Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Dynamik der Elektronen beobachten

06.11.2007
Universität Jena beruft Laserphysiker aus den USA auf Lehrstuhl für Nichtlineare Optik

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses von Prof. Dr. Gerhard G. Paulus steht die Erforschung der schnellsten Vorgänge in der Natur. Dem frisch ernannten Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik/Nichtlineare Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat es die Attosekunden-Laserphysik angetan - was also im Bereich des milliardsten Teils einer milliardstel Sekunde (10 hoch minus 18 Sekunden) vor sich geht.

"In diesem Bereich kann man die Dynamik der Elektronen beobachten, also den ersten Schritt beispielsweise von chemischen Reaktionen", sagt Prof. Paulus. Dazu ist es notwendig, "alle Spektralfarben in Gleichschritt zu bringen", umschreibt der Neu-Jenaer, was zur Erzeugung dieser ultrakurzen Pulse notwendig ist.

Bisher hat sich Paulus der Attosekunden-Zeitskala auf "einem indirekten Zugang" genähert. Vor sechs Jahren hat er als Erster Effekte von sogenannten Einzelzyklenpulsen nachgewiesen und vor zwei Jahren das Attosekunden-Doppelspalt-Experiment veröffentlicht. Bei seinen Forschungen in Jena will er nun zum direkten Beobachten kommen und außerdem die Bewegungen der Elektronen "auf kohärente Art steuern".

Der 41-jährige Paulus, der in Neustadt an der Aisch geboren wurde, denkt auch über eher angewandte Aspekte seiner Forschung nach, ist "offen für Kooperationen mit der Wirtschaft" und freut sich über die Vielzahl an kompetenten Partnern in Jena. "Meine Forschung ist jedoch getrieben von der Neugier", betont der verheiratete Vater zweier Kinder. "Und diese grundlagenbezogene Forschung ist auch wichtig für die Ausbildung", nennt er sein Ziel für die Lehre. "Eine exzellente Ausbildung der Studenten auf der Höhe der Zeit ist nur durch Mitarbeit an der vordersten Front der Forschung denkbar", ist Paulus überzeugt und betont damit die Aktualität des Humboldtschen Bildungsideals.

Bewiesen hat er dies zuletzt an der Texas A&M University in den USA, wo er seit 2003 tätig war. Zuvor wurde Paulus nach dem Physikstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik 1995 promoviert und habilitierte sich 2002. Dann zog es ihn - nach weiteren Forschungsprojekten in Italien und Österreich - in die USA, wo er die Freiheiten der Wissenschaft genossen hat. Dennoch ist er gerne dem Ruf der Friedrich-Schiller-Universität zurück nach Deutschland gefolgt. Gelockt hat ihn neben dem "exzellenten Renommee der Jenaer Universität in der Physik" auch die "hohe Qualität des wissenschaftlichen und technischen Personals". Nicht zuletzt sei er auch dem Ruf der Stadt gefolgt, denn "Jena ist die Geburtsstadt der modernen Optik".

An diesem guten Ruf mitarbeiten will der passionierte Läufer von jetzt ab. Dafür baut er derzeit den Bereich der Attosekunden-Laserphysik auf, um die notwendigen kurzen Pulse entstehen zu lassen, die ihm dann tiefste Einblicke in den Zusammenhalt der atomaren Welt erlauben sollen.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard G. Paulus
Institut für Optik und Quantenelektronik der Universität Jena
Max-Wien-Platz 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 947201
E-Mail: ggpaulus[at]ioq.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Attosekunden-Laserphysik Elektron

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht MADMAX: Ein neues Experiment zur Erforschung der Dunklen Materie
20.10.2017 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung
20.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie