Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PET/MRT ermöglicht bei Kindern sichere Diagnostik

25.02.2013
Leipziger Kinderradiologen und Nuklearmediziner belegen erstmals Aussagekraft des neuen Verfahrens

Eine Diagnose per PET/MRT ist bei krebskranken Kindern nicht nur schonender, sondern ebenso aussagekräftig wie die bisherigen Verfahren. Leipziger Unimediziner beschreiben weltweit erstmals das Verfahren für den Einsatz der neuen Methode in der Kinderradiologie. Das Ergebnis: Bei einer um 80 Prozent niedrigeren Strahlenexposition können hochpräzise Diagnosen bei komplizierten Tumorerkrankungen gestellt werden.

Wird bei einem Patienten ein streuender und damit besonders gefährlicher Tumor vermutet, kommt in der Diagnostik in der Regel die Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit dem Computertomographen (PET/CT) zum Einsatz. Dieses Verfahren zeigt mit großer Genauigkeit mögliche Tumorherde im gesamten Körper und misst ihre Stoffwechselaktivität. Gleichzeitig wird bei dieser Methode der Patient jedoch auch einer Strahlenexposition ausgesetzt. „Bei Kindern versuchen wir daher, auf die Computertomographie zu verzichten“, erklärt Prof. Franz Wolfgang Hirsch, Leiter der Abteilung für Kinderradiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Das kindliche Gewebe reagiere sensibler auf die Strahlung als das von Erwachsenen. „Dieses Risiko möchten wir vermeiden“, so Hirsch, „gleichzeitig brauchen wir gerade bei schwer krebskranken Kindern aber vergleichbar aussagekräftige und verlässliche Bilddaten für die Diagnose und Therapieplanung.“

Eine Lösung bietet der Einsatz des neuen PET/MRT- Systems. Solche Geräte, mit denen PET und MRT simultan stattfinden können, sind deutschlandweit bisher an sieben Standorten verfügbar. In Leipzig konnte das von der DFG geförderte System im September 2011 nach erfolgreichem Antrag durch das hiesige PER/MRT Konsortium, dessen Sprecher der Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Prof. Dr. med. Osama Sabri ist, in Betrieb genommen werden.

Die Leipziger Unimediziner prüften das neue Verfahren über ein Jahr bei krebskranken Kindern. Die dabei erstmals gewonnenen Erkenntnisse wurden jetzt aktuell in der Fachzeitschrift „Pediatric Radiology“ veröffentlicht.

„Unsere Erfahrungen belegen, dass das schonendere Verfahren gleichzeitig hochpräzise und damit sehr gut geeignet für unsere Diagnosestellungen ist“, so Prof. Hirsch. Der Kinderradiologe hat gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Nuklearmedizin auch festgestellt, dass die zunächst geplante sehr lange Untersuchungsdauer in dem Ganzkörper-Gerät deutlich verkürzt werden kann. „Statt der ursprünglich angenommenen anderthalb Stunden reichen bereits 30 bis 45 Minuten, was für die kleinen Patienten auch deshalb deutlich angenehmer ist, da beide bildgebende Verfahren (PET und MRT) gleichzeitig stattfinden und ein umfassender Befund mit einer einzigen Untersuchung erhoben werden kann. Dies bedeutet neben der Vermeidung von Strahlenexposition auch eine erhebliche Entlastung für unsere kleinen Patienten“.

Getestet wurde das neue Verfahren am UKL vor allem bei Kindern mit seltenen und streuenden Tumoren wie bei Knochenkrebserkrankungen, Neuroblastomen oder Lymphdrüsenkrebs. Bei diesen Erkrankungen ist es wichtig, alle Krebsherde im ganzen Körper zu erkennen. Die kombinierten Bilddaten des Ganzkörper-PET/MRT liefern den Ärzten sowohl die Informationen, wo sich die Tumoren befinden, als auch über das Ausbreitungsmuster und die Stoffwechselaktivität der Tumoren. „Anhand dieser Daten können wir die sehr individuelle Therapie für unsere kleinen Patienten planen und entsprechend auch die Wirksamkeit kontrollieren“, beschreibt die Nuklearmedizinerin Prof. Regine Kluge.

„Dass wir nun dabei im Vergleich zur PET/CT problemlos auf den größten Teil der Strahlenexposition verzichten können, ist eine wichtige Erkenntnis und ein sehr großer Vorteil des PET/MRT. Die Zukunft wird zeigen, ob und inwieweit sich die PET/MRT bei Tumoren im Kindesalter zu einer Routine-Bildgebungsmethode entwickeln wird.“

Kontakt:
Prof. Dr. Franz Wolfgang Hirsch
Leiter der Abteilung Kinderradiologie, Universitätsklinikum Leipzig
Tel. 0341- 97 26450
E-Mail: w.hirsch@medizin.uni-leipzig.de
Prof. Dr. Regine Kluge
Stellv. Direktorin der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
Tel. 0341- 97 18031
E-Mail: regine.kluge@medizin.uni-leipzig.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Bypass – Lebensbrücke für das Herz; keine Angst vor der Herz-Operation
21.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

nachricht Positron trifft Kernspin
19.09.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften