Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CONDORs erster Blick ins Weltall

22.12.2005


Das APEX (Atacama Pathfinder EXperiment) Teleskop auf 5.100 Meter Höhe in den chilenischen Anden. Hier wurden die ersten Terahertz-Beobachtungen mit CONDOR, dem CO N+ Deuterium Observation Receiver, durchgeführt. APEX ist bisher das einzige Teleskop der 12-Meter-Klasse weltweit, an dem bei solch hohen Radiofrequenzen im Submillimeter-Bereich gemessen werden kann. Bild: Arnaud Belloche


Sternentstehung im südlichen Teil des Orionnebels. Das Spektrum oben rechts zeigt sehr hoch angeregtes Kohlenmonoxidgas bei 1,5 THz, das mit CONDOR aufgenommen wurde. Die Linie ist ein deutlicher Hinweis für heißes Gas in diesem Sternentstehungsgebiet. Das optische Bild vom Hubble Space Telescope im Hintergrund zeigt weiter entwickelte Sterne sowie Staub und Gas. Es lässt aber die Quelle FIR 4 nicht erkennen, die hinter dichtem Staub verborgen ist. Die CONDOR-Beobachtungen erlauben jetzt, diese massereiche Sternentstehungsregion sichtbar zu machen. Bild: ESA/NASA/CONDOR


Neuartiger Hochfrequenzempfänger am APEX-Teleskop in Chile liefert erste Ergebnisse

... mehr zu:
»APEX »CONDOR »Teleskop

CONDOR, ein neuartiger Detektor des Atacama Pathfinder Experiments (APEX) in der chilenischen Wüste, hat im November 2005 heißes Gas in unmittelbarer Umgebung junger, massereicher Sterne bei extrem hohen Radiofrequenzen von 1,5 Terahertz (THz) - also 1,5 Billionen Hertz - nachgewiesen. CONDOR ermöglicht erstmals Beobachtungen in dem bisher nicht zugänglichen Frequenzbereich an einem Teleskop der 12-Meter-Klasse. Die überraschenden Ergebnisse bestätigen die Erwartungen, durch dieses neuartige Fenster noch unbekannte Phänomene im Weltall aufspüren zu können. Am erfolgreichen Einsatz des CONDOR-Empfängers beteiligt sind Mitarbeiter des I. Physikalischen Instituts der Universität zu Köln sowie des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn.

"CONDOR hat unsere Erwartungen voll erfüllt", freut sich Dr. Martina Wiedner, die Leiterin des CONDOR-Projekts (CO N+ Deuterium Observation Receiver). "Wir hatten den Empfänger gut vorbereitet, hatten ein exzellentes Forscherteam auf dem Berg, aber auch ein wenig Glück mit dem Wetter." In ihrer Nachwuchsgruppe an der Universität zu Köln wurde der Empfänger aufgebaut. Da sich die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen - die Frequenzen sind Tausend mal höher als die eines Mobiltelefons und Millionen mal höher als die eines UKW Senders - nur schwer detektieren lassen, nutzt der Empfänger neueste technologische Entwicklungen. Sehr wichtig war dabei der Einsatz der hochempfindlichen "Hot Electron Bolometer"-Mischer, die in der Gruppe von Dr. Karl Jacobs an der Universität zu Köln entwickelt worden waren. Diese Mischer dienen dazu, die hochfrequenten Radiowellen zur Weiterverarbeitung auf Frequenzen von etwa einem Gigahertz herunterzusetzen. Um eine hohe Empfindlichkeit des Empfängers zu erreichen, wird der Empfänger auf Temperaturen von ca. minus 269 Grad Celsius, also nur vier Grad über dem absoluten Nullpunkt heruntergekühlt.


Terahertz-Beobachtungen sind nur möglich an Teleskopstandorten mit außergewöhnlich wenig Wasserdampf in der Erdatmosphäre, denn der Wasserdampf absorbiert die Terahertz-Strahlung. In einer Höhe von 5.100 Meter über dem Meeresspiegel ist APEX das bisher größte Teleskop an einem solchen Ort. APEX besteht aus einem Spiegel mit einem Durchmesser von 12 Metern, der mit einer Genauigkeit von 15 Mikrometern (sieben Mal dünner als ein menschliches Haar!) einer perfekten Parabel gleicht. Dieses Teleskop ist zurzeit mit verschiedenen Radioempfängern zwischen 300 und 900 Gigahertz ausgestattet. CONDOR ist der erste Empfänger am APEX Teleskop, der elektromagnetische Wellen oberhalb der technologisch anspruchsvollen Frequenzgrenze von einem Terahertz nachweisen kann. "Dies sind die höchsten Frequenzen, die wir je von APEX aus werden beobachten können", erklärt der APEX-Projektmanager Dr. Rolf Güsten. "Bei noch höheren Frequenzen blockiert die Erdatmosphäre den Blick in den Weltraum und lässt erst wieder im Infraroten astronomische Beobachtungen zu."

Die neuen Beobachtungen von CONDOR am APEX-Teleskop dringen in das fast unbekannte Universum der Terahertz-Strahlung vor. "So wie man im optischen Licht in verschiedenen Farben verschiedene Dinge sieht und man viel ‚übersehen’ würde, wenn man zum Beispiel nur Blaues erkennen könnte, so bringt auch jede neue ‚Radiofarbe’ neue Erkenntnisse mit sich," erklärt Dr. Martina Wiedner. "Terahertz-Strahlung ist besonders gut geeignet, um heißes Gas in Molekülwolken anhand typischer Strahlung (genauer: hoher Rotationsübergängen) des Kohlenmonoxid-Moleküls (CO) zu beobachten. Da Sterne durch eine Verdichtung von Staub und Gas entstehen, geben die Beobachtungen im Terahertz-Bereich Aufschlüsse über die Bildung von Sternen."

Beim ersten Einsatz des CONDOR-Empfängers wurden CO-Linien bei 1,5 Terahertz nachgewiesen (s. Abb. 2). Das APEX-Teleskop war auf verschiedene Objekte im Orionnebel gerichtet. Überrascht waren die Astronomen über die "Schärfe" der aufgenommenen Linien, denn es wurden wesentliche größere Breiten der Spektrallinien erwartet. Diese Beobachtungen bestätigen die Vermutung, dass das Gas von der ultravioletten (UV) Strahlung des entstehenden Sternes aufgewärmt wird und nicht durch Zusammenstöße von Gas, wie ursprünglich angenommen.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Martina Wiedner (Gruppenleiterin des CONDOR-Projekts)
I. Physikalisches Institut, Universität zu Köln, Köln
Tel.: 0221 470-3484
E-Mail: wiedner@ph1.uni-koeln.de

Dr. Rolf Güsten (APEX Projekt-Manager)
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Tel.: 0228 525-383
E-Mail: rguesten@mpifr-bonn.mpg.de

Prof. Jürgen Stutzki (SFB-Sprecher und Direktor des I. Physikalischen Institutes)
I. Physikalisches Institut, Universität zu Köln, Köln
Tel.: 0221 470-3494
E-Mail: stutzki@ph1.uni-koeln.de

Prof. Karl Menten (APEX Principal Investigator)
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Tel.: 0228 525-297
E-Mail: kmenten@mpifr-bonn.mpg.de

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: APEX CONDOR Teleskop

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie