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Schrittmacher gegen Bluthochdruck

16.04.2014

Neues Therapieverfahren zur effizienten Senkung von Bluthochdruck ohne Medikamente: UMG versorgt über 50 Patienten mit „Bluthochdruckschrittmacher“.

In Deutschland haben rund 30 Millionen Menschen Bluthochdruck. Bei jedem dritten Patient kann der Blutdruck trotz mehrerer Medikamente nicht ausreichend gesenkt werden. Das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine dialysepflichtige Nierenschwäche ist erhöht, wenn der Blutdruck nicht richtig eingestellt ist.


Priv.-Doz. Dr. Rolf Wachter (Klinik für Kardiologie und Pneumologie), Dr. Dieter Zenker (Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie), Prof. Dr. Michael Koziolek und Dr. Manuel Wallbach (beide Klinik für Nephrologie und Rheumatologie). Foto: umg

Patienten, bei denen sich der Blutdruck nicht allein durch Medikamente senken lässt, profitieren an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) seit mehr als drei Jahren von einem speziellen Verfahren: der Barorezeptorstimulation. Mit dem neuen Verfahren wird nicht nur der Blutdruck gesenkt. Auch Organ- und Gefäßschäden werden gemildert und der Verlust der Nierenfunktion wird verlangsamt.

Die Universitätsmedizin Göttingen ist in der Anwendung des neuen Verfahrens bei Patienten weltweit führend. Gemeinsam haben die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie (Direktor: Prof. Dr. Gerhard A. Müller), Klinik für Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) sowie die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dipl.-Phys. Friedrich Schöndube) bereits mehr als 50 Patienten mit einem „Bluthochdruckschrittmacher“ versorgt. In Deutschland wird diese Operation an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.

DAS VERFAHREN

Für die Barorezeptorstimulationstherapie bekommen die betroffenen Patienten einen „Bluthochdruckschrittmacher“ eingesetzt. Der Schrittmacher wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter dem Schlüsselbein platziert. Das Gerät sendet elektrische Signale an die Nervenzellen der Halsschlagader, die so genannten Barorezeptoren. Barorezeptoren sind körpereigene Blutdruckregler. Sie senden Signale an das Gehirn, die Blutdruck und Herzfrequenz normalisieren. Das Verfahren ersetzt nicht die Einnahme von Medikamenten. Es ergänzt sie und hilft dabei, den Blutdruck richtig einzustellen, um auch Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die neue Behandlung.

„Die Implantation dauert in der Regel etwa eine Stunde und der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt oft nur wenige Tage. Bereits während der Operation können wir durch Anschalten des Schrittmachers testen, ob sich der Blutdruck senkt”, sagt Dr. Dieter Zenker, Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der UMG.

„Der große Vorteil dieser Therapie ist, dass wir die körpereigenen Regelkreisläufe nutzen und so keine Nervenbahnen zerstört werden. Durch unterschiedliche Programmierungen des Schrittmachers können wir die Therapie optimal an die Patienten und ihren Tagesablauf anpassen. Stärke, Frequenz und Dauer der Impulse sind stufenlos und unabhängig voneinander einstellbar. Bei Bedarf können sie auch ganz ausgeschaltet werden. Viele Patienten können nach dem Einsatz des Schrittmachers die Anzahl oder die Dosis ihrer Medikamente sogar reduzieren”, sagt Priv.-Doz. Dr. Rolf Wachter, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG.

Das Verfahren ist für Patienten geeignet, die mindestens drei verschiedene Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen und deren Blutdruck sich dadurch nicht einstellen lässt. „In der Auswertung unser behandelten Patienten konnten wir zeigen, dass sich neben einer sehr guten Blutdruckabsenkung die bereits vorhandenen Gefäß- und Nierenschäden durch die Therapie in Teilen zurückbilden“, sagt der Bluthochdruckspezialist Prof. Dr. Michael Koziolek, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG.

Bluthochdruck 

Bluthochdruck ist der Haupt-Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die häufigste Todesursache in Deutschland. Die Folgen eines länger bestehenden Bluthochdrucks sind Arterienverkalkung mit den entsprechenden Komplikationen wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen und andere Gefäßschäden.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Nephrologie und Rheumatologie
Prof. Dr. Michael Koziolek, Telefon 0551 / 39-8508
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
mkoziolek@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_20434.asp

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