Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltraum hat dringend Säuberung nötig

23.01.2006


Schrottteile stellen Gefahr für Satelliten dar


Die Erde ist von Weltraummüll umgeben



Die unermesslichen Weiten des Alls beherbergen auch eine unermessliche Anzahl an Schrott. Kümmert man sich nicht bald um die schwerelose Müllhalde, könnte dies negative Konsequenzen für die Raumfahrt haben. Schätzungsweise 330 Mio. vom Menschen geschaffene Objekte kreisen um die Erde, ohne eine Funktion zu erfüllen. Ein Großteil dieses Weltraummülls sind ausgediente Satelliten bzw. Bauteile, die bei operationellen Vorgängen freigesetzt wurden, Schlacke und Staub von Feststofftriebwerken und Fragmente von Explosionen. Weltraummüllobjekte mit einer Größe von nur einem Millimeter können bereits einen Satelliten beschädigen, ein Objekt von einem Zentimeter Größe setzt im Falle einer Kollision die Energie einer Handgranate frei. "Der meiste Müll befindet sich auf niedrigen Umlaufbahnen in 900 bis 1000 km Höhe", erklärt Carsten Wiedemann vom Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig im Gespräch mit pressetext. "Das ist die Höhe, die vor allem für die Erdbeobachtung genutzt wird."



Mit dem europäischen Projekt "Master", an dem die Forscher der TU Braunschweig mitgearbeitet haben, kann man das Risiko der Kollision von Weltraummüll mit Satelliten berechnen. Dazu haben die Forscher alle Ereignisse, bei denen Weltraummüll entstanden ist, akribisch aufgezeichnet und können so vorhersagen, wo sich der Müll gerade befindet. Die NASA hat nun die Software "Legend" entwickelt, mit der sich die Bewegungen des Weltraumschrotts für die nächsten 200 Jahre vorhersagen lassen. Nach den Berechnungen der US-Forscher wäre die Situation im All bis 2055 stabil, wenn ab sofort keinerlei Objekte mehr in den Weltraum geschickt würden. Doch selbst bei dieser utopischen Annahme sieht die Zeit nach 2055 schlecht aus: Dann kollidiert der Weltraummüll miteinander und setzt dadurch noch weiteren Schrott frei. Im Extremfall könnte dies dazu führen, dass keine Satelliten mehr in diese Umlaufbahn geschickt werden können.

"Wir müssen unbedingt vermeiden, dass noch weiterer Müll im All produziert wird", meint Wiedemann. "Vor allem Explosionen müssen in Zukunft vermieden werden." Zu solchen Explosionen kommt es, wenn sich die Resttreibstoffe eines ausgedienten Satelliten selbst entzünden oder die Batterien platzen, so der Braunschweiger Wissenschaftler. Seit etwa zehn Jahren sei man sich des Problems mit dem Weltraummüll schon bewusst. Konkrete Maßnahmen würden aber nur langsam umgesetzt. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, den Weltraummüll zu verringern. "Ein Satellit lebt im Durchschnitt sieben Jahre", berichtet Wiedemann. "Nach Ablauf dieser Zeit kann man den restlichen Treibstoff dazu nutzen, den Satelliten zu bremsen. Dadurch verlässt er seine Umlaufbahn und verglüht letztendlich beim Eintreten in die Erdatmosphäre." Den Müll zu beseitigen, der jetzt bereits führerlos im All herumschwebt, sei dagegen sehr schwierig und kostspielig. Am 27. Februar will der Amerikaner Nicholas Johnson, der bei der Entwicklung von "Legend" beteiligt war, das Problem Weltraummüll bei den Vereinten Nationen in Wien zur Sprache bringen.

Verena Töpper | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ilr.ing.tu-bs.de

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt Weltraummüll

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn
11.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Stabile Quantenbits
08.12.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit