Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Barnards Galaxie: Klein, aber oho

14.10.2009
ESO Bildveröffentlichung 38/09: Ein jetzt von der ESO veröffentlichtes Bild zeigt einen unserer nächsten galaktischen Nachbarn, Barnards Galaxie, unter Astronomen auch bekannt unter ihrer Katalognummer NGC 6822.

Die Galaxie weist einige interessante Sternentstehungsgebiete und sehenswerte Nebel auf, etwa die blasenartige Struktur in der oberen linken Ecke dieses Übersichtsbildes.


Barnards Galaxie
Bildnachweis: ESO

NGC 6822 gehört aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form und ihrer geringen Größe zur Klasse der irregulären Zwerggalaxien. Die unregelmäßigen Formen solcher Galaxien geben Aufschluss darüber, wie Galaxien miteinander in Wechselwirkung treten, sich weiterentwickeln, und mitunter auch dem Kannibalismus verfallen.

Das neue ESO-Bild zeigt Barnards Galaxie hinter einem Schleier von Vordergrundsternen. Die Galaxie steht von der Erde aus gesehen im Sternbild Schütze. Sie ist uns vergleichbar nahe - nur 1,6 Millionen Lichtjahre entfernt - und damit ein Mitglied der Lokalen Gruppe von Galaxien, zu der auch unsere Milchstraße gehört. Benannt ist NGC 6822 nach ihrem Entdecker, dem US-amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard, der die im sichtbaren Licht eher unscheinbare Galaxie im Jahre 1884 mit einem Linsenteleskop mit 12,5 Zentimeter Öffnung entdeckte.

Die nun veröffentlichte aktuelle Portraitaufnahme der Galaxie wurde mit dem Wide Field Imager (WFI) angefertigt, einer astronomischen Kamera mit besonders großem Blickfeld, die am 2,2-Meter MPG/ESO-Teleskop am ESO-Observatorium La Silla in Nordchile montiert ist. Mag Barnards Galaxie auch nicht die majestätischen Spiralarme oder die leuchtende zentrale Verdickung ihrer größeren Vettern - der Milchstraße, der Andromedagalaxie und dem Dreiecksnebel - aufweisen: Bei genauem Hinsehen bietet diese Zwerggalaxie eine Reihe ganz eigener spektakulärer Leuchteffekte. Dazu gehören die in diesem Bild sichtbaren rötlichen Gebiete, in denen sich neue Sterne bilden. Vergleichsweise junge, heiße Sterne in diesen Regionen erhitzen das umgebende Gas und regen es so zum Leuchten an. Im Bild oben rechts präsentiert sich ein weiteres interessantes Objekt: ein blasenartiger Nebel, der eine Gruppe massereicher Sterne enthält, die beachtliche Mengen an Materie auswerfen. Wo diese Materie auf das umgebende interstellare Medium trifft, kommt es zu Leuchtphänomenen, die aus unserem Blickwinkel wie ein leuchtender Ring erscheinen. Ähnliche heiße Materieauswürfe junger Sterne finden sich noch an vielen anderen Stellen der Galaxie.

Barnards Galaxie ist in der Tat ein Zwerg - nur rund ein Zehntel so groß wie die Milchstraße, mit einer Gesamtzahl von nur rund 10 Millionen Sternen (im Vergleich mit schätzungsweise 400 Milliarden Sternen der Milchstraße). Solche Zwerggalaxien sind in unserer Lokalen Gruppe - und im übrigen Universum - deutlich häufiger als ihre größeren, regelmäßiger geformten Vettern.

Die unregelmäßige Form von irregulären Zwerggalaxien wie Barnards Galaxie entsteht bei Beinahe-Zusammenstößen mit anderen Galaxien, oder im Zuge von "Verdauungsprozessen". Galaxien sind in ständiger Bewegung, und dabei kann es zu Beinahe-Zusammenstößen oder sogar zur Durchdringung zweier Galaxien kommen. Die Sternendichte in Galaxien ist vergleichsweise gering, so dass es während solcher Begegnungen nur äußerst selten zu Sternzusammenstößen kommt. Allerdings bewirkt die Schwereanziehung weitreichende Verformungen der Galaxien, die dort zusammenstoßen oder nahe aneinander vorbeifliegen. Dabei können ganze Sternengruppen aus ihrer Heimatgalaxie herausgerissen oder -geschleudert werden, die dann als irregulär geformte Zwerggalaxien wie NGC 6822 durch das All treiben.

Hintergrundinformationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Dr. Markus Pössel | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpia.de
http://www.eso.org/public/outreach/press-rel/pr-embargo/pr-38-09.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert
09.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Elektronenautobahn im Kristall
09.12.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie