Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Operationen an der Leber in 3D und mit Navigationsunterstützung

16.08.2013
Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz nutzt als erste Universitätsklinik in Deutschland hochmoderne Technologie zur Entfernung von Lebermetastasen

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 65.000 Menschen neu an Darmkrebs. Bei etwa der Hälfte der Patienten entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung Metastasen in der Leber. Eine Heilung ist dann nur noch durch eine chirurgische Entfernung der Metastasen möglich.

Aufgrund des anatomischen Aufbaus und der Beschaffenheit der Leber einerseits und der Notwendigkeit zur Entfernung aller Metastasen andererseits, konnten bislang nur rund 20 Prozent dieser Patienten operiert werden. Um zukünftig mehr Patienten eine Operation zu ermöglichen, haben Medizintechnikexperten aus Bern, Stockholm und Bremen gemeinsam mit der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. Hauke Lang, MA, FACS, ein chirurgisches Navigationssystem für hochpräzise leberchirurgische Eingriffe entwickelt. Mainz ist die erste Universitätsklinik in Deutschland, die dieses System einsetzt.

Bei vielen Lebertumoren oder auch Lebermetastasen anderer Tumore ist die chirurgische Entfernung die einzige Therapie mit Aussicht auf Heilung. Allerdings stellen der individuell unterschiedliche Aufbau der Leber, die extrem starke Durchblutung und oftmals auch die Lage des/der Tumors/Tumoren in enger Nachbarschaft zu Blutgefäßen eine große Herausforderung für den Operateur dar.

Hinzu kommt, dass trotz der großen technischen Entwicklungen der bildgebenden Verfahren in den vergangenen Jahren vor der Operation nicht klar ist, wie viel Lebergewebe tatsächlich entfernt werden kann, ohne das die Funktionsfähigkeit des Organs eingeschränkt wird. Um ein gutes Behandlungsergebnis zu erzielen, sind daher eine exakte Planung und eine optimale Umsetzung dieses Plans während des Eingriffs von großer Bedeutung.

Deshalb hat ein Team um Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang, MA, FACS, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz, gemeinsam mit europäischen Partnern ein Gerät und chirurgisches Verfahren entwickelt, dass die Genauigkeit bei chirurgischen Tumorentfernungen in Kombination mit moderner Computer- und Navigationstechnologie verbessert.

Während der knapp 10-jährigen Forschungsphase hat sich gezeigt, dass neben einer speziellen Bildgebung künftig auch die Verwendung modernster navigationsbasierter Verfahren eine wichtige Rolle spielen wird:

So werden nun vor der Operation computertomografische Aufnahmen der Leber gemacht und in ein virtuelles 3D-Modell des Organs überführt. Dieses zeigt exakt an, wo sich Tumoren befinden und welche kritischen Strukturen in der Nähe (z. B. Gefässe) nicht verletzt werden dürfen. Während der Operation wird dieses 3D-Modell direkt im Operationssaal auf einem Bildschirm angezeigt, der Chirurg sieht dreidimensional Gefäße, Tumore und Segmente der Leber.

Das neuartige Navigationssystem „CAS-One“™, misst – ähnlich einem GPS Navigationssystem im Auto - die Positionen aller chirurgischen Instrumente und zeigt diese innerhalb des 3D-Modells der Leber an. Der Chirurg kann sich präzise im Organ orientieren und am Bildschirm genau sehen, wohin ein chirurgisches Instrument (z. B. ein Ultraschallskalpell oder eine Nadel) geführt werden muss, um den Tumor/die Metastasen vollständig zu entfernen bzw. zu zerstören und dabei möglichst wenig gesundes Lebergewebe zu beeinträchtigen.

Das CAS-One Lebernavigationsgerät (Fa. CAScination, Bern), das in der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz von Prof. Dr. Hauke Lang, MA, FACS mitentwickelt wurde und seit kurzem bei Operationen eingesetzt werden kann, ist das erste Gerät, welches in Deutschland an einer Universitätsmedizin im Einsatz ist. Weltweit sind es bislang acht Geräte.

„Selbst für erfahrene Chirurgen ist eine Leber-Operation aufgrund der Anatomie, der Gewebsbeschaffenheit und der damit verbundenen hohen Komplikationsrate eine Herausforderung. Die Verbesserung der Orientierung während der Operation mit dem neuen System ist beeindruckend und erlaubt einen hochpräzisen Eingriff. Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser Technologie in Zukunft auch bei einer Reihe bisher nicht operablen Fällen chirurgisch aktiv werden und damit mehr Patienten helfen können“, so Prof. Dr. Hauke Lang.

"Das Team von Prof. Dr. Hauke Lang war auf Gebiet der Computerassistierten Leberchirurgie stets bei den neusten Entwicklungen dabei und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit zum Thema der Intra-operativen Navigation. Durch den Einsatz des CAS-One Systems erwarten wir, dass mehr Patienten von einer potentiell heilenden Chirurgie profitieren können und dass in der Forschung neue Behandlungsansätze entwickelt werden", sagt Dr. Matthias Peterhans, Geschäftsführer der CAScination AG.

Univ.-Prof. Dr. Karl Lackner, Stellvertretender Medizinischer Vorstand, freut sich sehr über das neue Leistungsangebot: „Die Entwicklung und der Einsatz dieses Systems in Mainz zeigt einmal mehr, dass die Universitätsmedizin Mainz mit Prof. Lang eine hervorragende Adresse für Operationen an Leber, Pankreas und Gallengängen sowie Transplantationen ist. Für Patientinnen und Patienten aus der gesamten Region und aus dem Ausland werden wir zum Anlaufpunkt für eine innovative Tumor-Therapie.“

„Die Universitätsmedizin Mainz und das Team um Prof. Lang haben durch die erfolgreiche Mitentwicklung erneut bewiesen, dass sie sowohl national als auch international einen bedeutsamen Platz auf der medizinisch-wissenschaftlichen Landkarte einnehmen. Ich bin überzeugt, dass vom Einsatz des Systems weitere wichtige Impulse für die Behandlung von Erkrankungen der Leber ausgehen werden, deren Therapie bisher als aussichtlos eingeschätzt wurde. Zugleich motiviert es die Mainzer Mediziner, ihre Visionen und ausgezeichneten Forschungsansätze zu verfolgen und zu verwirklichen, um so vielen Patienten eine Perspektive bieten zu können“, ergänzt Univ.-Prof. Dr. Christian Werner, Stellvertretender Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin.

Pressekontakt
Caroline Bahnemann,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7426, Fax 06131 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Caroline Bahnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten