Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstes deutsches Experiment auf der Internationalen Raumstation

23.02.2001


Bulmahn: "Es gilt, die ISS von Beginn an sinnvoll zu nutzen"

Für den kommenden Montag ist der Start des russischen Transporters PROGRESS vom Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation (ISS) geplant. Mit an Bord wird die Ausrüstung für das erste deutsche und zugleich erste europäische wissenschaftliche Experiment, dem PlasmakristallExperiment (PKE), sein.

"Deutschland ist bereits heute mit Forschung auf der Internationalen Raumstation präsent, auch wenn Europa erst in 2004 mit Columbus sein eigenes Forschungslabor auf der ISS bekommt", erklärte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, anlässlich des Starts. "Mit diesen Grundlagen verbessern wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf vielen wichtigen Zukunftsmärkten. Das ist die richtige Investition für die Arbeitsplätze von morgen." Die Kosten für dieses Experiment belaufen sich auf rund 8 Millionen Mark.

Ziel des Experiments ist es, neue Erkenntnisse in der Materialforschung zu gewinnen, die z. B. Einsatz in umweltschonender Solartechnik finden. So können heute verwendete Solarzellen nur einen kleinen Teil des Lichts in Strom umwandeln. Angesichts der durchschnittlichen Sonneneinstrahlung in unseren Breiten brauchen wir noch wesentliche technologische Durchbrüche, auf deren Grundlage wir künftig mit dieser sauberen Energiequelle einen entscheidenden Beitrag zu unserer Energieversorgung leisten können. Eine dieser wesentlichen Voraussetzungen ist die genaue Kenntnis darüber, wie die Atome in Solarzellen ideal angeordnet werden können. Bei diesem "Stell-Dich-ein" der Atome stößt die Industrie bisher auf grundsätzliche Probleme, weil in einem Experiment auf der Erde nie eindeutig unterschieden werden kann, wie sich die Atome selbst verhalten und welchen Anteil die Schwerkraft hat. Dieses Wissen über das Verhalten der Atome und Moleküle kann nicht nur bei der Herstellung neuartiger Solarzellen genutzt werden, sondern beispielsweise auch für brillantere Bilder durch bessere Farbpigmente für die Drucker der Zeitungen und zu Hause.

"In einigen Jahren werden wir diese neuen Produkte mit Selbstverständnis nutzen, ohne zu wissen, dass die Grundlagen dafür nur durch Experimente auf der Raumstation geschaffen wurden," erklärte Bulmahn.

Das wissenschaftlich exzellente Experiment zur Plasmaphysik wurde in internationaler Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching und der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau vorbereitet. Die erste Experimentserie soll noch von der ersten Besatzung der Raumstation vor ihrer Rückkehr zur Erde im März durchgeführt werden.

Plasmakristall-Experimente unter Schwerelosigkeit eröffnen völlig neue Perspektiven, da die interessanten dreidimensionalen Strukturen in Plasmen sich unter normaler Schwerkraft nicht bilden können.

Deutsche Forschung international führend
Seit der Entdeckung geordneter Strukturen so genannter Plasmakristalle, im Jahre 1994 ist der Umfang der Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet international sprunghaft angestiegen. Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in dieser Forschungsrichtung weltweit eine Spitzenposition inne und verfügen als einzige bereits über Experiment-Erfahrung unter Schwerelosigkeit. Die ISS bietet jetzt der Plasmaphysik deutlich mehr Versuchs-Ressourcen, die zukünftig stärker ausgeweitet werden sollen. Nach Abschluss der ersten Experimente mit der Plasmakristall-Anlage ist auf Anregung deutscher Wissenschaftler der Bau eines eigenen modularen Plasma-Labors auf der ISS geplant. Es soll über mehrere Jahre betrieben werden und neben der Grundlagenforschung genügend Raum für anwendungsorientierte Fragestellungen bieten.

... mehr zu:
»ISS »Plasmaphysik »Solarzelle

Erste Bilder und weitere Informationen erhalten Sie im Internet beim Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching unter
http://www.mpe.mpg.de/pke

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Iris Marzian | idw

Weitere Berichte zu: ISS Plasmaphysik Solarzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik
21.09.2017 | Forschungszentrum MATHEON ECMath

nachricht Der stotternde Motor im Weltall
21.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften