Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit der Computertomografie einen Sinn voraus

11.05.2010
Der Einsatz der Computertomografie nimmt eine Schlüsselstellung für Spezialfragen der Rechtsmedizin ein und unterstützt die Arbeit der Pathologen und Rechtsmediziner.

Die Zukunft der Rechtsmedizin sieht Professor Dr. med. Klaus Püschel, der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), in der virtuellen Autopsie mittels bildgebender Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT).

Längst wird an seinem Rechtsmedizinischem Institut bei bestimmten Todesfällen standardmäßig eine CT-Untersuchung des Leichnams vorgenommen – die sogenannte post-mortem-CT – noch bevor der Leichnam durch den Gerichtsmediziner obduziert wird.

Spezialfragen mit der Computertomografie lösen
„Für ein abschließendes Urteil der Todesursache ist die klassische Obduktion nach wie vor der Goldstandard. Doch die CT erleichtert dem Obduzierenden das Vorgehen bei der Sektion“, erklärt Püschel. Veränderungen von Organen und Knochen, oder kleinste Luftansammlungen, sind bereits vor der Obduktion in der CT sichtbar. Zur Obduktion gehört auch die äußere Leichenschau, bei der der Rechtsmediziner den gesamten Leichnam auf seine formale Beschaffenheit begutachtet und nach äußeren Hinweisen der Todesursache mit bloßem Auge sucht. Im Rahmen der äußeren Leichenschau kommt die CT-Untersuchung am Hamburger Institut bei bestimmten Todesfällen standardmäßig zum Einsatz. Rechtsmediziner und Staatsanwälte einigten sich darauf, dass in Fällen von Gewalteinwirkungen, bei Brand- und Fäulnis-veränderten Leichen, ebenso bei Kinderleichen mit Anzeichen von Misshandlungen, der Leichnam mittels der CT untersucht werden muss. Mit der Computertomografie können in diesen Fällen spezielle Fragestellungen geklärt und die Vorteile der CT-Darstellung am besten genutzt werden. Dies gilt auch für Fälle bei denen Luftansammlungen oder Fremdkörper vermutet werden, oder bei einem Leichnam mit Schussverletzungen. „In diesen Fällen ist die Computertomografie im Vorfeld sehr hilfreich und der Obduktion zum Teil überlegen. Beispielsweise wenn es darum geht Projektile aufzufinden, die Schussrichtung nachzuvollziehen und damit auch den Tathergang zu rekonstruieren. Zudem ermöglicht es dem Rechtsmediziner eine gezieltere Suche nach der Todesursache“, erklärt Professor Dr. med. Hermann Vogel, pensionierter Hamburger Radiologe. Mit dem Rechtsmedizinischen Institut in Hamburg kooperierte Professor Vogel bereits vor seiner Pensionierung. Seit 2008 erstellt er die Befunde der bisher 2000 CT-Untersuchungen des Rechtsmedizinischen Instituts. Professor Vogel betont: „Eine CT-Untersuchung ersetzt nicht die Gründlichkeit bei der Obduktion, sondern unterstützt sie. Der Radiologe kann Gewebeveränderungen im Bild sichtbar machen, die nicht zwingender Maßen bei der äußeren Leichenschau zu erkennen sind.“
Von den Toten für die Lebenden lernen
Der Einsatz der Computertomografie in der Rechtsmedizin dient in Hamburg auch der Qualitätskontrolle von Behandlungsabläufen. Vor allem verstorbene Patienten aus der Rettungsstelle und seit kurzem auch Verstorbene der Intensivstation des Hamburger Klinikums werden im Rahmen der äußeren Leichenschau auch mit der CT untersucht, um Behandlungsfehler auszuschießen. Die Ergebnisse werden im Anschluss mit dem behandelnden Arzt besprochen. „Wir haben hier in Hamburg die Erfahrung gemacht, dass die post-mortem-CT zu einer wechselseitigen Ergänzung und zu positiven Veränderungen in den Klinikabläufen führt“, berichtet der Radiologe Professor Vogel und ergänzt: „Die Diagnostik der Verstorbenen mit schweren und mehrfachen Verletzungen – einem sogenannten Polytrauma – und deren systematischen Analyse gibt darüber hinaus Aufschluss über die verschiedenen Erscheinungsbilder dieser Traumata. In Einzelfällen verlaufen schwere Verletzungen sehr unterschiedlich und sind daher schwer zu behandeln.“
Erfahrungen beider Disziplinen verbinden
Der Radiologe – da sind sich Püschel und Vogel einig – wird in der Rechtsmedizin zukünftig verstärkt gefordert. Längst nicht an jedem Institut ist diese Konstellation von Rechtsmediziner und Radiologen selbstverständlich. „Die Strukturen in den Rechtsmedizinischen Instituten müssen sich dem Paradigmen-wechsel anpassen“ schildert Professor Püschel. Darüber hinaus betont Professor Vogel: „Neben der geforderten Schnelligkeit ist in der Rechtsmedizin viel Erfahrung im Begutachten der CT-Bilder gefragt. Für den Radiologen herausfordernd sind vor allem die Verwesungs-bedingten Veränderungen der Organe eines Leichnams.“ Die Darstellung der Organe in der CT verändert sich – je nachdem wie viel Zeit zwischen Todeszeitpunkt und CT-Untersuchung vergehen. Es bilden sich Fäulnisgase und Flüssigkeiten, die in der CT sichtbar werden und die Befundung erschweren. Für Professor Püschel und Professor Vogel liegt deshalb der Weg für die Zukunft der Gerichtsmedizin im Zusammenführen von Erfahrungen. Das Wissen der Gerichtsmediziner über die Verwesungs-bedingten Veränderungen des menschlichen Körpers und das technische Know-How der Radiologen müssen zusammengeführt werden, um die Computertomografie in weiteren Fällen zuverlässig einsetzen zu können.

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Mikroskopie der Zukunft
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Markerfreies Verfahren zur Schnelldiagnose von Krebs
22.05.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics