Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kann man Elektronen "festnageln"?

19.05.2008
Experimente Frankfurter Physiker beenden einen Jahrzehnte währenden Disput mit einer Antwort, die alle zufrieden stellt

Wenn Atome sich zu Molekülen verbinden, teilen sie sich ihre äußeren Elektronen. Diese bilden eine negative Ladungswolke, in der die Elektronen zwischen beiden positiv geladenen Kernen hin und her flitzen, so dass man nicht mehr sagen kann, zu welchem Kern sie gehören.

Sie sind delokalisiert. Aber gilt das auch für die näher am Kern liegenden Elektronen? Sind sie auch im Molekül verschmiert oder gehören sie weiterhin zu einem der Atomkerne, sind also lokalisierbar? Diese seit über 50 Jahren umstrittene Frage, die schon fast einem Glaubenskrieg in der Wissenschaftsgemeinde glich, ist jetzt von einem internationalen Forscherteam unter Leitung Frankfurter Atomphysiker gelöst worden.

Die Antwort ist versöhnlich: Wie so oft in der Quantentheorie ist ein "sowohl als auch" richtig.

... mehr zu:
»Elektron »Molekül

Zur Beantwortung dieser Frage wurde Stickstoffmolekülen (N2) das innerste, nahe am Kern gelegene Elektron entfernt. Dies geschah mit hochenergetischem Licht aus der Synchrotronstrahlungsquelle an der Advanced Light Source des Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley, Kalifornien. Bei diesen Photo-Elektronen liegt die Vermutung nahe, dass sie einem bestimmten Kern zugeordnet und damit lokalisiert werden können. Sie hinterlassen ein Loch in der inneren Kernschale, welches von einem äußeren Elektron aufgefüllt wird.

Unter anderem wird dabei ein zweites Elektron (Auger-Elektron) mit hoher Geschwindigkeit aus dem Molekül katapultiert. Das Auger-Elektron ist quasi eine Sonde, die nachmisst, wo das anfängliche Loch entstand. Beide Elektronen - das Photo- und das Augerelektron - bilden einen verschränkten Zustand, was bedeutet, dass sobald man das eine gemessen hat, man direkt sagen kann, was mit dem zweiten passiert. Diese von Einstein als "spukhafte Fernwirkung" abgelehnte Vorhersage der Quantentheorie hat man inzwischen mit Zwillingsphotonen nachweisen können.

Der Gruppe um Prof. Reinhard Dörner ist es nun mithilfe der in Frankfurt entwickelten COLTRIMS-Technologie erstmals gelungen, solche verschränkten Zustände auch bei Elektronen nachzuweisen. Ihre Apparatur macht die Wege beider entstehenden Teilchen sichtbar. Wie die Physiker in der aktuellen Ausgabe der angesehen Zeitschrift "Science" berichten, lässt sich die Frage, ob Elektronen lokalisiert sind oder nicht, nur für das gesamte System beantworten. Ist das innerste Elektron lokalisiert, so lässt sich auch das zweite Elektron einem der beiden Atomkerne im Molekül zuordnen. Es gibt aber auch Fälle, in denen man nicht weiß, ob das erste Elektron vom linken oder rechten Atom stammt. Dann ist auch das zweite Elektron delokalisiert.

Mit den Details, die hinter diesen Experimenten stecken, lassen sich die Beobachtungen der vergangenen 50 Jahre mit einem einheitlichen Modell erklären und verstehen, sodass beide Fraktionen - die des lokalisierten und delokalisierten Bildes - wieder versöhnt werden können. Für Dr. Markus Schöffler, der für die Messungen verantwortlich war, ergeben sich daraus spannende Perspektiven: Er wird an den Fragestellungen, die sich aus seiner Arbeit ergeben, künftig im Rahmen eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung in Berkeley weiterforschen.

Informationen:
Prof. Reinhard Dörner, Tel: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de,
Dr. Markus Schöffler, Tel.: (069) 798-47004, schoeffler@atom.uni-frankfurt.de, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg.

Stephan M. Hübner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Elektron Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung
28.06.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive