Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016

Ab sofort können die Bewegungen von Schlaganfallpatienten während ihres normalen Alltagslebens genau erfasst und analysiert werden. Möglich wird dies durch das neue System „INTERACTION“, das Bart Klaassen von der University of Enschede gemeinsam mit einem internationalen Team von Ingenieuren und Pflegeexperten entwickelte. Dabei ist ein neuer Anzug mit 41 Sensoren und der technischen Infrastruktur ausgestattet, um alle Bewegungs-Daten zu speichern, zu verarbeiten und zu versenden. Dank dieser Technologie können der Rehabilitationsprozess verbessert und die Pflegekosten reduziert werden. „Die Technologie ist endlich bereit dafür“, sagt Klaassen, der hierzu am 30. November promovierte.

Pro Jahr erleiden rund 280.000 Deutsche einen Schlaganfall, weltweit hat die Zahl auf 33 Millionen Betroffene zugenommen, wie die „Global Burden of Disease Study“ 2010 ergab. In Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung erscheint es logisch, dass die Zahl der Schlaganfälle weiter steigen wird.


Bart Klaassen mit dem INTERACTION-Anzug

University of Twente


Demonstration der Anwendung des Systems

University of Twente

Menschen, die einen Schlaganfall überleben, haben häufig mit körperlichen Schäden zu kämpfen. Das Ziel des Rehabilitationsprozesses, der einem Schlaganfall folgt, ist es, Patienten ein möglichst reibungsloses tägliches Leben zu ermöglichen.

Praktisch finden die Rehabilitationsmaßnahmen vor allem in den Reha-Kliniken statt. Nach Ablauf des Programmes ist das Monitoring der Patienten in ihrer Wohnumgebung nicht mehr gewährleistet. Meist bleibt unklar, wie sie mit ihren Einschränkungen in Folge des Schlaganfalls umgehen.

Und dies, obwohl es bekannt ist, dass mehr Wissen über das tägliche „Funktionieren“ der betroffenen Menschen zu einer erfolgreicheren Rehabilitation und zu geringeren Kosten führen kann.

Bewegungen analysieren

Bart Klaassen entwickelte im Rahmen eines europäischen FP7-Forschungsprojektes zusammen mit einem großen Team ein System, mit dessen Hilfe die Bewegungsqualität der Patienten genau gemessen und modelliert werden kann. Zudem kann es relevante Daten an die jeweiligen Therapeuten übermitteln. Es ist weltweit das erste Projekt, in dem Wissenschaftler mit einem derartigen System die vollständigen Bewegungen dieser Patienten in ihrer häuslichen Umgebung analysieren können.

„Schon seit langer Zeit, gab es einen großen Bedarf an einem solchen System, aber die Technologie war einfach noch nicht bereit dafür“, schildert Klaassen. „Dies ändert sich momentan dank rasend schneller Entwicklungen in den Bereichen Batterietechnologie, Wearable Computing, smarte E-Textilien und Big-Data-Analyse rasant.“

41 Sensoren

Gemeinsam mit einem großen Konsortium, bestehend aus Ingenieuren und Pflegeexperten, entwickelte Klaassen das INTERACTION-System. Es besteht aus einem Anzug, das die die Teilnehmer der Untersuchung über drei Monate unter ihrer Kleidung tragen mussten und der vollständigen technischen Infrastruktur, die Daten speichert, verarbeitet und sendet.

Der Anzug beinhaltet 41 Sensoren, darunter Sensoren, die auf einer Vielzahl von Körpersegmenten sitzen – Sensoren, die die Muskelkraft messen, Strecksensoren auf dem Rücken und den Händen und Kraftsensoren in den Schuhsohlen. Zudem ist der Anzug mit einem tragbaren Sender ausgestattet, der alle Informationen über das Internet an Datenverarbeitungsserver der University of Twente versenden kann.

Promotion

Im Rahmen seiner Promotion hat Klaassen gezeigt, dass das System in der Praxis funktioniert. „Wir haben unter anderem bewiesen, dass die Übertragung der kompletten Informationen funktioniert und auch effizient ist. Es ist uns gelungen, alle relevanten Bewegungen zu modellieren und die Daten heraus zu filtern, die für den Therapeuten relevant sind.

Unser Projekt hat neue Techniken und Methoden geliefert, die es möglich machen, den Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg zu monitoren und Abweichungen mit strukturierten klinischen Daten zu erfassen. Momentan führen wir weitere Untersuchungen durch, um den Beweis einer optimalen Begleitung der Rehabilitation durch diese Methoden definitiv zu bestätigen.“

Zusammenarbeit mit der Weltspitze

Bei der Entwicklung des Systems nutzten Klaassen und sein Team einen benutzerzentrierten Design-Ansatz. Auf diese Weise konnten sie stets Feedback der betroffenen Patienten für die Entwicklung des Systems einbeziehen. Auch werden in einem frühen Stadium weitere relevante Parteien wie Versicherungen und Fachkräfte des Gesundheitswesens bei Konzept und Forschung beteiligt.

Im Rahmen seiner Forschung arbeitete Klaassen eng mit dem zusammen, was er „die Weltspitze auf dem Gebiet der Rehabilitationstechnik“ nennt. So waren das Schweizer Reha-Zentrum Cereneo AG, das neuroklinische Untersuchungsinstitut des Krankenhauses in Zürich und Roessingh Research en Development B.V. intensiv bei dem Projekt einbezogen. Klaassen realisierte seine Untersuchung innerhalb der Fachgruppe „Biomedical Signals and Systems“ des Forschungsinstitutes MIRA der Universität Twente. Klaassen arbeitet derzeit als Koordinator für die tech4People BMS Labor bei der University of Twente.

Alf Buddenberg | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.utwente.nl/en/research/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fraunhofer IGB wirkt bei Gestaltung des europäischen Fahrplans für Organ-on-a-Chip-Technologie mit
14.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Entwicklung modernster Navigationssysteme für die Gefäßchirurgie
06.11.2017 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte