Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fit im Alter durch Hirnstimulation und Training

19.04.2017

Die Menschen in den westlichen Industrienationen leben immer länger. Mit zunehmendem Alter lassen häufig für den Alltag wichtige sensorische und motorische Leistungen nach, was für die Betroffenen ein Problem darstellen kann. Ein nationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung will diesen altersbedingten Abbau entschleunigen. In einem vom BMBF geförderten Projekt erforschen die Neurowissenschaftler und Psychologen, wie das Gehirn altert und wie kognitives und motorisches Training in Kombination mit nicht-invasiver Hirnstimulation negativen Alterungseffekten nachhaltig entgegenwirken können.

Vokabeln lernen und behalten: Das ist nicht nur viele Schüler eine ungeliebte Aufgabe. Besonders im Alter fällt es immer schwerer komplexe Zusammenhänge zu behalten und Informationen effizient zu verarbeiten. Warum dieses so ist, und wie man dem entgegenwirken kann, untersuchen Forscher eines nationalen Konsortiums mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo). Unter anderem könnte die transkranielle Hirnstimulation nützlich sein:


Hirnstimulation per Magnetfeld.

@IfADo

Je nach Anwendungsmethode kann diese Technik die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Das zeigt eine aktuelle Studie von italienischen Forschern in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Nitsche, Leiter der Forschungsabteilung Psychologie und Neurowissenschaften am IfADo.

Bei der transkraniellen Hirnstimulation werden mit Hilfe magnetischer oder elektrischer Felder gezielt Gehirnareale stimuliert, sodass ihre Aktivität verstärkt oder gehemmt wird. Frühere Studien deuten daraufhin, dass die Hirnstimulation vielversprechend für die Behandlung neurologischer, psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder auch der Folgen eines Schlaganfalls ist.

In der aktuellen Studie haben Nitsche und seine Kollegen junge und alte Probanden mit unterschiedlichen Varianten der Hirnstimulation behandelt, während die Teilnehmer vorgegebene Kunstwörter auswendig lernen und wiedergeben mussten. Die Forscher konnten zeigen, dass vor allem ältere Probanden ab 60 Jahren im Gegensatz zu 20-Jährigen am stärksten davon profitierten, wenn Areale beider Hirnhälften stimuliert werden.

Leistungen im Alltag verbessern als langfristiges Ziel

„Wir wissen, dass sich das Gehirn auch im Alter noch an neue Anforderungen anpassen kann. Diese Plastizität ist Grundlage für alle Lernprozesse. Die Vorgänge im Gehirn müssen wir aber noch besser verstehen“, sagt Neurologe Nitsche. Im Verbund mit Forschern aus Berlin, Dresden, Hamburg und dem IfADo engagiert er sich daher im Projekt „Train-Stim“, das von der Berliner Charité geleitet wird.

Langfristiges Ziel ist es, vorhandene Methoden der nicht-invasiven Hirnstimulation sowie kognitives und motorisches Training zu optimieren. Damit sollen die Grundlagen geschaffen werden, um beispielsweise Gedächtnisfunktionen, Bewegungsabläufe oder das Sprachverstehen von älteren Menschen zu verbessern und damit ihre Leistungen im Alltagsleben zu verbessern. Dazu ist das Forschungsprojekt in drei Phasen gegliedert. „Zunächst müssen wir die Prozesse im Gehirn, die Plastizitätsänderungen, näher untersuchen. Dann können wir die Methoden verbessern, um sie schließlich auch außerhalb des Labors zu testen“, sagt Michael Nitsche.

Damit Menschen zukünftig von den Forschungsanstrengungen profitieren können, sucht das IfADo noch speziell nach ProbandInnen zwischen 50 und 80 Jahren für Untersuchungen der Hirnfunktionen. „Die transkranielle Hirnstimulation ist schmerzlos und unbedenklich“, sagt Nitsche. An drei Untersuchungsterminen kommen ProbandInnen ins IfADo. Die Hirnaufnahmen, die dabei erstellt werden, dürfen sie behalten.

Das Forschungsprojekt:
Die Abkürzung Train-Stim steht für „Neuronale Plastizität des aktiven Alterns: Verbesserung sensorischer, motorischer und kognitiver Funktionen durch Trainingsinterventionen und nicht-invasive Hirnstimulation“. Koordiniert wird das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund dreieinhalb Millionen Euro geförderte Projekt von der Berliner Charité (Prof. Dr. Agnes Flöel). Beteiligt sind außerdem Forscher des Universitätsklinikums Hamburg (Dr. Friedhelm Hummel), der TU Dresden (Prof. Shu-Chen Li) und des IfADo (Prof. Dr. Jörg Lewald). Das Projekt endet im Juni 2019.

Publikation:
Fiori, V., Nitsche, M., Iasevoli, L., Cucuzza, G., Caltagirone, C., Marangolo, P. (2017): Differential effects of bihemispheric and unihemispheric transcranial direct current stimulation in young and elderly adults in verbal learning. Behavioural Brain Research 321 (2017), 170-175. doi: 10.1016/j.bbr.2016.12.044

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Michael Nitsche
Leiter des Forschungsbereichs „Psychologie und Neurowissenschaften“
Telefon: + 49 231 1084-301
E-Mail: nitsche@ifado.de

Kontakt für Interessierte:
Eva Strzelec
Forschungsbereich „Psychologie und Neurowissenschaften”
Telefon: + 49 231 1084-322 (10 bis 12 Uhr)
E-Mail: strzelec@ifado.de

Das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Das IfADo hat mehr als 200 Mitarbeiter/innen aus naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 91 selbstständige Einrichtungen umfasst. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,7 Milliarden Euro.

Weitere Informationen:

http://doi.org/10.1016/j.bbr.2016.12.044 Die Orginalpublikation

Eva Mühle | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ifado.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Studienergebnisse zur Tiefenhyperthermie-Behandlung
15.02.2018 | Klinikum der Universität München

nachricht Neues Messverfahren revolutioniert Neurowissenschaften
15.02.2018 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics