Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch bei Zinkoxid-Szintillatoren

18.01.2007
Die weltweit hellsten und schnellsten Szintillatoren aus ZnO haben Halbleiter-Forscher um Prof. Marius Grundmann von der Universität Leipzig zusammen mit El-Mul Technologies in Yavne, Israel, entwickelt. Mit den neuen Zinkoxid-Szintillatoren kann eine ganz neue Generation von Raster-Elektronenmikroskopen hergestellt werden.

Sie reagieren auf das Eintreffen schneller Elektronen mit der Aussendung von Licht. Dieses wird dann weiterverarbeitet und gibt über seine Intensität eine Information über die Zahl der auftreffenden Elektronen. Die Arbeiten erfolgen im Rahmen des Profilbildenden Forschungsbereich 1 der Universität Leipzig "Von Molekülen und Nanoobjekten zu multifunktionalen Materialien und Prozessen".


Leuchten eines ZnO Szintillators (10mm x 10mm Plättchen) bei Beschuss mit Elektronen.

Da es sich bei ZnO um einen Halbleiter handelt, der eine sogenannte direkte Bandstruktur besitzt, wird das Licht sehr schnell, innerhalb weniger als einer Milliardstel Sekunde nach Eintreffen des Elektrons ausgesendet und erlaubt auf diese Weise eine schnelle Antwort. "Dies ist wichtig für eine Generation von Raster-Elektronen-Mikroskopen, die mit wesentlich schnelleren Rastergeschwindigkeiten arbeiten und so höhere Anforderungen an die Zeitauflösung des Elektronendetektors und damit an den Szintillators stellen.", erklärt Prof. Dr. Marius Grundmann, Direktor des Instituts für Experimentelle Physik II und Leiter der Abteilung Halbleiterphysik.

Hohe Lichtintensität von Zinkoxid

Zinkoxid haben die Forscher wegen seiner guten Quantenausbeute und damit Lichtintensität als Materialsystem gewählt. In einer der Leipziger Oxid-Epitaxieanlagen wurde das Zinkoxid mit dem ultravioletten Licht eines gepulsten Hochleistungslasers verdampft und als dünner Film mit einer Dicke von etwa 1 Mikrometer, etwa der hundertstel Dicke eines Haares, auf Saphir (Aluminiumoxid) in einem Vakuumverfahren abgeschieden. "Die Bedingungen während des Wachstums wurden so optimiert, dass die Schichten eine möglichst große Lichtausbeute haben." sagt Dr. Michael Lorenz, der die Oxid-Epitaxie leitet. Die Wissenschaftler haben damit zu kämpfen, dass Zinkoxid zwar Licht sehr effizient aussendet, aber dieses auch genauso so effizient wieder absorbiert. Von außen ist praktisch nur Licht zu sehen, was aus einer 0.1 Mikrometer dünnen "Haut" der Schicht emittiert wurde. Hierzu wurde unter anderem auch die für die Lichtauskopplung wichtige Oberflächenrauhigkeit gezielt eingestellt.

Erstmals Modellierung des Lichteffektes von Zinkoxid

Es gelang den Wissenschaftlern im Rahmen der Diplomarbeit von Robert Johne die spektralen Eigenschaften des emittierten Lichtes und den beschriebenen Reabsorptionseffekt, sowie seine Abhängigkeit von Schicht- und Anregungsparametern erstmalig genau und in hervorragender Übereinstimmung mit dem Experiment zu modellieren. Die Ausbeute und Zeitantwort des Szintillators wurden in Israel von El-Mul Technologies systematisch untersucht. Chegnui Bekeny, Doktorand an der Universität Bremen, der zuvor in der Abteilung Halbleiterphysik in Leipzig im "International Physics Studies Program" seinen Master (M.Sc.) abgeschlossen hatte, hat weitere, detaillierte zeitaufgelöste, spektroskopische Untersuchungen durchgeführt.

100 bis 100 mal bessere Homogenität

Die hergestellten Zinkoxid-Schichten sind zudem über eine große Fläche (es wurde aus Kompatibilität mit dem Design der Detektoren von El-Mul ein Wafer mit 32,7 mm Durchmesser verwendet) sehr homogen, d.h. die Lichtausbeute variiert nur sehr wenig mit dem Auftreffpunkt des Elektrons. Hierzu bilden die Leipziger Forscher diesen Prozess in einem Elektronenmikroskop mit Hilfe der Kathodolumineszenz direkt ab. Die Homogenität ist einen Faktor 100-1000 besser als bei herkömmlichen Szintillatoren, die auf Pulverbasis hergestellt werden, was für das geringe Rauschen des Detektors essentiell ist.

Gemeinsames Patent in Aussicht

Einige der neuartigen Szintillatoren befinden sich zur Zeit im Kundentest. Der Leiter der Arbeitsgruppe Halbleiterphysik und Direktor des Instituts für Experimentelle Physik II, Prof. Dr. Marius Grundmann, meint hierzu "Wir konnten die Eigenschaften unserer Szintillatoren in kurzer Zeit wesentlich verbessern und haben einen Durchbruch geschafft. Mit weiteren Kniffen erscheint eine weitere Verbesserung um einen Faktor zwei bis drei, möglicherweise mehr, realistisch." Ein mit dem Prozess in Verbindung stehendes gemeinsames Patent der Leipziger Forscher mit der israelischen Firma befindet sich in der Prüfungsphase. "Leider konnten wir bisher keine Drittmittel für diese Forschungen einwerben, da die Kombination einer deutschen Universität und einer israelischen Firma bei den Förderinstitutionen wie BMBF, DFG und auch auf israelischer Seite nicht unterstützt wird", beklagt sich Prof. Grundmann.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden kürlich in der renommierten Zeitschrift Applied Physics Letters erscheinen.

weitere Informationen:

Prof. Dr. Marius Grundmann
Telefon: 0341 97-32650
E-Mail: grundmann@physik.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~hlp

Weitere Berichte zu: El-Mul Elektron Halbleiterphysik Szintillator Zinkoxid-Szintillator

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Atomen beim Wettstreit um Bindungen zugeschaut
21.06.2017 | Universität Innsbruck

nachricht Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission
21.06.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Informationstechnologie - Internationale Konferenz erstmals in Aachen

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

22.06.2017 | Geowissenschaften

Wie Protonen durch eine Brennstoffzelle wandern

22.06.2017 | Energie und Elektrotechnik

Tröpfchen für Tröpfchen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie