Balken von NGC 1365 hauptsächlich aus älteren Sternen besteht, die ihre besten Jahre längst hinter sich haben, werden in Sternkinderstuben aus Gas und Staub in den inneren Spiralarmen nahe am Kern der Galaxie viele neue Sterne geboren. Der Balken lenkt Gas und Staub genau in das Zentrum die Galaxie, wo die Astronomen Hinweise auf das Vorhandensein eines sehr massereichen Schwarzen Lochs gefunden haben, das gut zwischen den unzähligen hellen Sternen versteckt ist.

Mit ihren zwei riesigen äußeren Spiralarmen erstreckt sich NGC 1365 über eine Länge von 200.000 Lichtjahren. Dabei laufen verschiedene Bereiche der Galaxie unterschiedlich schnell um das Zentrum: Für die Außenbereiche des Balkens dauert ein Umlauf rund 350 Millionen Jahre. Galaxien wie NGC 1365 sind in den letzten Jahren verstärkt in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Forscher gerückt, da neuere Beobachtungen darauf hindeuten, dass die Milchstraße, unsere Heimatgalaxie, ebenfalls eine Balkenspiralgalaxie ist. Dieser Typ von Galaxien tritt recht häufig auf – nach neuesten Schätzungen haben zwei Drittel aller Spiralgalaxien einen Balken. Die Untersuchung anderer Balkenspiralgalaxien hilft den Astronomen dabei, unsere eigene zu verstehen.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontakte

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson@mpia.de
Richard Hook
ESO Paranal/La SiIlla and E-ELT Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1038/
http://www.eso.org/public/images/potw1037a

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Klein bestimmt über groß?
29.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet
29.03.2017 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten