Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Nagel lässt verkürzte Beine bis zu acht Zentimeter wachsen

16.03.2009
Unfallchirurgen des Uniklinikums Jena gleichen mit Spezialverfahren Beinverkürzungen aus

Mit einem intelligenten implantierbaren Nagel verlängern die Unfallchirurgen des Universitätsklinikums Jena (UKJ) verkürzte Beine unsichtbar und schmerzfrei.

Bis zu acht Zentimeter neues Knochengewebe kann so in drei Monaten gewonnen werden - durch die Nutzung einfacher Alltagsbewegungen als Motor für den implantierten Verlängerungsmechanismus. Jetzt wird dieses moderne Operationsverfahren auch durch die Krankenkassen übernommen.

Knochen neu wachsen zu lassen ist eine der großen Herausforderungen für Unfallchirurgen und Orthopäden. Vor dieser stehen sie beispielsweise, wenn es eine einseitige Verkürzung der Beine zu beheben gilt. Solch ein Längenunterschied kann über zehn Zentimeter betragen und mehrere Ursachen haben: Eine Erkrankung wie ein Knochentumor, eine angeborene Fehlbildung oder zerstörtes Knochengewebe nach einem Unfall. Ist der Längenunterschied zwischen dem gesunden und dem verkürzten Bein größer als zwei bis drei Zentimeter, müssen die Betroffenen langfristig mit größeren Problemen mit der Wirbelsäule, der Hüfte und den Gelenken rechnen, die auch mit orthopädischen Einlagen oder Schuhen nicht optimal behoben werden können.

Abhilfe schafft ein chirurgischer Eingriff, der die Fähigkeit der Knochen zu neuem Wachstum nutzt: Der zu kurze Knochen wird durchtrennt und über einen längeren Zeitraum kontinuierlich auseinander gezogen, so dass sich in dem Spalt neues Knochengewebe bildet. Bis vor einigen Jahren war dazu der monatelange Einsatz eines sperrigen "Metallkäfigs", eines sogenannten Fixateur externe, notwendig. "Heute können wir durch die Implantation eines intelligenten Marknagels eine schnelle und elegante Beinverlängerung erreichen", erklärt Prof. Dr. Dr. Gunther Hofmann, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKJ die Fortschritte in diesem Bereich.

Statt großer Narben sind nur kleine Schnitte nötig, um den Marknagel in den Knochen einzusetzen. "Durch einen inneren Verlängerungsmechanismus dehnt sich der Nagel nach genauen Vorgaben immer weiter aus und sorgt so für einen ständigen Längengewinn für den operativ durchtrennten Knochen", erläutert Oberarzt PD Dr. Thomas Mückley den Mechanismus. Ausgelöst wird der Transport durch die Nutzung der bei Alltagsbewegungen ganz automatisch auftretenden Zugkräfte. "Damit kann pro Tag faktisch unbemerkt ein Millimeter neuer Knochen gewonnen werden, so dass wir in 70 Tagen sieben Zentimeter Längenzuwachs erreichen können".

Millimetergenau kann der neue Nagel der zweiten Generation eingestellt werden, der am UKJ ca. zehnmal im Jahr implantiert wird. Etwa die Hälfte der Patienten sind Unfallopfer, alle Altersgruppen zwischen 20 und 50 sind vertreten. Dank dem modernen Operationsverfahren verhilft ihnen der Verlängerungsnagel nach einem minimal invasiven, nur zweistündigen Eingriff oft wieder zu einer völligen Bewegungsfreiheit.

Für den Erfolg ist aber auch die aktive Mitarbeit der Patienten gefragt: "Zuhause muss mit einem speziellen Monitor die täglich erreichte Verlängerung und damit der Fortschritt kontrolliert werden", so Mückley. Denn ein Zuviel ist schädlich - Knochen, Haut und Nerven könnten dann nicht nachwachsen. Nach etwa zwei Jahren ist das neue Knochengewebe stabil verknöchert und der Nagel wird wieder entfernt. "Ein Vorteil des Verfahrens besteht darin, dass es nach einiger Zeit auch wiederholt werden kann, wenn die Verkürzung mehr als die zu erreichenden acht Zentimeter beträgt", sagt Prof. Hofmann. Er hofft, dass jetzt mehr Betroffene als bisher von dem neuen Verfahren profitieren können, denn "seit diesem Jahr wird diese Beinverlängerung auch von den Kassen übernommen". Das eröffne viele neue Möglichkeiten für Patienten, die seit Jahren mit einer Beinverkürzung leben.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Gunther Hofmann
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, UKJ
Tel. 03641/9 32 28 01
E-Mail: Gunther.Hofmann[at]med.uni-jena.de
Ltd. Oberarzt PD Dr. Thomas Mückley
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, UKJ
Tel. 03641/9 32 28 11
E-Mail: Thomas.Mueckley[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Extrem schnelle Erfassung und Visualisierung von Tumorgrenzen während der Operation
15.01.2018 | Universität zu Lübeck

nachricht Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen
12.01.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics