Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Muschelzellen warten auf Space Mission

10.08.2005


TU-Wissenschaftler bereiten Versuchsreihe für eine Shuttle-Mission vor


TU-Ökotoxikologen um Prof. Peter-Diedrich Hansen sind erleichtert über die sichere Landung des Space-Shuttles. Denn die Berliner Forscher bereiten bereits seit 1998 das TripleLux-B-Experiment vor, das planmäßig bei einer Shuttle-Mission 2007/2008 mit ins All fliegen soll.

TripleLux ist ein Experiment des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der TU München und der TU Berlin, durchgeführt von der Europäischen Weltraumbehörde ESA, bei dem - in Hinblick auf künftige bemannte Langzeit-Raumflüge zu anderen Planeten des Sonnensystems - die Auswirkungen von Schwerelosigkeit und ionisierender Strahlung auf das Immunsystem erforscht werden sollen. Sollte sich zeigen, dass die Körperabwehr diesen Bedingungen nicht gewachsen ist und zusammenbricht, müssten spezielle Medikamente zur Immunstärkung von Astronauten entwickelt werden.


Während das DLR in Köln DNA-Schäden an E. coli Bakterien untersuchen will (Prof. Horneck) und die TU München (Prof. Hock) Makrophagen vom Schaf ins All schicken wird, testen Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen und sein Team im Fachgebiet für Ökotoxikologie der TU Berlin Blut- und Immunzellen von Miesmu-scheln und Austern aus den Küstengewässern vor der Nordseeinsel Sylt auf ihre "Spacetauglichkeit".

Prof. Hansen interessiert die Phagozytose, ein Vorgang der intrazellulären Verdauung, bei dem spezialisierte Immunzellen - beispielsweise Makrophagen - Fremdkörper wie Bakterien oder abgestorbene körpereigene Zellen erkennen, an ihrer Zelloberfläche adsorbieren, dann mit den Pseudopodien umfassen, sich einverleiben und zur Entsorgung in spezielle Hohlräume, die Lysosomen, transportieren. Hier setzen Enzyme den Fremdkörpern solange zu, bis es schließlich nach 80 bis 100 Minuten zum sogenannten Oxidativ burst kommt, und nur noch untoxische Zelltrümmer übrig sind. Der Oxidativ burst kann unter Zusatz verschiedener Reagenzien spektroskopisch anhand eines Lichtblitzes detektiert werden, oder wenn die Fremdpartikeln zuvor mit einem Lumineszenz-Label markiert wurden.

Bei Muscheln und Austern sind es die Hämozyten, die diese sehr effektive Form der körpereigenen "Müllbeseitigung" erledigen. Um sie zu gewinnen, werden lebenden Muscheln winzige Blutmengen abgenommen. In ihrer natürlichen Umgebung reagieren Muscheln auf sich verändernde Umwelteinflüsse sehr rasch mit einer verstärkten Bildung von Hämozyten. Es ist eine Form der "Stressantwort".

Mit dem TU-Experiment soll unter anderem das Wachstum dieser Zellen, ihre Vermehrung und ihre Fähigkeit zur Phagozytose untersucht werden.

Alle drei TripleLux-Experimente werden im kühlschrankgroßen Biolab der ESA neben diversen Messgeräten, Pipettierautomaten, Kühl- und Heizvorrichtungen und sonstigen Laboreinrichtungen ihren Platz finden. Die TU Berlin hat für ihren Part bei der NASA bereits sechs "Astronautenarbeitsstunden" fest gebucht. Für die Versuche im All wurden umfangreiche Experiment Definitions erstellt, hochkomplexe schematische Versuchsanweisungen für die immunologischen Arbeiten an Bord. Damit im entscheidenden Moment jeder Handgriff sitzt, müssen die Astronauten die Experimente - wie alle anderen wissenschaftlichen Arbeiten im Shuttle - zuvor an einem zweiten Biolab auf der Erde stoisch einüben.

Derzeit wird an der TU Berlin die Robustheit des Testsystems untersucht. Dabei werden neben ausführlichen Tests der Messgeräte vor allem die Biokompatibilität der Muschelzellen mit weltraumtauglichen Teflongefäßen und das Adsorptionsverhalten der Zellen auf deren Oberfläche untersucht. Die nächsten Schritte sind TripleLux-B-Experimente unter Zentrifugalkraft bei der ESA, sowie Versuche unter kurzzeitiger Schwerelosigkeit während eines Parabelflugs (von Köln oder Bordeaux aus) im Frühjahr 2006.

Wenn alles gut geht, werden Muschel- und Austernzellen dann ein Jahr später ins All starten. Prof. Hansen hofft seine schuhkartongroße Experimentierbox dann unversehrt zurückzuerhalten, denn in Berlin will man die weitgereisten Zellen gründlich nachuntersuchen, um eventuelle Veränderungen an Membranen oder Zelldeformationen festzustellen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen, Institut für Ökologie der TU Berlin, Fachgebiet Ökotoxikologie Tel: 030-314 21 463, Fax: 030-31421675, Email: pd.hansen@tu-berlin.de

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de
http://www.tu-berlin.de/~oekotox

Weitere Berichte zu: ESA Luft- und Raumfahrt Muschelzellen Peter-Diedrich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Seltene Erden: Wasserabweisend erst durch Altern
22.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie