Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikrosensor im Auge

26.05.2014

Winzige Drucksensoren ermöglichen die berührungslose Selbstmessung des Augeninnendrucks

Weniger als einen Millimeter dick und etwa so groß wie eine Erbse ist das neuartige Implantat, von dem sich Prof. Dr. Hagen Thieme, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Magdeburg, Antworten auf grundlegende wissenschaftliche Fragen erhofft.


Die Messung des Augeninnendrucks mit einem Gerät in Handgroße erfolgt berührungslos.

Foto: Implandata Ophthalmic Products


Das ringförmige Augenimplantat.

Foto: Uwe Seidenfaden / Universitätsklinikum Magdeburg

Wie stark schwankt der Augeninnendruck von Patienten mit einem Grünen Star (Glaukom) über 24 Stunden wirklich? Unter welchen Bedingungen ist das Risiko einer Erblindung bei einem Glaukom besonders hoch? Mit welchen Medikamenten und operativen Techniken kann der Augeninnendruck am besten beeinflusst werden?

Das sind nur einige von vielen Fragen, die Mediziner von sechs deutschen Universitätsaugenkliniken jetzt im Rahmen einer Anwendungsstudie mit dem neuartigen telemetrischen, intraokularen Drucksensor ARGUS der Medizintechnikfirma Implandata Ophthalmic Products beantworten wollen.

Eine der häufigsten Augenerkrankungen in Deutschland ist das Glaukom, auch Grüner Star genannt. Fast eine Million Bundesbürger sind davon betroffen und viele Menschen wissen es nicht. Augenärzte unterscheiden zwischen verschiedenen Glaukom-Formen. Statistisch am häufigsten ist das sogenannte Offenwinkel-Glaukom. Dabei führt eine mit zunehmendem Alter fortschreitende Erhöhung des Augeninnendrucks zu einer Minderdurchblutung der Netzhaut und zu dauerhaften Sehnervschäden.

Mit verschiedenen Medikamenten, die den Augeninnendruck durch Beeinflussung des Zuflusses oder des Ablaufs von Augenkammerwasser regulieren, versuchen Ärzte den fortschreitenden Sehverlust zu verhindern. Gelingt das nicht, kommen mikrochirurgische oder Laserverfahren zum Einsatz. Leider lässt sich bislang nur der fortschreitende Sehverlust verzögern, jedoch nicht rückgängig machen.

Therapien sollen optimiert werden

Für die Therapie wichtig sind die Augeninnendruckmessungen, die derzeit meist mit einer sogenannten Goldmann-Applanationstonometrie von einem Augenarzt durchgeführt werden. Diese Tonometrie-Variante beruht auf einer Wiedermessung am Auge. „Die Messungen in der Nacht erfordern bislang, dass Patienten in die Klinik stationär aufgenommen werden“, sagt Professor Thieme. Das führt zu Problemen, weil nicht genügend Betten für Patienten zur Verfügung stehen und weil auch nur maximal zwei Messungen pro Nacht praktisch zu realisieren sind.

Eine Verbesserung der Situation versprechen sich die Augenärzte von einem neuartigen Mikroimplantat, das Druckschwankungen im Auge im Laufe eines ganzen Tages berührungsfrei registrieren kann. Die Magdeburger Universitätsaugenklinik ist leitendes Zentrum der bundesweiten Studie, in der zunächst 12 Patienten eingeschlossen werden sollen.

Die Ethikkommission der Universität Magdeburg hat ihr Einverständnis zu der Studie gegeben. Vorangegangen waren Tierversuche und eine Pilotstudie an der Universität Aachen, in der sechs Testpersonen das seither weiter verbesserte Implantat eingesetzt wurde.

Im Rahmen der neuen Anwendungsstudie soll der Augeninnendrucksensor zusammen mit einer künstlichen Augenlinse Patienten mit einem Grauen Star (Katarakt) implantiert werden. Zukünftig ist es auch denkbar, mit dem Implantat die Augeninnendruckschwankungen von Menschen mit anderen Erkrankungen zu messen. Erwogen wird auch die Übermittlung der Messdaten per Mobilfunktelefon direkt an die Augenärzte.
In diesen Tagen sollen die ersten Patienten den neuartigen Sensor für die Selbstkontrolle erhalten.

Text: Uwe Seidenfaden

Ansprechpartner für Redaktionen / Nicht zur Veröffentlichung gedacht
Prof. Dr. Hagen Thieme
Direktor der Universitätsaugenklinik Magdeburg
Tel.: 0391 - 67 13571
E-Mail: augenklinik@ovgu.de

Kornelia Suske | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie