Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Strahlen, sichere Diagnose: Bei Verdacht auf Nierensteine ist Ultraschall Methode der Wahl

24.11.2014

Nierensteine gehören zu den häufigsten Nierenerkrankungen: Bei etwa einem von 20 Erwachsenen bilden sich aus Stoffen im Urin Kristalle in den Nieren, im Nierenbecken oder in den Harnwegen. Dort können sie starke Schmerzen, so genannte Nierenkoliken, verursachen.

Wie eine Studie aus den USA nun belegt, sollten Patienten mit Verdacht auf Nierensteine als erstes mit Ultraschall und nicht – wie häufig üblich – mittels Computertomographie (CT) untersucht werden. Dies reduziere die Strahlenbelastung für die Patienten und liefere vielfach ein sicheres Ergebnis, betont die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Kommt ein Patient mit stechenden Flankenschmerzen in die Notaufnahme, veranlassen Ärzte häufig eine Computertomographie. Denn das CT-Bild macht selbst kleinste Nierensteine sichtbar. Doch eine großangelegte multizentrische Studie von Wissenschaftlern aus den USA legt nahe, dass Ärzte Patienten grundsätzlich zuerst mittels Ultraschall untersuchen sollten, wenn sie bei ihnen Nierensteine vermuten. Denn die Technik hat mehrere Vorteile: Sie ist schnell, bettseitig verfügbar und kommt ohne Röntgenstrahlung aus.

„Erfahrene Ärzte können die Ursachen starker Schmerzen im Bauchraum meist mit Ultraschall abklären“, erklärt DEGUM-Präsident Professor Dr. med. Dirk Becker, der Chefarzt in einem Versorgungskrankenhaus ist, in dem Patienten mit derartigen Beschwerden sehr häufig aufgenommen werden.

Selbst wenn bei unklaren Ergebnissen anschließend eine Computertomografie veranlasst werden müsse, ließe sich die Strahlenbelastung für die Gesamtheit der Patienten erheblich reduzieren, erörtert Becker das Fazit der Studie, die jüngst im „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Zudem ließen sich Kosten einsparen.

Die Wissenschaftler der Universität von Kalifornien hatten die Daten von insgesamt 2 759 Patienten ausgewertet, die sich mit Nierenkolik-artigen Schmerzen in der Notaufnahme vorgestellt hatten. Während die Ärzte bei einem Teil der Patienten direkt eine CT veranlassten, untersuchten sie die anderen mittels Ultraschall und nur bei Bedarf zusätzlich mit einer CT.

„Die Diagnose konnte hierbei mit sehr hoher Sicherheit gestellt werden“, erläutert Becker. Es blieben aber immer noch Patienten, bei denen der Ultraschall alleine nicht zu Diagnosestellung ausreiche, dann sei eine CT-Untersuchung unumgänglich.

Unabhängig von der Diagnosetechnik haben Patienten, bei denen sich der Verdacht auf Nierensteine bestätigt, verschiedene Möglichkeiten. „Bei kleineren Steinen stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie von alleine ausgespült werden“, erklärt Becker.

Dies könne der Patient durch viel Trinken und viel Bewegung unterstützen. Zudem erhalten die Patienten schmerzlindernde Mittel und zusätzlich Medikamente, die krampflösend auf die ableitenden Harnwege wirken. Sind die Steine größer oder verursachen sie anhaltend Schmerzen oder Komplikationen wie Entzündungen oder einen anhaltenden Harnaufstau, müssen sie aktiv beseitigt werden.

Möglich ist dies entweder durch einen endoskopischen Eingriff oder – auch in Kombination mit einem solchen – durch eine Stoßwellentherapie. Diese Behandlungen sollten durch einen erfahrenen Urologen vorgenommen werden. Ihr Erfolg lässt sich ebenfalls durch eine Ultraschalluntersuchung kontrollieren.

Auf jeden Fall sollten Patienten mit ihrem Arzt besprechen, wie sie verhindern können, dass sich neue Steine bilden. „Häufig kann eine Umstellung der Ernährungs- und Trinkgewohnheiten die Nieren hiervor schützen“, sagt Becker. Ärzte sollten aber auch an Stoffwechselkrankheiten denken, die als Ursache in Frage kommen.

Literatur:
Ultrasonography versus computed tomography for suspected nephrolithiasis
Smith-Bindman et al.; N Engl J Med. 2014 Sep 18;371(12):1100-10.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.degum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neuer Ansatz zur Behandlung von Mitralklappen-Erkrankungen: Erste Patientendaten
22.08.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

UDE / UK: Verbundprojekt zur Bekämpfung Ras-abhängiger Tumore

22.08.2017 | Förderungen Preise

Förderung IMS CHIPS mit 3 Millionen Euro für die Umstellung auf 8-Zoll-Wafertechnologie

22.08.2017 | Förderungen Preise