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Gegen das Schlaganfallrisiko

26.11.2009
Neues Verfahren bei Vorhofflimmern

Den im Ruhrgebiet ersten herzkathetergeführten Verschluss eines Vorhofohrs haben jetzt Mediziner der Uni-Klinik für Kardiologie im Westdeutschen Herzzentrum Essen durchgeführt.

Sie konnten dadurch das Schlaganfallrisiko einer 83-jährigen Patientin mit Vorhofflimmern deutlich senken. Ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung, das ansonsten gegen das Schlaganfallrisiko eingesetzt wird, durfte die Patientin nicht nehmen.

Nicht nur Herzrasen, Brustschmerzen und Atemnot
Vorhofflimmern ist bei weitem die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Betroffen sind bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland. Neben Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot hat Vorhofflimmern schwerwiegende Folgen: Experten schätzen, dass etwa jeder dritte bis vierte Schlaganfall durch Vorhofflimmern entsteht. Dieses bewirkt einen Stillstand im Blutfluss des Herzens, der zur Blutgerinnselbildung führt. Über 90 Prozent der Thromben entstehen im Bereich des linken Vorhofohres. Diese Thromben können einen akuten Schlaganfall auslösen, wenn sie in die Gehirngefäße verstopfen.

Die Standardtherapie des Vorhofflimmerns besteht aus der lebenslangen Hemmung der Blutgerinnung mit Hilfe von so genannten Cumarinderivaten wie beispielsweise das Arzneimittel Marcumar. Nachteile dieser Therapie sind neben den regelmäßig erforderlichen Gerinnungskontrollen die mögliche Schädigung der Leber und eine deutlich erhöhte Blutungsneigung. Hinzu kommt, dass viele, insbesondere ältere Patienten, die unter weiteren Erkrankungen leiden, nicht mit diesem Medikament behandelt werden können.

Schlaganfall vorbeugen: Vorhofohr verschließen
Da mehr als 90 Prozent der Thromben bei Patienten mit Vorhofflimmern im linken Vorhofohr entstehen, ist der Verschluss dieser Aussackung des linken Vorhofs zur Vorbeugung von Schlaganfällen sinnvoll. "Jetzt stehen uns zwei Systeme zur Verfügung, mit denen es möglich ist, das linke Vorhofohr minimal invasiv im Herzkatheterlabor zu verschließen", erklärt Prof. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie. Nach ihrer Implantation werden die Systeme komplett mit Gewebe durchgebaut und die Oberfläche mit einer feinen Zellschicht überzogen, so dass das Vorhofohr nach einigen Wochen komplett verschlossen ist und Gerinnsel sich nicht mehr bilden können, die den Patienten gefährden. Die Gerinnungshemmung wird so überflüssig. Erste Studien sind sehr viel versprechend. Sie belegen die guten Ergebnisse dieser Behandlungsmöglichkeit und den Rückgang der Schlaganfälle. Noch diese Woche behandelt das bereits beim ersten Eingriff so erfolgreiche Team, bestehend aus dem Oberarzt Dr. Thomas Konorza, Dr. Philipp Kahlert und Dr. Björn Plicht, weitere vier Patienten mit diesem Verfahren.
Nähere Informationen:
Prof. Raimund Erbel
Klinik für Kardiologie
Westdeutsches Herzzentrum Essen
0201 / 723 - 4800
erbel@uk-essen.de

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

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