Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumoren als Ganzes entfernen: Neue endoskopische Operation verhindert Rückfälle bei Magenkrebs

03.08.2011
Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 15 000 Menschen an Magenkrebs. Je eher ein Tumor in der Magenwand erkannt und entfernt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung.

Mit der sogenannten „Endoskopischen Submukosadissektion“ (ESD) operieren Mediziner jetzt auch großflächigere Magentumoren im Frühstadium in einem Stück. Dies senkt das Risiko einer Wiedererkrankung. Zudem lässt der komplett entnommene Tumor genauere Rückschlüsse über weitere Risiken zu.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt daher, die neue minimalinvasive Technik in Deutschland zu etablieren. Über Chancen und Risiken der ESD sprechen Experten im Rahmen der Fachtagung Viszeralmedizin vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig.

Eine ESD erfolgt wie eine Magenspiegelung mithilfe eines flexiblen Endoskops über den Mund des Patienten. Über dieses Endoskop und mithilfe verschiedener Instrumente unterspült der Arzt mit Kochsalzlösung im Bereich des Tumors die Magenschleimhaut – die Mucosa. Dadurch hebt sich diese von den unterliegenden Gewebsschichten ab. Anschließend umschneidet er großflächig den erkrankten Bereich und durchtrennt das Bindegewebe unter der Magenschleimhaut, die Submucosa. „Wenn die Entfernung des Tumors „en bloc“ mit anderen endoskopischen Verfahren nicht möglich ist, ist die ESD das Mittel der Wahl“, sagt Privatdozent Dr. med. Siegbert Faiss, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS im Vorfeld der „Viszeralmedizin 2011“. Faiss ist Chefarzt der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie an der Asklepios Klinik Hamburg Barmbek.

Während die Technik in Japan bereits etabliert ist, entfernen Ärzte in Deutschland frühe Magenkrebsgeschwüre meist noch mithilfe der Endoskopischen Mukosaresektion (EMR). Sie entfernen dabei die erkrankte Schleimhaut mit einer Drahtschlinge. Diese Methode ist zwar einfacher und weniger zeitaufwendig. Sie hat jedoch den Nachteil, dass der Operateur größere Geschwüre stückweise abtragen muss. Dies erschwert eine anschließende Beurteilung unter dem Mikroskop und damit eine exakte Risikoabschätzung. Zudem bergen im Körper verbleibende Krebszellen die Gefahr, dass sich daraus erneut Tumoren entwickeln.

In einer Studie mit mehr als 90 Patienten haben Wissenschaftler am Klinikum Augsburg bereits Erfahrungen mit dem neuen Verfahren gesammelt: „Bei den Patienten, die wir mit der ESD behandelt haben, kam es deutlich seltener zu Rückfällen“, berichtet Professor Dr. med. Helmut Messmann, Direktor der III. Medizinischen Klinik. Allerdings sei die Methode technisch auch sehr anspruchsvoll und erfordere viel Übung. „Die ESD sollte ausschließlich an speziellen Zentren mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden“, betont der Experte.

Obwohl Magenkrebs in den letzten Jahrzehnten seltener vorkommt, zählt die Erkrankung nach wie vor zu den häufigsten Krebsarten. Im fortgeschrittenen Stadium liegt die Sterberate bei etwa 70 Prozent. Ursache für mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Als Risikofaktoren gelten vor allem der übermäßige Verzehr von Fleisch, geräucherten und gegrillten Lebensmitteln und der Konsum von Alkohol und Zigaretten. Frisches Obst und Gemüse hingegen scheinen der Entstehung entgegenzuwirken.

Auf der „Viszeralmedizin 2011“ vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig erörtern Experten, welche Faktoren Magenkrebs begünstigen und erörtern neueste Methoden der Diagnostik und Therapie dieser und weiterer Krebserkrankungen des Verdauungstraktes.

Terminhinweise:

Donnerstag 15. September 2011

8.30 bis 10.00 Uhr: Frühkarzinome im oberen Gastrointestinaltrakt
(Prof. Messmann, Prof. Hölscher/Sektion Endoskopie der DGVS)
12.30 bis 13.30 Uhr: Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2011
15.00 bis 16.30 Uhr: Therapie von Frühstadien gastrointestinaler Tumoren
(Prof. Lorenz, Prof. Neuhaus)
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Viszeralmedizin 2011
Anna Voormann
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
schoner@medizinkommunikation.org

Anna Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgvs.de
http://www.viszeralmedizin.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fraunhofer IGB wirkt bei Gestaltung des europäischen Fahrplans für Organ-on-a-Chip-Technologie mit
14.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Entwicklung modernster Navigationssysteme für die Gefäßchirurgie
06.11.2017 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung