Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aus dem Schattendasein aufs Titelblatt

22.01.2007
Astrophysiker der Universität Jena bannen bisher unsichtbaren Stern erstmals auf ein Foto

Bislang stand er stets "im Schatten" seines strahlenden Begleiters: Hoch am nördlichen Nachthimmel im Sternbild Cepheus zog der Stern mit dem Namen "gamma Cephei B" gänzlich unbeobachtet seine Bahn. Zusammen mit "gamma Cephei A" bildet er ein so genanntes Doppelsternsystem - beide Sterne kreisen eng umeinander. Doch während der helle "gamma Cephei A" von der Erde aus mit bloßem Auge zu erkennen ist, hat den deutlich kleineren "gamma Cephei B" bislang niemand gesehen.


Erst das Abdunkeln des hellen "gamma Cephei A" in der Mitte macht "gamma Cephei B" (rechts daneben) sichtbar. Foto: Fukagawa

"Da beide Sterne sehr dicht nebeneinander stehen, wird ,gamma Cephei B' überstrahlt und war lange Zeit praktisch unsichtbar", erklärt Prof. Dr. Ralph Neuhäuser von der Friedrich-Schiller-Universität Jena das Phänomen. Dem Inhaber des Lehrstuhls für Astrophysik und seinem Team ist es jetzt erstmals gelungen, "gamma Cephei B" zu fotografieren. In der kommenden Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" veröffentlichen die Astrophysiker der Universität Jena den ersten Schnappschuss von "gamma Cephei B", den sie im vergangenen Jahr mit dem japanischen Teleskop Subaru auf Hawaii aufgenommen haben. Außerdem erscheint das Foto auch auf der Titelseite der Zeitschrift.

Entdeckt wurde "gamma Cephei B" bereits 1988 anhand spektroskopischer Messungen. "Aus diesen Daten wissen wir, dass es sich um einen vergleichsweise kleinen und massearmen Stern handelt", erläutert Markus Mugrauer, Doktorand am Lehrstuhl für Astrophysik der Jenaer Universität. So entspricht die Masse von "gamma Cephei B" weniger als der Hälfte der Masse unserer Sonne. "Mit der direkten fotografischen Beobachtung eröffnen sich nun aber viel bessere Möglichkeiten, das Doppelsternsystem zu untersuchen", so Mugrauer weiter. So lassen sich jetzt physikalische Eigenschaften der beiden Sterne - etwa ihre Massen - wesentlich exakter ermitteln.

Das Interesse der Jenaer Astrophysiker an dem Doppelsternsystem rührte ursprünglich vor allem daher, dass es neben den zwei Sternen noch ein wieteres Objekt beherbergt: einen Planeten, der 2003 von dem Jenaer Lehrstuhlinhaber für Astronomie Prof. Dr. Artie Hatzes entdeckt wurde. Die Forscher der Universität Jena untersuchen bereits seit Jahren solche so genannten Planeten-Muttersterne, um Informationen über den Planetenentstehungsprozess zu gewinnen. Bei ihren Beobachtungen gingen den Astrophysikern um Prof. Neuhäuser bereits mehrere stellare Begleiter von Planeten-Muttersternen ins Netz. Erst im vergangenen Sommer war ihnen die erste fotografische Aufnahme eines 36 Lichtjahre entfernten Braunen Zwerges im Sternbild "Fische" gelungen.

Die beiden Sterne des gamma Cephei Systems sind jedoch auch für Prof. Neuhäuser und seine Kollegen etwas Besonderes: "Beide Sterne sind nur etwa 20 Mal soweit voneinander entfernt wie die Erde von der Sonne", so der Jenaer Astrophysiker. "Damit ist dieses System eines der engsten heute bekannten Sternensysteme, in dem ein Planet kreist".

Kontakt:
Prof. Dr. Ralph Neuhäuser / Markus Mugrauer
Astrophysikalisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Schillergässchen 2/3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947500, 03641 / 947514
E-Mail: rne[at]astro.uni-jena.de, markus[at]astro.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Astrophysik Doppelsternsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

nachricht Quantenreibung: Jenseits der Näherung des lokalen Gleichgewichts
01.12.2016 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie