Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was macht das Gold im Glas?

12.10.2000


In der Ausgabe vom 12. Oktober 2000 der Zeitschrift "Nature" klären Prof. Friedrich E. Wagner und Dipl.-Phys. Siegfried Haslbeck, Physik-Department E15 der TUM in Garching, zusammen mit Forschern aus Venedig und London sowie der F. X. Nachtmann Bleikristallwerke, den "Chemical state of gold in gold-rubyglass" mittels der Mößbauerspektroskopie auf.

Rote Gläser können heute durch eine Reihe verschiedener Färbungsmethoden hergestellt werden, eine häufig verwendete Methode ist die Rotfärbung durch Gold. Wegen seines rubinroten Farbtones wird dieses Glas Goldrubinglas genannt. Da seine Herstellung verhältnismäßig kompliziert, teuer und aufwändig ist, wird es heute fast ausschließlich für anspruchsvolle Pokale, Schalen und Karaffen in Überfangtechnik verwendet.

Die rote Farbe des Goldrubinglases wird durch kleine metallische Goldteilchen hervorgerufen. Bereits mit einem sehr geringen Goldgehalt von nur 0.01 bis 0.02 Gewichtsprozent erhält man eine intensiv rote Färbung. Die kolloidalen Goldteilchen sind jedoch unmittelbar nach dem Schmelzen des Glases bei etwa 1400 Grad Celsius und anschließendem schnellem Abkühlen noch nicht vorhanden. Das Glas ist dann noch farblos. Erst nach einer Wärmebehandlung bei etwa 600 Grad Celsius entstehen die kolloidalen Goldteilchen und damit die rote Farbe des Goldrubinglases.

Dass die Färbung durch metallische Goldteilchen mit Durchmessern von einigen millionstel Millimetern hervorgerufen wird, ist lange bekannt und recht gut verstanden. Die Frage, in welcher Form das Gold in dem zunächst nach dem schnellen Abkühlen noch farblosen Glas vorliegt, war jedoch lange ungeklärt. In der Ausgabe vom 12. Oktober 2000 der Zeitschrift "Nature" klären Prof. Friedrich E. Wagner und Dipl.-Phys. Siegfried Haslbeck, Physik-Department E15 der TUM in Garching, zusammen mit Forschern aus Venedig und London sowie der F. X. Nachtmann Bleikristallwerke, den "Chemical state of gold in gold-ruby glass" mittels der Mößbauerspektroskopie auf.

Die Mößbauerspektroskopie verwendet Gammastrahlung, die von geeigneten radioaktiven Isotopen emittiert wird, zur Untersuchung der Eigenschaften von Festkörpern. Die Absorption der Strahlung in Atomkernen der untersuchten Elemente führt infolge von kleinen, aber mit der sehr empfindlichen Mößbauermethode messbaren Wechselwirkungen zwischen den Atomkernen und deren Umgebung in Festkörpern zu Spektren, die typisch für den chemischen Zustand der betreffenden Atome sind. So kann gezeigt werden, dass das Gold im noch ungefärbten Goldrubinglas in Form einwertiger Ionen vorliegt, die mit zwei Sauerstoffatomen der Glasmatrix Bindungen eingehen und eine Art Hantel aus einem zentralen Goldatom und zwei Sauerstoffnachbarn bilden.

Kontakt:
Prof. Friedrich E. Wagner


Physik-Department E 15
Technische Universität München
Tel. 089-289-12507, E-Mail: fwagner@ph.tum.de

Dieter Heinrichsen M.A. | idw

Weitere Berichte zu: Goldrubinglas Mößbauerspektroskopie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Lasing am Limit
15.02.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Forschung für die LED-Tapete der Zukunft
15.02.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Unternehmenssteuerung und Controlling im digitalen Zeitalter

19.02.2018 | Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit wenigen Klicks zum Edge Datacenter

19.02.2018 | Informationstechnologie

IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung

19.02.2018 | Wirtschaft Finanzen

Unternehmenssteuerung und Controlling im digitalen Zeitalter

19.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics