Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine farbenfrohe Versammlung von Sternen mittleren Alters

26.11.2014

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile hat ein farbenreiches Bild des hellen Sternhaufens NGC 3532 in Szene gesetzt. Einige heiße Sterne leuchten immer noch in bläulichem Licht, während die massereicheren Sterne schon zu Roten Riesen geworden sind und in einen satten Orangeton übergegangen sind.

NGC 3532 ist ein ein heller offener Sternhaufen, der sich etwa 1300 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Carina (der Schiffskiel) befindet. Inoffiziell ist er auch als Wunschbrunnen-Sternhaufen bekannt, da er an verstreute Silbermünzen am Boden eines Wunschbrunnens erinnert. Er wird manchmal auch Football-Sternhaufen genannt, diesen Namen erhielt er wegen seiner ovalen Form, die Bürger von Rugby-begeisterten Nationen an einen Rugbyball erinnert.


Abbildung eso1439a

Der farbenfrohe Sternhaufen NGC 3532

NGC 3532 ist als heller Sternhaufen auf der Südhalbkugel der Erde leicht mit dem bloßen Auge zu sehen. Er wurde vom französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille während einer Beobachtung in Südafrika im Jahr 1752 entdeckt und im Jahr 1755 katalogisiert. Es ist einer der eindrucksvollsten offenen Sternhaufen am ganzen Himmel.

Der Sternhaufen deckt eine Himmelsregion ab, die fast zwei Mal so groß ist wie der Vollmond. Er wurde von John Herschel als doppelsternreicher Sternhaufen beschrieben, der während seinem Südafrika-Aufenthalt in den 1830er Jahren „einige elegante Doppelsterne” darin beobachtet hatte. Eine weitere, deutlich aktuellere Relevanz erhielt NGC 3532 als erstes Zielobjekt vom NASA/ESA Hubble Space Telescope am 20. März 1990.

Diese Ansammlung von Sternen ist etwa 300 Millionen Jahre alt. Das macht NGC 3532 zu einem Sternhaufen mittleren Alters für Sternhaufenverhältnisse [1]. Diejenigen Sterne, die mit moderaten Massen gestartet sind, leuchten immer noch hell in blau-weißen Farben, die massereicheren Sterne haben jedoch ihren Wasserstoffvorrat aufgebraucht und haben sich zu Roten Riesen entwickelt.

Daher enthält der Sternhaufen sowohl reichlich blaue als auch orangene Sterne. Die massereichsten Sterne werden ihr kurzes aber helles Leben bereits durchlaufen haben und vor langer Zeit in Supernovaexplosionen verendet sein.

Es gibt auch eine Vielzahl an weniger auffälligen leuchtschwächeren Sternen geringerer Masse, die ein längeres Leben haben und in Gelb- und Rottönen leuchten. NGC 3532 besteht insgesamt aus etwa 400 Sternen.

Der Himmelshintergrund hier ist ein dichter Bereich der Milchstraße und ist übersät mit Sternen. Es gibt dort sowohl etwas leuchtendes rotes Gas als auch feine Staubbahnen, die den Blick auf weiter entfernte Sterne verdecken. Diese sind vermutlich nicht mit dem Sternhaufen selbst verbunden, da dieser alt genug ist, um alles Material um sich herum vor langer Zeit beseitigt zu haben.

Dieses Bild von NGC 3532 wurde mit dem Wide Field Imager am La Silla-Observatorium der ESO im Februar 2013 aufgenommen.

Endnoten


[1] Sterne, deren Masse die Sonnenmasse um ein Vielfaches übersteigt, leben nur einige Millionen Jahre. Man geht davon aus, dass die Sonne etwa zehn Milliarden Jahre lang leben wird. Massenärmere Sterne haben eine Lebenserwartung von Hunderten von Milliarden von Jahren – viel länger als das derzeitige Alter des Universums.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 15 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei dem neuartigen Teleskopverbund ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links
Fotos vom MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop
Weitere Fotos, die mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop aufgenommen wurden
Fotos von La Silla

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO, Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org
Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1439.

Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1439/

Weitere Berichte zu: Astronomie ESO Himmelsdurchmusterungen MPG NGC Network Observatorium Sternhaufen Telescope VLT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Quantenmechanik ist komplex genug – vorerst …
21.04.2017 | Universität Wien

nachricht Tief im Inneren von M87
20.04.2017 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten