Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Computermodell soll Parkinson-Kranken helfen

21.07.2014

Christian Schmidt sucht für seine Forschung fächerübergreifende Zusammenarbeit

Manchmal muss man nach Forschungsanlässen nicht lange suchen: Als der Großvater von Dr. Christian Schmidt an Parkinson erkrankte, hatte der junge Mann vom Institut für allgemeine Elektrotechnik der Universität Rostock eine zusätzliche Motivation. Um diese heimtückische und noch nicht heilbare Nervenkrankheit zu verstehen – da wollte er dabei sein und die Behandlung mit revolutionieren helfen.


Dr. Christian Schmidt vertieft sich immer wieder in seine Forschung

(Foto: ITMZ/Julia Tetzke)

Der inzwischen 30-Jährige machte sich im Verbund mit anderen Fachdisziplinen daran, an einer neuen Operationstechnik zu forschen, die die Symptome von Parkinson zu lindern vermag.

Die ersten Ergebnisse dieser Forschung stellte er jetzt in seiner Doktorarbeit dar – mit großem Erfolg. Denn die Arbeit wurde nun mit dem Joachim-Jungius-Förderpreis der Uni Rostock für eine herausragende Dissertation ausgezeichnet. Und aus der Substanz seiner Doktorarbeit sind immerhin schon neun internationale Publikationen hervorgegangen.

Anfänglich sollte Christian Schmidts Karriere eine ganz andere Richtung nehmen. Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik wollte er werden. Sein Studium schloss er mit der Bestnote, also 1,0 ab. „Aber als ich den Abschluss hatte, merkte ich: das kann es für mich noch nicht gewesen sein“, sagt der gebürtige Wismarer. Er kehrte dem Schulwesen zunächst den Rücken und begann wissenschaftlich zu arbeiten.

„Ich wollte tiefer einsteigen in die Wissenschaft, um Zusammenhänge und die Schönheit in Formeln zu erkennen, die mich interessieren“. Die Uni Rostock ermöglichte ihm diesen Weg. Über das Graduiertenkolleg Welisa war der Startschuss für seine Doktorarbeit gegeben. Er entwarf „mit einer riesen Aufbruchstimmung“ ein neuartiges Computermodell des menschlichen Gehirns, das er für die medizinische Behandlung nutzbar machen will.

Er kooperiert dafür beispielsweise mit Mathematikern, Informatikern und Elektrotechnikern, Biophysikern, vor allem aber mit seinem Ko-Betreuer von der Uni-Nervenklinik Rostock, Dr. Eilhard Mix, der ihm auch Kontakt zu anderen Fachärzten ermöglichte. Weitere Kooperationspartner waren Neuro-Ingenieure vom University College Dublin. In beiden Einrichtungen wird seit Jahren an dem so genannten „Hirnschrittmacher“ gegen Parkinson geforscht.

Mittels Elektroden werden die erkrankten Nervenbahnen im Gehirn stimuliert, dadurch wird eine Abschwächung der Krankheitssymptome erreicht. „Das von mir gebaute Computermodell soll dazu dienen, vor der OP einen bestmöglichen Einsatz der Elektroden zu simulieren und die Behandlung noch effektiver zu machen“, so Christian Schmidt. Seine Erkenntnis: „Man sucht sich eine Forschungs-Lücke, in der der eigene Beitrag bahnbrechend sein kann“.

Den eigenen Ideenreichtum stimuliert der gebürtige Wismarer mit Musik. Er spielt Gitarre und singt im Rostocker Rock-, Pop- und Gospel-Chor „Celebrate“. Schmidt weiß, dass Forscher wohl über kein anderes menschliches Organ so viel Wissen angesammelt haben wie über das Gehirn. Angesichts solcher Fortschritte könnte es scheinen, dass das Gehirn großenteils enträtselt ist. Doch in Wahrheit sind wir noch weit davon entfernt, wirklich zu verstehen, wie es funktioniert. Ein Ansatz, an dem der ehrgeizige Rostocker Wissenschaftler sich einbringt, ist es, das Gehirn als Netzwerk zu begreifen, dessen Schlüssel zum Verständnis in seiner Verschaltung liegt.

Das wohl kühnste Projekt dürfte der Nachbau des menschlichen Gehirns als Computermodell sein. Schmidt ist überzeugt: „Es wird immer konkreter werden, damit man optimale Stimulationsparameter, beispielsweise bei Parkinson ablesen kann“. An dem Thema möchte er weiter forschen, „um die Behandlungsmöglichkeiten für Ärzte zu vereinfachen“. Das Durchhaltevermögen dafür holt er sich auf langen Wanderungen. Wissbegierig und gut organisiert war er schon immer. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Dr.-Ing. Christian Schmidt
Universität Rostock
Fakultät für Informatik und Elektrotechnik
Institut für Allgemeine Elektrotechnik
Albert-Einstein-Str. 2
Tel. +49(0)381 498 7077
e-mail: christian.schmidt6@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Computermodell Elektroden Elektrotechnik Gehirn Informatik Parkinson

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie